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„Schaumburger Lösung“: Bahnimmobilie soll zum Vorzeigeobjekt werden

„Durchbruch geschafft!“ – Bahnhof wechselt für einen Euro den Besitzer

Haste (tes). Ein Meilenstein zur Rettung des im Jahr 1850 fertiggestellten Bahnhofsgebäudes ist geschafft: Die Bahn trennt sich für einen Euro von dem Haster Denkmal – und legt noch eine erhebliche Summe für die Sanierung oben drauf. Zwei Vertreter der DB Services Immobilien GmbH unterzeichneten beim Notar in Bückeburg den Angebotsvertrag und haben damit die Weichen für eine Nachnutzung gestellt.

veröffentlicht am 19.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 15:22 Uhr

Diplom Ingenieur Volker Wehmeyer, der seit 2001 vom Landesamt für Denkmalpflege ehrenamtlich mit der Denkmalpflege im Landkreis und den dazugehörigen Städten beauftragt ist, hat fast drei Jahre unermüdlich für den Erhalt des Bahnhofs gekämpft, wirkte hinter den Kulissen und koordinierte die Gespräche zwischen Bahn, Landkreis, Denkmalschutzbehörden und Investor. Herausgekommen ist ein Vertragswerk, dass schon jetzt als „Schaumburger Lösung“ gehandelt wird. Petra John, Leiterin der DB Services Immobilien GmbH in Hamburg, erklärt im Pressegespräch, dass in diesem Kaufvertragsangebot der Investor mit dem Zusatz „oder ein von ihm zu benennender Dritter“ benannt ist.

Das unumstößliche Konstrukt wirkt wie ein Kaufvertrag und ermöglicht Planer Wehmeyer, verbindlich mit Fördermittelgebern zu verhandeln und Nutzer zu suchen. „Das ist auch für uns Neuland“, verdeutlicht Dirk Schubert, der in der Außenstelle Hannover der DB Services Immobilien für Vermarktung und Vertragsgestaltung zuständig ist, den „schwierigen Prozess“: „Für die Bahn ist das nicht die lukrativste Lösung.“ Wehmeyer zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der Verhandlungen: „Ursprünglich wollte die Bahn einen sechsstelligen Betrag als Kaufpreis haben.“ Jetzt beteilige sie sich mit einem sechsstelligen Betrag an den Sanierungskosten – in Form von vertraglich vereinbarten Maßnahmen. Die Übernahme des Denkmals kostet den Investor nur den symbolischen Euro. Dessen Anteil an der Sanierung lässt sich erst beziffern, wenn die Fördersummen feststehen.

Insgesamt 1,8 Millionen Euro soll die Rettung des Bahnhofs kosten. Der im Vertrag genannte Begünstigte will weiterhin ungenannt bleiben. Nur soviel ist klar: Er ist solvent genug, um das Objekt 25 Jahre nutzen zu können. Eine Bedingung der Fördermittelgeber. „Der Investor trifft ab sofort die Entscheidungen, pocht jedoch nicht darauf, alles alleine zu machen“, erklärt Wehmeyer. Der Vertrag sei so ausgelegt, dass sich jeder mit „einer zündenden Idee“ beteiligen könne – auch als Käufer von Teilbereichen. Die Bahn bindet sich für zwei Jahre an die vertraglich festgelegten Konditionen. Bis zum 31. Dezember 2011 bleibt Zeit, ein tragfähiges Konzept auf die Beine zu stellen. Wehmeyer begleitet das Objekt weiterhin in der Hoffnung, genug Interessenten zu finden – als Käufer oder als Mieter. Ernsthafte Kontakte gebe es bereits. „Eine Postagentur wäre ideal, ebenso Praxen und Büros. Ein Kiosk dürfte zur Goldgrube werden bei 4000 Pendlern am Tag.“ Zudem können Käufer das Baudenkmal innerhalb von zwölf Jahren steuerlich abschreiben. Eine weitere Gruppe potenzieller Nutzer habe kürzlich bei der Gemeinde ihr Interesse bekundet, freut sich Bürgermeister Sigmar Sandmann: „Wir haben den Durchbruch geschafft.“




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