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Bewegender Abschied vom Pastorenpaar: "Seid Vorbilder geworden" / Probleme der Gemeinden ungelöst

Die Sanders gehen - der "Sorgenstein" bleibt

Rinteln (crs). "Wer predige, steige auf die Kanzel,öffne seinen Mund und höre wieder auf."

veröffentlicht am 07.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Einen Auszug aus einer Tischrede Martin Luthers hat Pastor Klaus Sander gestern Vormittag dem Gottesdienst vorangestellt, mit dem er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Pastorin Susanne Sander von der Johannis-Gemeinde Rinteln und der Kapellengemeinde Todenmann verabschiedete. Gepredigt haben die Sanders in den vergangenen neun Jahren mit Leidenschaft, auch außerhalb der Kanzel immer wieder den Mund geöffnet, selbst wenn es unbequem wurde. Dass sie jetzt aufhören, das ist für sie mit Wehmut verbunden, wie der bewegende Abschied in einem bis auf den letzten eilig herbeigetragenen Klappstuhl gefüllten Gotteshaus zeigte. Aber das Aufhören tut auch gut. Das wurde nur allzu deutlich, als Pastor Klaus Sander gegen Ende seiner persönlichen Abschiedsworte an die Gemeinde laut und vernehmlich einen "Sorgenstein" zu Boden fallen ließ. "Den kann ich jetzt frohen Herzens abgeben, jetzt sollen andere denken", spielte er einmal mehr auf die weiterhin ungelöste Struktur der Kirchengemeinden in Rinteln an. Als Vordenker hatten dieSanders stets die Idee einer einzigen großen Stadtgemeinde vorangetrieben. Dass diese Vision am Widerstand aus den Kirchenvorständen gescheitert ist, hat die Entscheidung für den Weggang mit beeinflusst. Eine nicht minder wichtige Rolle haben die Belastungen durch die insgesamt 16 Jahre währende Stellenteilung gespielt. Als "schön, aber nicht immer einfach" umriss Klaus Sander die Schwierigkeiten dieses "selbsttragenden Systems". In bewegenden Worten - da standen nicht nur Pastorin Susanne Sander die Tränen in den Augen - bedankte er sich bei seiner Frau für die Unterstützung in den vergangenen Jahren: Viele seiner Aufgaben habe sie ganz selbstverständlich zusätzlich zu den ihren übernommen. Eine runde Miniatur-Kirche mit ganz vielen Stützmauern symbolisierte seinen Dank an seine Frau - denn: "Stellenteilung heißt sich stützen." Wie sehr die Sanders in ihrer Zeit in Rinteln andere Menschen, ihre Gemeinde oder auch denökumenischen Gedanken gestützt haben, das wurde in den zahlreichen Dankesworten aus der eigenen Gemeinde und aus Nachbarkirchen deutlich. "Ihr habt mindestens für zwei 100-Prozent-Stellen gearbeitet", sagte Diakon Jochen Seelinger, der sich mit diesem Gottesdienst nach einjähriger Tätigkeit für die Gemeinde ebenfalls von Rinteln verabschiedete. "Das hat mich sehr beeindruckt", bedankte er sich für die bereichernde Zeit: "Ihr seid Vorbilder geworden." Besonders eindrucksvoll die Worte von Uwe Linke, dem Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates der katholischen St.-Sturmius-Gemeinde. "Ihr offenes, wertschätzendes Miteinander hat viele Türen geöffnet", bedankte er sich für neue Kontakte über Kirchengrenzen hinweg. "Eine solche ökumenische Bereicherung ist nicht selbstverständlich." Mit dem Weggang der Sanders bleibt die Pastorenstelle in der Johannis-Gemeinde zunächst unbesetzt. Pastor Helmut Syska aus Krankenhagen wird die Vakanzvertretung koordinieren; zunächst übernimmt Pastor Christoph Girke die Urlaubsvertretung. Vor allem aber gilt, was Pastorin Susanne Sander im Gottesdienst so eindrucksvoll gesagt hatte: "Gottes Wort läuft weiter, auch wenn Pastoren eine Gemeinde verlassen."




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