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Brigadegeneral Reinhard Wolski verlässt die Heeresfliegerwaffenschule

Durch viele Turbulenzen gesteuert

Bückeburg. Turbulent ist es bei den Heeresfliegern und damit auch der Heeresfliegerwaffenschule in den vergangenen Jahren zugegangen: Die bevorstehende Reduzierung der Truppe im Zuge der Strukturreform von rund 9000 auf nur noch 4000 Soldaten, die Übergabe des „Arbeitspferdes“ CH-53 an die Luftwaffe mit Beginn des Jahres, die Probleme rund um die Einführung der neuen Hubschraubermuster NH-90 und Tiger, deren Auslieferung nach jahrelangen Verzögerungen und technischen Schwierigkeiten endlich reibungslos angelaufen ist, um nur die größten Turbulenzen zu nennen.

veröffentlicht am 30.03.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

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Knapp vier Jahre hat der Kommandeur der Heeresfliegerwaffenschule und General der Heeresflieger, Brigadegeneral Reinhard Wolski, die Heeresflieger durch diese Turbulenzen gesteuert. Am 4. April verlässt er Bückeburg, um einen neuen Dienstposten zu besetzen. Sein Fazit – als Kommandeur der Waffenschule: „Wir haben hier ein sehr, sehr hoch kompetentes Personal. Ich kann jedem nur raten, hier vorbeizuschauen. Wir haben herausfordernde Zeiten hinter uns und noch vor uns. Es gibt viel zu tun.“ Sein Fazit – als General der Heeresflieger: „Für überzeugte Flieger keine leichte Sache.“ Der personelle und strukturelle Abbau in den vergangenen drei Jahren müsse weiter eingesteuert, strukturelle Anforderungen umgesetzt werden. Und: Mit dem „Tiger“ und dem NH90 habe die Heeresfliegertruppe deutlich bessere Fähigkeiten.

Aber der Verlust der CH-53 – vier sind für die Ausbildung in Achum stationiert – schmerzt den gestandenen Soldaten, der seit 1976 in der Heeresfliegertruppe alle Stationen durchlaufen hat. Oder wie es der General im Gespräch mit unserer Zeitung ausdrückt: „Die Fähigkeit liegt woanders.“

Nicht nur, dass seine Männer jetzt Blau statt Grau tragen, sondern auch, dass im Zuge des Fähigkeitstransfers 2015 die Ausbildung auf der CH-53 von Bückeburg nach Holzdorf (Sachsen-Anhalt) auf den dortigen Fliegerhorst der Luftwaffe verlegt wird. Der Fliegerhorst, der ursprünglich für rund 300 Millionen für den Flugbetrieb des NH90 ausgebaut wurde und der jetzt für den CH-Ausbildungsbetrieb erneut umgerüstet werden muss – was es in Bückeburg schon alles gibt. In Bückeburg sind außer den Soldaten bereits auch 65 zivile Mitarbeiter vom Abzug der CH-53 betroffen. „Abgesetzt zum Lufttransportgeschwader HSG 64“, wie es im Militärjargon heißt.

„Es wäre schon wünschenswert, wenn die Ausbildung in Bückeburg bleibt“, sagt der General im Hinblick darauf, dass sich die Heeresfliegerwaffenschule als Internationales Ausbildungszentrum für Drehflügler weiter positionieren will – und muss. Gerade erst waren auf Einladung des Inspekteurs des Heeres zehn Nationen vor Ort, um sich im Rahmen von „Posing & Showing“ von den Fähigkeiten der Waffenschule zu überzeugen. Das Ziel: Neue Nationen für die Ausbildung in Bückeburg zu gewinnen. Derzeit sind die Nationen in der dezidierten Auswertung ihrer Erkenntnisse. Was am Ende dabei herauskommt, weiß auch der General nicht. Nur so viel: „Wir sind schon sehr international.“ Und: „Wir sind das Kompetenzzentrum für Drehflügler.“

Der General hebt die enge Bindung mit ausländischen Streitkräften hervor. USA oder Großbritannien erwähnt er. Und „vor allem aber die mit unseren französischen Freunden. Eine gegenseitige vertrauensvolle Zusammenarbeit und Unterstützung. Eine tiefe beispielgebende Integration.“

Aussagen zur personellen Ausstattung und benötigten Kapazitäten am Standort kann der Kommandeur derzeit nicht machen. Die endgültige Struktur der Heeresfliegerwaffenschule soll 2014/2015 aufgestellt werden, dann, wenn die „Regernationsforderungen“ feststehen. Oder einfach: „Wie viele Piloten müssen in Bückeburg ausgebildet werden, damit die Heeresflieger ihre Aufgaben erfüllen können.“ Nach den Strukturreformplänen des Verteidigungsministeriums sollen in Bückeburg von gut 1600 Soldaten und Zivilangestellten knapp 1100 übrig bleiben.

Beim Bedarf an Gerät geht der General der Heeresflieger derzeit von 40 Kampfhubschraubern „Tiger“ und 80 Transporthubschraubern NH 90 sowie dem Ausbildungsbetrieb in Bückeburg aus. Alles, was über diese Zahl hinausgeht, sei derzeit Gegenstand von Verhandlungen zwischen Verteidigungsministerium und der Industrie. Ursprünglich hat die Bundeswehr deutlich mehr Exemplare bestellt.

Und das Personal? „Es ist Unruhe in der Truppengattung“ so Wolski und nennt Umgliederungen, Neugliederungen oder Versetzungen: „Für manchen ist das persönlich sehr massiv.“ Er nehme nichts auf die leichte Schulter und fühle den Puls. Obwohl: „Hier sind die Auswirkungen der Strukturreform noch relativ kommod.“ Woanders würden ganze Standorte geschlossen. Wie etwa in Rheine, wo ein CH-53-Regiment der Heeresflieger stationiert war.

Ob er noch einmal nach Bückeburg zurückkommt, für einen guten Zweck als Flötist auf der Bühne des Rathaussaals steht? Das lässt der General offen. Die Proben waren schon sehr zeitintensiv: „Mal sehen.“

Im Rahmen eines feierlichen Appells wird der Kommandeur der Heeresfliegerwaffenschule und General der Heeresflieger, Brigadegeneral Reinhard Wolski, am Donnerstag, 4. April um elf Uhr von seinen Aufgaben entbunden und sein Nachfolger, Brigadegeneral Alfons Mais, mit den Aufgaben betraut.




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