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Versuchter Raub und Körperverletzung

Drei Männer, fünf Anklagen

veröffentlicht am 09.09.2016 um 16:20 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:45 Uhr

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Richter Kai Oliver Stumpe konzentrierte sich zunächst auf zwei Anklagen. Der erste Fall: Am späten Abend des 26. Oktobers 2015 sollen die drei Angeklagten am Lindhorster Bahnsteig einen heute 18-jährigen Auhäger überfallen haben (wir berichteten). Die Beschuldigten: Ein 23-jähriger und ein 24-jähriger Stadthäger sowie ein 16-jähriger Lindhorster.

Ihnen wird vorgeworfen, den Auhäger aufgefordert zu haben, Rucksack und Geld abzugeben. Als dieser sich weigerte, sollen sie auf den Mann eingeschlagen und getreten und mit einer Eisenstange – vermutlich ein Fahrradständer – verletzt haben.

Das Opfer konnte letztlich flüchten; es erlitt eine Schädelprellung und diverse Wunden. Während die beiden älteren Angeklagten zu dem Vorfall schwiegen, gab der 16-Jährige durch seinen Anwalt an, nicht beteiligt gewesen zu sein. Er habe den Vorfall – stark alkoholisiert – aus zehn bis 15 Metern Entfernung beobachtet. Weitere Angaben machte er dazu nicht. Weiterhin ließ der Anwalt verlauten, dass es dem jungen Mann leid tue. Er trinke weniger Alkohol, besuche wieder die Schule und strebe einen Abschluss an.

Das Opfer gab an, nur zwei der drei Angeklagten zu erkennen: Den 23-Jährigen Stadthäger – der in Untersuchungshaft sitzt, weil er zum ersten Verhandlungstermin nicht erschienen war – und den 16-Jährigen. Der Dritte sei älter gewesen. Wer nun den ersten Schlag gemacht habe, konnte der 18-Jährige – nach detaillierten Fragen der Verteidiger sichtlich verwirrt – nicht mehr so genau sagen.

Dass die drei Angeklagten am dem Abend wohl Alkohol getrunken hatten, bestätigte nicht nur der Geschädigte, sondern auch die Zeugen, ein 16-jähriger Junge und ein Mädchen (16), die am Abend mit ihren Freunden auf dem Lindhorster Schulhof gewesen waren. Ihre Aussagen ähnelten sich im Großen und Ganzen: Die drei Angeklagten sollen gegen 21 oder 22 Uhr auch auf dem Schulhof rumgehangen haben, betrunken. Es sollen Wodka-Flaschen gekreist sein. Der 16-Jährige gab an, einer der Angeklagten habe ihn danach gefragt, ob er Streit mit jemandem habe, und schlugen vor, diesen zu vermöbeln. „Wir suchen uns jetzt jemanden, den wir abziehen und ausrauben können“, hieß es etwa. Das Mädchen erzählte Ähnliches. Auch, dass die Jungs später am Abend nochmals aufgeregt an der Schule vorbeigerannt seien. „Wenn die Polizei fragt, sagt nicht, dass ihr uns gesehen habt“, sollen sie gerufen haben.

Die zweite Anklage betrifft nur den 23-jährigen Stadthäger. Er soll am 12. Januar 2016 gegen 14 Uhr in der Hem-Tankstelle in Lindhorst einen Mann geschlagen, getreten und mit einer Getränkedose beworfen haben. Der Angeklagte gab die Tat zu, mit der Einschränkung, er habe nicht getreten und mit der Dose nicht getroffen.

Er wollte in der Tankstelle seine Pfandkiste einlösen, „weil ich Tabak brauchte“. Als die Mitarbeiterin (53) ihm sagte, dass dies nicht möglich sei, soll er die Frau nach Zeugenaussagen massiv beleidigt haben. Es schaltete sich ein Kunde (48) ein, den der Stadthäger schließlich angegriffen habe. Der Angeklagte gab an, „ziemlich benebelt“ gewesen zu sein. Regelmäßig Bier und „ein bis zwei Flaschen Wodka“ am Tag, dieser Konsum sei zu der Zeit für ihn nicht ungewöhnlich gewesen.

Welcher der drei Angeklagten im Raum der Tankstellen-Täter war, daran konnten sich weder das Opfer noch die Mitarbeiterin recht erinnern. Klarheit kann wohl erst das Überwachungsvideo bringen. Aus technischen Grünen konnte es im Gericht noch nicht abgespielt werden. Weiter geht der Prozess am 15. September.kil




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