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Der Kurpark war einst ein beliebtes Postkartenmotiv

Die Kirche im Dorf lassen

Bad Nenndorf. Der Kurpark als Postkartenmotiv – bei all der Nörgelei über Gestaltungsdetails, Bewirtschaftungskosten und Radfahrer auf der Promenade sowie dem Jammer um verschwundene Bäume kann das ja wohl nur eine Utopie sein. Doch bis in die siebziger Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts wurden jährlich neue Ansichtskarten in Druck gegeben.

veröffentlicht am 22.09.2013 um 16:57 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:22 Uhr

Eine umfangreiche Sammlung hat Rosemarie Börner zu Hause und auch Jörg und Holger Bartels sammeln Postkarten, Trinkgläser und andere Andenken an den einst florierenden Kurbetrieb in Bad Nenndorf. Die historischen Ansichten, die bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreichen, zeigen so manche längst verschwundene Besonderheit der denkmalgeschützten Parkanlage.

Es gibt sogar ein Buch, das ausschließlich Postkartenmotive aus Bad Nenndorf zeigt, eine Kopie davon hat Herbert Kruppa im Schrank. 1936 wirbt das Staatsbad beispielsweise mit dem Winckler-Bad als Deutschlands modernstem Schlammbadehaus.

Jörg Bartels, der wie Kruppa dem Aufruf dieser Zeitung gefolgt ist und seine Kurpark-Erinnerungen preisgegeben hat, besitzt sogar ein Unikat: die einzige Luftaufnahme der Esplanade mit dem auf die Grundmauern niedergebrannten Galeriegebäude. Eigentlich sollte daraus auch eine Postkarte werden, zur Veröffentlichung kam es aber nie.

Eine in Umlauf gebrachte Karte erinnert daran, dass oberhalb des heutigen Hotels Hannover einmal Tennisplätze angelegt waren. Auch ein Spielplatz nicht nur für Kinder befand sich dort: Barren, Reck und Schaukeln standen den Besuchern zur Verfügung, außerdem ein Krocketspiel, Vorrichtungen für Ballübungen und ein Luftkegelspiel. Letztgenanntes war früher besonders bei den Gästen beliebt.

Jörg Bartels besucht mit seinem Bruder Messen und Börsen, um Sammlerstücke zur Bad Nenndorfer Geschichte zu bekommen. Unter anderem besitzt er Schriftstücke, die Überlegungen dokumentieren, die St.-Godehardi-Kirche in den Park zu verlegen. Das Gotteshaus war zu klein geworden, sollte abgerissen und neu aufgebaut werden – doch die Parkpläne wurden verworfen, der Neubau ein Stück oberhalb des alten Standorts realisiert.

Einst wurde eine Schmiede im Kurpark betrieben, auch um die Kutschen der Kurgäste wieder flott zu machen. Zudem waren Rundbänke um die Bäume einmal äußerst angesagt. Und Rodeln war ein großes Kindheitsvergnügen für Jörg Bartels – vom Galenberg bis zur Hauptstraße, der heutigen Promenade, sausten die Schlitten hinunter. Heute wohl undenkbar.gus




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