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Umjubeltes Musical dreimal komplett ausverkauft / Frenetischer Applaus für Christian Berg und Team

„Dschungelbuch“ begeistert über 1700 Zuschauer

Bückeburg (wk). Fast schon einer Tradition folgend, hat der Regisseur und Schauspieler Christian Berg mit seinem Ensemble am vergangenen Wochenende erneut mit einem „Musical für die ganze Familie“ im Rathaussaal gastiert. Auf dem Programm stand eine Bühnenadaption des Walt-Disney-Zeichentrickfilmklassikers „Das Dschungelbuch“, für den die Mogli-Erzählungen des Autors Rudyard Kipling als Vorlage gedient haben.

veröffentlicht am 31.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 02:41 Uhr

Ganz im Vertrauen auf die Zugkraft der unterhaltsamen Geschichte und die aus den Bückeburger Gastspielen der vorherigen acht Jahre bekannten Qualitäten der Berg’schen Musicaltruppe hatte der ausrichtende „Event- und Organisationsservice“ aus Obernkirchen statt – wie bei den bisherigen Musicals – nur zwei Aufführungen diesmal noch einen draufgelegt und für „Das Dschungelbuch“ nun drei Termine gewagt. Und die Rechnung ging auf: In nur vier Wochen seien alle 1740 Karten verkauft gewesen, berichtet der Agenturinhaber Andreas Steuer. 90 Prozent davon seien sogar innerhalb von nur zwei Wochen über den Tresen gegangen.

Dass das Stück stark nachgefragt werden würde, konnte er zwar nicht zuletzt an den Erfahrungswerten aus dem Jahr 2003 festmachen, als Berg schon einmal eine „Dschungelbuch“-Inszenierung auf die Rathausbühne gebracht hatte. Dass der Verkauf aber dermaßen überrannt werden würde und man noch etliche Karten mehr hätte verkaufen können, damit hatte Steuer nach eigenen Angaben indes doch nicht in dieser Form gerechnet.

Zum Werk: Bei der aktuellen Auflage handelt es sich um eine komplette Neuinszenierung des „Dschungelbuch“-Musicals gegenüber demjenigen, mit dem er damals durch Deutschland tourte. Und wie bei anderen seiner Musicals hatte Berg mit der jetzigen Version, zu der Liedermacher Konstantin Wecker die mitreißende Musik und die eingängigen Songtexte beigesteuert hat, im Vorfeld viele Erfolge am berühmten Hamburger Schmidt-Theater gefeiert.

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Jede Menge zufriedener Gesichter: „Das Dschungelbuch“ erweist sich als Zuschauermagnet.

Dem mehrwöchigen Engagement im Schmidt-Theater dürfte es allerdings auch geschuldet sein, dass einige der bekannten Figuren von den Kostümen her anders daherkamen als bei dieser Geschichte eigentlich erwartet – varietémäßig sozusagen. So trug etwa der böse Tiger „Shir Khan“ über seinem arttypisch gestreiften Fell einen weißen Frack samt Krawatte und Hut und fuchtelte ständig mit einem vornehmen Gehstock herum. Und auch der Panther „Baghira“ überraschte mit seinem engen, schwarzen Anzug nebst der an eine englische Melone erinnernden Kopfbedeckung anstelle eines Fellkostüms.

Dem Wiedererkennungswert der Zeichentrickfiguren und dem Unterhaltungswert tat dies allerdings keinen Abbruch. Das Gegenteil sei sogar der Fall, stellte Berg später klar: „Die Kinder finden es total cool, dass ’Shir Khan‘ aussieht wie Michael Jackson.“ So oder so, zumindest die anderen Charaktere waren in vertrauterer Weise kostümiert – angefangen von „Balu“, dem gemütlichen Bären über den völlig verrückten Affenkönig „Loui“ und die hypnotisierende Schlange „Kaa“ bis hin zu den ziemlich schrägen „Geiern“. Und allen voran selbstverständlich die Hauptperson der Geschichte, der kleine Junge „Mogli“.

Dessen Besetzung sorgte schon gleich zu Beginn des Musicals für launige Irritationen, als der in einem eher an die Zeichentrickfigur „Fred Feuerstein“ erinnernden, zerfransten „Urwald-Leibchen“ gekleidete Berg auf der Bühne erschien und erklärte, er werde bei dem nun folgenden Stück den kleinen Jungen Mogli spielen.

Da aber trat der Panther „Baghira“ in Aktion und stellte klar, dass zu einem richtigen Dschungel auch ein echter „Mogli“ gehöre. Letztendlich durfte dann das Publikum über die tatsächliche Besetzung der Hauptrolle abstimmen. Und dessen Wahl fiel angesichts des groß gewachsenen Mannes mit fetter Woody-Allen-Brille auf der Nase – wenig überraschend – auf die „Mogli“-gemäß hergerichtete Darstellerin Raphaela Steiner. Allein schon in optischer Hinsicht war dies eine gute Wahl, denn die im Vergleich zu Berg mehr als einen Kopf kleiner gewachsene junge Frau brachte das – der Geschichte nach von Wölfen aufgezogene – Findelkind so überzeugend rüber, dass man sie glatt für einen schauspielernden Jungen halten konnte.

Berg konnte man dagegen außer als Erzähler auch noch in zwei Nebenrollen auf der Bühne sehen, wobei er insbesondere als einer der beiden „Geier“ brillierte, was nicht zuletzt an den witzigen Dialogen lag, mit denen das Musical insgesamt gespickt war: „Ich möchte mal wieder ’was richtig Totes essen“, räumte er beispielsweise im tuntig-nasalen Tonfall der „Geier“ ein, und zeigte mit den Worten „Guck mal den da, der sieht schon richtig alt aus“ auf einen Herrn im Publikum. Dies rief jedoch (zumindest bei der Veranstaltung am Freitag) den lautstarken Protest eines Mädchens hervor, das ihren Vater vehement davor in Schutz nahm, von den beiden lustigen Vögeln gefressen zu werden. Die Zuschauer quittierten auch dies mit herzlichem Beifall. Das Musical sei „super“ zog schließlich die zehnjährige Greta Bindernagel aus Seggebruch Bilanz, und verriet, dass ihr die von „Mogli“ und den anderen „Dschungelbuch“-Akteuren gesungenen Lieder so gefallen haben, weil diese „nicht so lahmarschig“ waren.

Apropos Begeisterung: Ebenso eindeutig fiel das Votum der Zuschauer aus, als sich Berg am Ende des Musicals für das seit Jahren große Interesse seitens des Publikums bedankte und fragte, ob er mit seinem Ensemble auch im nächsten Jahr zum dann zehnten Mal nach Bückeburg kommen soll. Mit frenetischem Gekreische ließen ihn Jung und Alt wissen, dass dies absolut nötig sei. Man darf also gespannt sein, mit welcher Inszenierung Berg die Musicalfans 2012 begeistern wird.

Gesponsert wurden die drei Bückeburger Veranstaltungen unter anderen von der Sparkasse Schaumburg, der VGH Versicherung, dem Internetportal Marktplatz Schaumburg, und den Firmen Grothe Keramische Rohstoffe, Renault-Fahrzeughaus Matz und DiNoto-Optik.




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