weather-image
23°
×

Anhänger von 96 gewinnen im Fan-Club-Turnier / "Und überhaupt: nicht unser Wetter"

Die Verlierertruppe erkämpft sich Platz zwei

Rehren. Zu einem guten Fußballturnier gehört auch eine echte Verlierertruppe dazu. Eine Mannschaft, die gegen alle Gegner die Punkte frei Haus liefert, deren Abwehr mit geschätzten 3:38 Toren auf dem Platz ihren Tag der offenen Tür feiert und sich am Ende auf dem letzten Rang findet und mit dem olympischen Gedanken tröstet: Dabei sein ist alles.

veröffentlicht am 08.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Autor:

Diese Looser-Rolle war beim zweiten Fan-Club-Turnier um den Bodo-Zander-Pokal wohl den Handballern des MTV Minden zugedacht. Sie passten perfekt: Drei Spieler jenseits der 50, und dazu höchstwahrscheinlich wenig Übung darin, das Leder mit dem Fuß ins Eckige zu bugsieren. So weit die Theorie. Die Praxis sieht vier Stunden später die Handballer auf Platz zwei des Turniers, das zum zweiten Mal vom Obernkirchener HSV-Fan-Club ausgerichtet wurde. Joachim Gotthardt, Chef der kickenden Handballer, ist darüber nicht überrascht: "Selbst in unserer aktiven Zeit als Feldhandballer haben wir immer Fußball gespielt. Und nachdem wir aufgehört haben, spielen wir immer noch Fußball." Wir, das sind am Sonnabend neben Gotthard der 63-jährig Gerd Fasthoff und der 59-jährige Rainer Kegel, die von Gotthards Sohn Christian, Niklas Günther und Torwart Thomas Bergmeier verstärkt werden. Stunden nach dem Turnier wird sich dieZerrung, die sich der Keeper beim Aufwärmen zugezogen hat, als glatter Bruch des Fingers erweisen. Die jüngste Truppe ist der Werder-Fanclub, deren Mitglieder in der B- und C- Jugend kicken und die mit Philipp Watermann nicht nur den jüngsten (13) und kleinsten Spieler stellen, sondern auch denjenigen mit den besten seherischen Fähigkeiten: "Gehen Sie mal da rüber, ich mache gleich ein Tor", kündigt er der Presse an. 30 Sekunden später klingelt es beim FC Dosenpfand, der seinen Namen vor zwei Jahren auf einem Turnier der Grünen Jugend in Hannover fand. Dort gewann der FC, auf den zweiten Turniersieg müssen sie weiter warten: Sie werden Letzter. Und können das begründen: "Torwart verletzt, die besten Leute fehlen, und überhaupt: nicht unser Wetter." Auch beim FC Dosenpfand spielen mit Siegfried und Marc Schäfer Vater und Sohn. Dass eine unüberlegte Antwort zuweilen an einer Mannschaft kleben bleibt, weiß bei den Rannenberger Kickern jeder. Auf die Frage, was eigentlich das auf dem Trikot-Rücken angedruckte "DG" heißt, wurde einst beschieden: "Dachgeschoss." Unter diesem running Gag tritt die Dorfgemeinschaft auch in Rehren an. Und beweist viel Sinn für Tradition: Die Spieler treten in über 30 Jahre alten Baumwoll-T-Shirts an, die schon ihre Väter trugen. Regnet es, werden sie richtig schwer, die T-Shirts. Doch mit dem Wetter hatten die Kicker nur am Freitag zu kämpfen, als ein anderes Turnier angebrochen werden muss. Am Sonnabend scheint die Sonne, und alle, aber auch wirklich alle Kicker loben das Stadion: toll gelegen, schöne Atmosphäre. Eine Premiere gibt es bei dieser Zweitauflage auch: Halbfinale und Endspiel fallen aus, jeder spielt gegen jeden, dann wird abgerechnet. Doch mit den Fans von 96 habe schon die richtige Mannschaft gewonnen, konstatiert Organisator Olaf Scheer: "Sie haben klar den technisch besten Fußball gespielt." Und: In der Zwischenrunde haben sie gegen die Handballer mit 1:0 gewonnen. Kleine Auffälligkeit am Rande: Jedes der 21 Spiele dieses Turnirs endet zu null. Dritter werden die Rannenberger, auf Platz vier landet der HSV-Fan-Club als Titelverteidiger, danach folgen auf den Plätzen Bremen, HSV 2 und der FC Dosenpfand. Und Philipp Watermann kann sich nicht nurüber seine Tore freuen: Mit Thomas und Moritz spielen zwei seiner Brüder beim Pokal-Gewinner. Das bleibt sozusagen in der Familie.

2 Bilder
Da hilft auch kein Black-Sabbath-T-Shirt: Die Handballer lochen gegen den FC Dosenpfand ein.



Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige