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Hannover Messe AG bekundet Interesse an Soltec / Zuschussbedarf soll drastisch reduziert werden

Droht das Aus als Solarstadt des Nordens?

Hameln (CK). Ist der Ruf Hamelns als Solarstadt des Nordens in Gefahr? Die Möglichkeit immerhin besteht, sollte die Fachmesse für erneuerbare Energien – sie findet in diesem Jahr bereits zum 16. Mal statt – nach Hannover abwandern. Denn der Vertrag, den Messeveranstalter Rainer Timpe mit der Stadt über die Durchführung der Messe geschlossen hatte, ist mit Ende der letzten Soltec ausgelaufen, bewerben kann sich jetzt theoretisch jeder. Und mindestens ein potenzieller Interessent wartet bereits vor den Toren von Hameln: die Messe AG in Hannover.

veröffentlicht am 21.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:51 Uhr

„Die Messe AG hat bereits im letzten Jahr eine Kooperationsbereitschaft bekundet, und es haben auch weitergehende Gespräche stattgefunden“, bestätigt Dietmar Wittkop, Wirtschaftsförderer der Stadt Hameln. Geplant sei allerdings bisher lediglich, dass Hamelner Betriebe aus dem Energiesektor wie etwa die Firma Elektroma bei der Industriemesse in Hannover mit eingebunden werden sollen, und zwar in Form einer Art Energiemesse, jedoch nicht als Konkurrenz zur Soltec.

Eine Abwanderung der Soltec ist zumindest nach Wittkops Worten nicht gerade wahrscheinlich – „schließlich haben wir ein starkes Interesse daran, die älteste Solarmesse Norddeutschlands als Alleinstellungsmerkmal in unserer Stadt zu behalten“, sagt er. Der Knackpunkt aber ist das Geld: Zwar war der Zuschussbedarf von 300 000 Euro, den der frühere Soltec-Betreiber Rainer Heinzel noch kassiert hatte, nach der Übernahme von Timpe vor sechs Jahren bereits auf 125 000 Euro reduziert worden, die Stadt und Landkreis sich geteilt hatten und zu denen das niedersächsische Umweltministerium im Vorjahr noch einmal 50 000 Euro beigesteuert hatte, doch Ziel war es nach Wittkops Worten immer, irgendwann mal eine „schwarze Null“ zu erreichen. Zwar arbeitet Rainer Timpe noch an seiner Kalkulation, doch für den Wirtschaftsförderer steht eines bereits fest: „Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung, wo alles auf den Prüfstand kommt, können wir eine freiwillige Leistung wie in gleicher Höhe wie in den Vorjahren nicht mehr übernehmen.“ Kommt hinzu: Die Beschlusslage des Kreistages lautet bereits: keine Förderung der Hamelner Soltec mehr. Und ohne den Landkreis, so schätzt der Wirtschaftsförderer die Lage ein, könne Hameln die Soltec nicht wuppen.

Immerhin würde die Stadt allein dadurch 15 000 Euro weitere Kosten sparen, wenn die Soltec wie geplant in den Bürgergarten umziehen würde. Dann nämlich müsste der Wochenmarkt nicht extra verlegt werden. Timpes Personal- und Betriebskosten jedenfalls will die Stadt auf keinen Fall mehr bezuschussen – „das ist auch nicht üblich“, so Wittkop. In jedem Fall erwarte die Stadt Hameln eine „drastische Reduzierung“ des Förderbedarfs. Und sie sei, so Wittkop, für alle anderen Veranstalter offen, die Interesse daran bekundeten, die Soltec durchzuführen – „schließlich war Herr Timpe ja auch mal Zweiter und wurde berücksichtigt“.

Timpe wartet nach eigenen Angaben auf „Planungssicherheit“, die nur durch einen Beschluss der Politik geschaffen werden kann. Auch wenn seine Kalkulation noch nicht abgeschlossen ist, so schätzt er seinen Zuschussbedarf für Großzelte im Bürgergarten mit 3000 Quadratmetern Fläche auf rund 100 000 Euro – zwar weniger als für die Riesen-Spannzelte auf dem Rathausplatz, aber vermutlich immer noch sehr viel mehr, als die Stadt auszugeben bereit ist.

„Falls die Soltec von der Hannover-Messe weggekauft würde, wäre das ein Rückschritt für Hameln. Damit würde alles, was hier aufgebaut worden ist, mit Füßen getreten“, glaubt er. Auch Timpe weiß, dass sich jeder um die Soltec bewerben kann, sieht aber im Interesse der Messe Ag vorrangig eins: „Die Hannoveraner wollen vor allem ihre Großmessen stützen, die mehr und mehr auseinanderbrechen, wie es ja bekanntlich auch schon bei der Cebit passiert ist. Der Messe-Veranstalter, der sein Domizil inzwischen im alten Hallenbad in Hameln hat, geht jedenfalls davon aus, „dass wir diese Solarmesse weiterführen“. Am liebsten mit einem Dreijahresvertrag: „Denn man weiß ja nicht, wie es mit den erneuerbaren Energien weitergeht.“

Vonseiten der Messen & Ausstellungen Rainer Timpe GmbH besteht nach Aussage von Geschäftsführer Timpe nach wie vor Interesse. „Wir haben in den letzten fünf Jahren eine konstante Aufbauarbeit geleistet, konstante Ausstellerzahlen und einen stetigen Besucherstrom, wenn auch letztes Jahr geschmälert durch starken Regen. Dass ich als regional agierender Veranstalter eine erfolgreiche Soltec nicht einfach aus dem Sortiment nehme, dürfte jedem verständlich sein.“




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