weather-image
×

"Lärmbelästigung durch das Doktorseefest" am Dienstag Thema einer Krisensitzung im Rathaus

" Die Menschen standen senkrecht im Bett "

Rinteln (wm). Am Dienstag soll in großer Runde mit Ordnungsamt und Polizei im Rathaus geklärt werden, warum die Rockband "Grace" beim Sommerfest "Doktorsee in Flammen" Ende Juli so "infernalisch" hat lärmen dürfen, wie das ein Anwohner aus der Südstadt formuliert hat. "Bei der Hitze hatten alle die Fenster auf - niemand konnte schlafen."

veröffentlicht am 05.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Was am meisten genervt habe, so ein Anwohner an der Drift: Bis Mitternacht sei der Lärmpegel noch ganz erträglich gewesen. Erst danach habe sich die Lautstärke praktisch verdoppelt. Das bestätigte auch die Rintelner Ratsfrau Ursula Helmhold (Grüne): "Ab 1 Uhr nachts wurden die Lautsprecher auf höchste Lautstärke gestellt. Bis zum Krankenhaus standen die Menschen senkrecht im Bett." Sogar die Rolling Stones in Hannover hätten ihr Konzert vor Mitternacht beenden müssen. "Warum klappt sowas nicht in Rinteln?" Helmhold hat jetzt eine offizielle Anfrage an die Stadtverwaltung zu diesem Thema gestellt. Ebenso Ratsherr Gert Armin Neuhäuser (WGS), der ausdrücklich darauf hinweist, dass sich der Doktorsee - wie jeder Privatmann - an das geltende Recht zu halten habe. Nach geltender Rechtsprechung seien Feiern, von denen nach Mitternacht eine beträchtliche Lärmemission ausgehe, nicht mehr genehmigungsfähig. Ordnungsamtschef Friedrich-Wilhelm Henke wies gestern auf Anfrage die Vorwürfe zurück, die Stadt habe der Doktorsee GmbH eine Genehmigung erteilt, bis morgens um 3 Uhr feiern zu dürfen. Das sei nicht der Fall. Der Vergleich mit dem Altstadtfest - wie in einem Leserbrief zitiert - sei schon aus rechtlichen Gründen nicht zu ziehen. Henke erläuterte, beim Altstadtfest,wo um Mitternacht der letzte Musiker von der Bühne muss, handele es sich um eine Veranstaltung auf öffentlichem Grund und Boden. Anders am Doktorsee: Das sei ein privater Event und privat könne jeder feiern, solange er wolle: "Dafür braucht man keine spezielle Erlaubnis" - vorausgesetzt andere Bürger fühlten sich dadurch nicht gestört. Sei das der Fall, handele es sich um Ruhestörung und dafür sei die Polizei zuständig. Die sei am 22. Juli am Doktorsee auch tätig gewesen, nachdem sich Bürger über den Lärm beschwert hatten, schilderte gestern Harald Groß, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes. Vorgegangen sei die Polizei dabei unter dem Aspekt der "Verhältnismäßigkeit". Groß: "Da waren über 10 000 Besucher. Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn die Beamten, darunter auch Bereitschaftspolizisten, darauf bestanden hätten, dass von einer Minute zur nächsten die Lautsprecher abgestellt werden!" Der dann zu erwartende Tumult hätte ein größeres Risiko bedeutet. So hätten die Beamten darauf hingewirkt, dass der Auftritt der Rockband verkürzt wird. Eigentlich hätte die Band weiterspielen wollen. Wie auch Doktorseebesucher bestätigten, habe man sich gewundert, warum die Band plötzlich so sang- und klanglos von der Bühne verschwunden sei. Doktorseegeschäftsführer Uwe Deppe kann die ganze Aufregung nicht verstehen: Vor dem Doktorseefest habe es wie in jedem Jahr ein Gespräch mit dem Ordnungsamt gegeben, in dem Fragen der Sicherheit, des Notdienstes und der Verkehrsführung geklärt worden seien. "Da war auch klar, dass die Veranstaltung wie in jedem Jahr bis 2.30 Uhr dauern würde." Nur hätten in den Vorjahren bis zu diesem Zeitpunkt die Musikanlagen der Karussells gespielt - diesmal eben eine Band. "Beim Schützenfest in Todenmann haben die Campinggäste am Doktorsee bis morgens um vier Uhr Rumtata-Musik gehört" - da habe sich auch niemand beklagt, so Deppe, noch nicht einmal die Anwohner in der Nordstadt. Am Dienstag, kündigte Friedrich-Wilhelm Henke an, wolle man vorbauen, damit sich ein vergleichbarer Ärger nicht noch einmal wiederholt - weder am 2. September beim "Wesermassiv"-Festival in Steinbergen, noch bei der Disco in Hohenrode, auch eine Veranstaltung bei der es potentiell Ärger geben könne. Das ist auch die Vorstellung von Polizeieinsatzleiter Harald Groß. Bereits im Vorfeld sollten den Veranstaltern entsprechende Auflagen gemacht, die Technik überprüft werden. Vom Doktorsee-Lärm betroffene Bürger fragen sich, ob saftige Konventionalstrafen, am besten als Sicherheitsleistung im voraus zu entrichten, hier nicht der bessere Weg wären: Wenn einVeranstalter weiß, dass er seine 5000 Euro nicht wiederbekommt, wenn es Ärger gibt, wird er schon selber für Ruhe sorgen.

Auch eine Lösung des Problems: Gehörschutz für beide Ohren. Fotos: tol



Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige