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"Ausbildungsoffensive" zeigt keine großen Erfolge / Wulff wirbt per Telefon vier Stellen in Schaumburg

Doppelt so viele Bewerber wie Ausbildungsplätze

Landkreis (wer/crs). Keine Entspannung auf dem Schaumburger Ausbildungsmarkt: 1161 Bewerbern standen Ende Juli nur 579 Stellen gegenüber. Zwar hat sich die Zahl der Stellen gegenüber Mai um 42 erhöht, aber die Lücke bleibt eklatant groß: Es gibt in Schaumburg zu Beginn des Ausbildungsjahres ungefähr doppelt so viele Bewerber wie Ausbildungsplätze.

veröffentlicht am 10.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Der Landkreis indes vermeldet in einer Pressemitteilung "erste Teilerfolge" der "Ausbildungsoffensive", die von Landkreis, IHK, Kreishandwerkerschaft, Arbeitsagentur, Job-Center, Berufs- und Volkshochschule propagiert wird. Der IHK seien zusätzliche Ausbildungsstellen gemeldet worden. Inwieweit der runde Behördentisch in der freien Wirtschaft tatsächlich zusätzliche Stelle akquiriert, ist jedoch fraglich. In fast allen Geschäftsstellen des Agenturbezirkes Hameln ist die Zahl der Stellen gegenüber Mai ebenfalls gestiegen, in Hameln selbst sogar noch deutlicher als in Schaumburg - und hier ist die Lücke zwischen Bewerbern und Plätzen weitaus kleiner. So groß wie im Agenturbezirk Stadthagen (wo 891 Bewerber 387 Stellen gegenüberstehen, also nicht mal jeder zweite Bewerber Aussicht auf Erfolg hat) sind die Probleme in keinem anderen Agenturbezirk. Gegenüber Juli 2005 ist der Stadthäger Stellenmarkt um 19 Prozent geschrumpft. In Rinteln kommen auf 270 Bewerber "immerhin" 192 Stellen, in Hameln auf 1066 Bewerber 798 Stellen. Unter den 579 Schaumburger Ausbildungsplätzen waren Ende Juli noch 98 unbesetzt, 62 in Stadthagen und 36 in Rinteln. Viel zu wenig für den Überhang an Ausbildungsplatzsuchenden, selbst wenn Doppelbewerber abgezogen werden. Im Juni taxierte der Landkreis den statistisch bereinigten Überhang immer noch bei rund 300 Bewerbern. Auch Friedrich-Wilhelm Rode, Leiter der Agentur-Geschäftsstelle Stadthagen, bewertet den leichten Stellenzuwachs als "ganz normale Schwankung". Der bisherige Erfolg der gemeinsamen Ausbildungsoffensive lässt sich laut Rode auf einen einfachen Nenner bringen: "Effektiv passiert ist: Der Landkreis selber hat zwei zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt." Gleichwohl hält Rode die Initiative für den richtigen Weg. Alle Beteiligten seien "intensiv bemüht, die Zusammenarbeit in Schaumburg ist sehr gut". Aber auch die beste Initiative kann strukturelle Probleme nicht aus der Welt schaffen. "Viele Betriebe können sich Azubis ganz einfach nicht leisten", nennt Rode die schwierige wirtschaftliche Situation als einen Grund für den Stellenmangel. Zurückhaltend bewertet er die allgemeinen Chancen einer Ausbildungsoffensive. "Vergleichsweise wenig" könne man sinnvoll machen, um mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. "Das Problem lässt sich kurzfristig nicht lösen." Dennoch sieht Rode keinen Grund zur Schwarzmalerei: IHK und Handwerkskammer hätten signalisiert, dass die Zahl der Ausbildungsplätze zumindest nicht sinken würde. "Es ist nicht so schlimm, wie es jetzt aussieht", hat Rode die "reale, ernsthafte Hoffnung" auf eine Entspannung am Ausbildungsmarkt. Er prophezeit: "Die Schere zwischen Bewerbern und Stellen wird sich weiter schließen." Die regionale Ausbildungsoffensive will ihre Arbeit fortführen. Vorgesehen ist, dass Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier Betriebe besucht, die sich in der Ausbildung junger Menschen engagieren; darüber hinaus ist ein Dankesschreiben an ausbildende Unternehmen geplant. Um zusätzliche Stellen bemüht ist auch Ministerpräsident Christian Wulff. Dafür greift er sogar persönlich zum Telefonhörer - mit Erfolg: Nach Auskunft der Staatskanzlei hat Wulff bei niedersächsischen Unternehmen 79 zusätzliche Ausbildungsplätze eingeworben. Vier davon im Landkreis Schaumburg: In Rinteln haben das Bauunternehmen Steding und Friseur Thomas Fricke auf Wulffs Initiative hin je eine zusätzliche Stelle geschaffen, in Stadthagen sind im Schuh- und Sporthaus Kreft sogar zwei Extra-Stellen entstanden. Aktion: Am Sonnabend startet unsere Zeitung in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit eine Vermittlungsaktion von Ausbildungsplätzen. Schaumburger Unternehmen stellen unbesetzte Stellen vor, und auch Bewerber haben die Chance, sich zu präsentieren.




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