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Die Sumpfblume im Wandel der Zeit

30 Jahre…

veröffentlicht am 29.08.2009 um 06:32 Uhr

Konzerte wie die von Dog Eat Dog machen Lust auf einen Besuch de

Autor:

Dirk WuschkoGeschäftsführer der Sumpfblume Hameln

…Generationen an Besuchern sind durch die Sumpfe gegangen. Die damals rund 20-jährigen Gründer sind heute Mitte 50 und ihre Kinder arbeiten schon länger in der Sumpfblume mit. Und wenn wir es vorsichtig überschlagen, sind sicherlich in diesen 30 Jahren über 1,5 Millionen Veranstaltungsbesucher im alten und neuen Haus gewesen, die Cafébesucher nicht eingeschlossen. Eine stolze Zahl und für viele Hamelner ein Ort für unvergessliche Konzerte, Lesungen, Kinobesuche, verschwitzte Tanznächte und die erste Begegnung mit „der“ großen Liebe.

Weit über 1000 junge Menschen haben hier hinter dem Tresen, als Filmvorführer oder Veranstaltungstechniker, DJ oder Projektvorbereiter ihre ersten Schritte ins Arbeitsleben in der Sumpfe gemacht, bevor sie zum Studium oder in die Ausbildung gegangen sind. Das zeigt die große Verbundenheit zur Sumpfblume.

Wie die Gesellschaft, hat auch die Sumpfe sich ständig verändert. Die Gründung fällt in die bewegte Zeit der „neuen sozialen Bewegung“ in Deutschland, in die Zeit der Anti-AKW Bewegung, Pershing-2-Entscheidung und das Erstarken der Umweltbewegung. Überall in Deutschland entstehen Soziokulturelle Zentren, die Sumpfblume ist Teil dieser Bewegung. Credo bei allen Zentren ist es, selbstverwaltete und damit nicht staatliche Kultur und Jugendarbeit zu ermöglichen.

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Die Anfänge am Güterbahnhof stehen im Zeichen dieser Gründerzeit, die „andere“ und alternative Jugendszene hat ihren Ort gefunden. Doch schon bald wird klar, dass die Sumpfblume nicht nur Ort für Jugendliche sein will, sondern auch andere Altersgruppen erreichen will. Spätestens nachdem in langer Suche das deutlich größere neue Haus (1991) am Stockhof gefunden wurde, musste sich die Sumpfblume deutlich verändern: Das neue Gebäude fasste viel mehr Besucher und es brauchte mehr Mitarbeiter. Zudem gab es dramatische gesellschaftliche Änderungen wie Mauerfall und Zusammenbruch des Ostblocks, verbunden mit einer temporären Erstarrung der alternativen Szene.

Die Sumpfblume hat das Programm in dem neuen Haus breiter aufgestellt und andere Besuchergruppen für sich begeistert. War es in den Jahren davor äußerst schwierig, öffentliche Kulturfördermittel zu bekommen, hatten Stadt und Landkreis ab Anfang der Neunziger bis 1998 auch finanziell anerkannt, dass die Sumpfblume einen wesentlichen Beitrag zum Kulturangebot der Stadt und des Landkreises leistet. Im Jahr 1998 kam es wiederum zu einer dramatischen Wendung, die Stadt beschloss, die Zuschüsse an alle freien Träger der Kulturarbeit dramatisch zu kürzen. Was kaum jemand für möglich hielt, trat dann ein: die Hamelner Bürger machten sich im „Bürgerbegehren Kultur“ für die freie Szene stark. Die Kürzungen aber wurden nur stückweise zurückgenommen, so dass die Finanzlage der Sumpfblume dramatisch war und zu einem „Kulturstopp“ in den Jahren 1998 und 1999 führte.

Und hier beginnt auch meine Geschichte mit der Sumpfblume, im Sommer des Jahres 1999 zog ich nach Hameln und hatte am 1. August meinen ersten Arbeitstag. Die Jahre sind geprägt dadurch, die Sumpfblume finanziell zu stabilisieren und wieder ein spannender und regelmäßiger Veranstaltungsort für Kultur aller Art in Hameln zu sein. Wir haben das Haus komplett modernisiert und damit attraktiv für die nachwachsenden Generationen gemacht. Gerade die Modernisierung im Jahr 2003 mit Foyer- und Caféumbau hat zu deutlichem Besucherzuwachs geführt.

Und das beste an diesen Modernisierungen ist, dass wir dem alten Ziel der Soziokultur – „Ort für ALLE Altersgruppen und soziale Schichten“ zu sein – deutlich näher gekommen sind. In diesem Sinne wird sich auch die Sumpfe immer wieder verändern müssen und wollen, so wie sich die Menschen und die Gesellschaft ständig bewegt.

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