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Herren-Lounge des Weihnachtszaubers / Edelzwirn und starker Tobak / Ambivalentes Resultat

"Die Männer eher im Sinn als in der Quere"

Bückeburg. Obwohl "der" Weihnachtszauber sprachrichtig dem Maskulinen folgt und "das" Einkaufen eigentlich im Sächlichen siedelt, muten Zauber und Kaufen in kombinierter Ausformung überwiegend weiblich an. Diesem Eindruck mochte während der Auftakttage der fürstlichen Preziosen-Show wohl niemand widersprechen. Mindestens zwei Drittel des Publikums bestanden aus Frauen - gefühlt rund 90 Prozent.

veröffentlicht am 02.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:20 Uhr

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Da passte die Erstellung eines speziell der Männerwelt gewidmeten Refugiums gut ins Bild. Das Resultat war indes ambivalenter Natur. Die gleich hinter der Schlossbrücke orientierungsfreundlich platzierte Herren-Lounge kam mit allem daher, was dem Mann von Welt gut zu Gesicht (und zu Figur) steht. Whisky, Edelzwirn und starker Tobak, dazu Ober- und Unterbekleidung in mannigfaltiger Ausformung. Zumeist maßgeschneidert. In der Gaumenkitzelabteilung fehlten "Fire Roasted Cinnamon Apple Spices" und Ingwerkuchen ebenso wenig wie "erlesene Weine" (Primitivo di Manduria) und getrüffelte Berglinsen, denen es wiederum weder an Coteccino noch an Balsamicocreme mangelte. Kurz vor Toresöffnung hatte, durchaus seriösen Quellen zufolge, die ohnehin üppig bestückte Angebotspalette eine Ergänzung um zielgruppenrelevantes Magazinmaterial - "auto motor sport", "Playboy" oder "Capital" - erfahren. "Vielleicht hätte man das Haus Uhse zurate ziehen sollen", sinnierte eine Besucherin. Was ihre Worte nicht auszudrücken vermochten, verriet ihr Mienenspiel: "Wo bitte sind hier die Männer?" Und nach behutsamer Ursachenerforschung bedeutete die Hanseatin, dass ihr der Sinn keineswegs nach dem erotischsten aller männlichen Körperteile (Brieftasche) stand. Womöglich habe sie den Begriff "Herren-Lounge" falsch verstanden. Gleichwie: Festzuhalten bleibt, dass in dem exquisit ausstaffierten Zeltbau die Männer den Frauen eher in den Sinn als in die Quere kamen. Was allerdings, so der Naturverbundenheit der im femininen Beritt aktuell angesagten Outdoor-Burschen eine unanzügliche Ernsthaftigkeit zugestanden wird, nicht wunder zu nehmen vermag. Die vermeintlichen Herren der Schöpfung wollten anscheinend schlicht und simpel das astreine Herbstwetter außerhalb einer üppig beheizten Spezial-Lounge genießen - wo sie im Freiluftgelände allerhand charmanter Mädels mit superb gefüllten eigenen Brieftaschen gewahr wurden, denen "Primitivo" und "Berglinse" hochkant am (seltsamerweise sprachkorrekt männlich definierten) überaus wohlgeformten Allerwertesten vorbeigingen.




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