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DSL bestimmt Pollhäger Politik

Drei Buchstaben werden zum Dauerproblem

Pollhagen (gus). Das politische Wirken in der Gemeinde Pollhagen ist in der aktuellen Ratsperiode vor allem vom Ringen um bessere DSL-Versorgung gekennzeichnet. Auch Straßenbau ist ein wichtiger Aspekt.

veröffentlicht am 05.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 16:42 Uhr

Im Oktober 2006 – also noch vor der Konstituierung des jetzigen Gemeinderates – begannen die intensiven Bemühungen, Pollhagen ans DSL-Netz zu bekommen. Nachdem mit der Deutschen Telekom keine Lösung erzielt worden war, sollte DSL per Funk kommen. Auch daraus wurde bisher nichts, weil die Leitungsmiete, die die Telekom vom Funkanbieter „Piper Air“ verlangt, zu hoch ausfiele, um die Gemeinde wirtschaftlich ans Netz anzuschließen.

Wirtschaftlichkeit ist der Dreh- und Angelpunkt. Hätte Pollhagen genügend Geld, um eine hohe fünfstellige Summe für die DSL-Versorgung zu bezahlen, wäre das Dilemma keines. Doch Gemeindedirektor Walter Hartmann und Kämmerer Marc Busse sind sich einig, dass eine solche Zahlung nicht zu schultern ist. Die freie Spitze, also das im laufenden Haushalt erwirtschaftete Geld für Investitionen, lag im Jahr 2006 bei 82 525 Euro, in 2008 bei 65 164 Euro. Beide Summen hätten für DSL nicht ausgereicht.

Straßensanierung primäre Aufgabe

Eine primäre Aufgabe der Gemeinde sind Straßensanierungen. In der aktuellen Ratsperiode wurden die Sachsenhäger Straße inklusive Gehweg, ein Teil der Poststraße und der Wiesenweg saniert. Letztere Maßnahmen sind noch im Gang. Im Bereich Vor der Reihe und im Erdbeerbrink sind demnächst einige Risse zu reparieren. In absehbarer Zeit müsse die Straße Vor der Reihe komplett unters Messer – Busse und Hartmann rechnen mit Kosten von 250 000 Euro. Kein Wunder, dass Verwaltung und dem Rat angesichts von freien Spitzen unter 100 000 Euro schon jetzt vor dieser Reparatur graut. Geld für DSL ist schlicht und ergreifend keines da. Dennoch bleiben die Handelnden diesbezüglich am Ball.

Denn die Gemeinde leidet unter der fehlenden Anbindung an die schnelle Datenautobahn. Früher seien die Haushalte stets mit dem Verkauf eigener Grundstücke aufpoliert worden. Das hat Busse mittlerweile gestrichen, weil die geplanten Verkäufe nicht mehr realisiert werden können. In der gesamten Ratsperiode ist kein einziger Bauplatz in Pollhagen veräußert worden. Trotz Preisen unter 30 Euro pro Quadratmeter. Welche Familie will schon ein Haus in einem Ort bauen, in dem das Internet nur mit Modem-Geschwindigkeit zu benutzen ist?

Demnächst kommt ein weiterer Einschnitt auf die Gemeinde zu. Die Post schließt ihren Schalter im „Nah&Gut“-Markt. Fortan gibt es dort nur noch Briefmarken zu kaufen. Pakete müssen in Stadthagen ab- oder dem Briefträger mitgegeben werden. Protest hat keinen Zweck, so Hartmann. Die Post argumentiert mit der Wirtschaftlichkeit. Das kennt man ja in Pollhagen.

Nichtsdestotrotz bleiben Rat und Verwaltung optimistisch. Die Rücklage ist in den vergangenen Jahren auf 218 000 Euro angewachsen. 91 000 Euro davon müssen aber wegen der Sanierungen von Poststraße und Wiesenweg in diesem Jahr wieder entnommen werden. Dank dem Konjunkturpaket II startet die energetische Sanierung der „Alten Schule“. Die knapp 16 000 Euro, die dafür zur Verfügung stehen, sind laut Busse aber nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“, wenn man den gesamten Sanierungsbedarf des Hauses betrachte.

Eine Hängepartie bleibt das geplante Seniorenheim. „Das wäre eine tolle Sache für Pollhagen“, so Hartmann. Aber der Investor, der bereits im Frühjahr 2006 detaillierte Pläne für das Heim präsentierte, kommt nicht voran. Ob aus dem Bau der Anlage noch etwas werde, sei ungewiss.




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