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Bad Nenndorf wartet auf 1,6 Millionen Euro aus Hameln / Kreuzungsumbau folgt in jedem Fall

Druckerei auf der Kippe

BAD NENNDORF. Der Vertrag für die Ansiedlung der Großdruckerei an der Gehrenbreite droht zu platzen. Wie Bad Nenndorfs Stadtdirektor Schmidt auf Anfrage erklärte, hat das in Hameln ansässige Unternehmen Sedai, das plant, etwa 50 Millionen Euro zu investieren, noch nicht einmal das Geld für das Grundstück überwiesen

veröffentlicht am 15.12.2017 um 20:57 Uhr

Autor:

Guido Scholl
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BAD NENNDORF/HAMELN. Der Vertrag für die Ansiedlung der Großdruckerei an der Gehrenbreite in Bad Nenndorf droht zu platzen. Wie Bad Nenndorfs Stadtdirektor Mike Schmidt auf Anfrage dieser Zeitung erklärte, hat das in Hameln ansässige Unternehmen Sedai, das plant, etwa 50 Millionen Euro zu investieren, noch nicht einmal das Geld für das Grundstück an die Stadt überwiesen. Mehrfach wurden Termine verschoben. Schmidt selbst ist mittlerweile unsicher, ob die Ansiedlung noch realisiert wird. Das Unternehmen habe ihm gegenüber versichert, weiterhin großes Interesse an der Umsetzung der Pläne zu haben. Auch habe stets Kontakt zu Sedai bestanden und jeder Aufschub der Zahlungsfrist wurde von Unternehmenssprechern begründet. Offensichtlich hat es Sedai bislang nicht geschafft, das nötige Geld aufzutreiben. An der Gehrenbreite wollen die Hamelner auf 70 000 Quadratmetern ein hochmodernes Druckzentrum errichten. Dadurch würden 200 neue Arbeitsplätze entstehen. Im November 2016 war dies erstmals öffentlich kommuniziert worden. Der Baubeginn war damals für 2018 avisiert worden.

Die Verträge zwischen Unternehmen und Stadt sind längst unterzeichnet. Erfolgt der Zahlungseingang der 1,6 Millionen Euro jedoch nicht, kann die Stadt von diesem Deal zurücktreten und die Flächen anderweitig vermarkten. Da der Kontakt aber fortbestand, gewährte Schmidt den Hamelnern mehrfach Aufschub. Auf eine Anfrage dieser Zeitung zum Stand des Verfahrens reagierte Sedai-Druck in dieser Woche nicht.

Interessenten an den Parzellen an der Gehrenbreite gibt es viele. Dies war mehrfach öffentlich berichtet worden. Ein Beispiel: Weil das gesamte Areal für die Druckerei reserviert ist, hat das DRK beschlossen, eine Tagespflege nicht in Nenndorf, sondern in Rodenberg zu bauen (wir berichteten).

Für Schmidt wäre es nichts völlig Neues, wenn das Großprojekt zu den Akten gelegt werden müsste. Bereits das von vornherein allseits skeptisch beäugte Vorhaben, eine Naturheilkunde-Klinik an der Kreuzung am Krater zu bauen, hatte sich nach einigem Warten erledigt. Die Planer, darunter Grundstückseigentümer Pal Pinke, konnten offenbar keine Geldgeber auftreiben. Der Kontakt fror ein. Die Gruppe wollte ein Vielfaches von dem investieren, was die Sedai-Druckerei kosten soll.

Außerdem hatte ein niederländischer Unternehmer einst Interesse bekundet, eine Pilzfarm an der Gehrenbreite zu errichten, woraus schlussendlich nichts wurde. Dieses Vorhaben war zwar deutlich kleiner dimensioniert als die Klinik und die Druckerei. Allerdings investierte Schmidt wesentlich mehr Unterstützungsarbeit, weshalb das Platzen des Deals einigen Ärger verursachte.

Während sich die politischen Gremien nur einmal im Bauausschuss in nennenswertem Umfang mit der Klinik befasst hatten, wartete Schmidt den Polit-Diskurs bei der Pilzzucht bewusst ab, um auf den Finanzierungsplan zu warten – der nie kam. Diesmal aber haben Verwaltung und Politik einiges an Vorleistung erledigt, etwa um Bebauungsplanänderungen vorzubereiten. Erst in dieser Woche lag das Thema auf dem Tisch. Ganz umsonst war die Arbeit aber in keinem Fall, denn der Umbau der Kreuzung Gehrenbreite/B 442 wird auch so umgesetzt. Dies hatte Bauamtsleiterin Annette Stang noch einmal betont.




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