weather-image
24°
×

Politiker führt ausführliche Gespräche und erledigt praktische Arbeiten im Tierheim

Edathy nach Praktikum „sehr beeindruckt“

Bückeburg (bus). Bei seinem Wechsel von den bequemen Polstern der Politik in die mitunter durchaus unkommoden Beschäftigungsverhältnisse heimischer Betriebe, Behörden und Einrichtungen hat der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy in dieser Woche mit dem Arbeitsalltag im Tierheim Bekanntschaft gemacht.

veröffentlicht am 23.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 08:21 Uhr

Sowohl der Praktikant als auch die Gastgeberin Monika Hachmeister, Vorsitzende des Heimbetreibers Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln und Umgebung, zogen im Anschluss an die achtstündige Stippvisite ein positives Fazit. „Ich bin sehr beeindruckt und zolle dem gesamten Team meinen großen Respekt“, sagte Edathy.

Der Abgeordnete, seit 1998 für die SPD Mitglied im Deutschen Bundestag, absolviert seit mehr als zehn Jahren zu Beginn der sitzungsfreien Zeit sogenannte Sommerpraktika. Heuer waren außer dem Tierheim das Kulturzentrum „Alte Polizei“ (Stadthagen), der Arbeitsmarktservice Nienburg, der „Supermarkt auf Rädern“ (Stemmen) und das Nienburger Sozialkaufhaus „Fundus“ auf dem Programm zu finden. Im Mittelpunkt der Besuche standen zumeist ausführliche Gespräche mit den Gastgebern; Edathy war aber auch bereit, bei der Erledigung praktischer Arbeiten Hand anzulegen.

„Gefühlte 40 Fressnäpfe“ habe er gereinigt und mit Futter befüllt, schilderte der Abgeordnete den praktischen Aspekt seiner Bückeburger Stippvisite. Zudem kamen zwei Hunde in den Genuss eines Spaziergangs mit dem prominenten Politiker. Dabei kam den Vierbeinern zugute, dass ihr temporäres Herrchen Besitzer eines zwei Jahre alten Mischlingsrüden ist. Durch „Felix“ verfüge er über keinerlei Berührungsängste, was Hunde anbetrifft, erläuterte Edathy.

Im Gesprächsteil bildeten das sogenannte Paderborner Modell und die finanzielle Ausstattung von Tierheimen im Allgemeinen und des Bückeburger Heims im Besonderen zentrale Punkte. Das „Paderborner Modell“ sieht vor, dass Halter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, das Tier zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen lassen. In Paderborn ist diese „Maßnahme zur Eindämmung der unkontrollierten Vermehrung herrenloser Katzen“ per ordnungsbehördlicher Verordnung umgesetzt worden. Im Vorfeld seines Besuchs hatte Edathy erkennen lassen, dieser Regelung nicht vollends zustimmend gegenüberzustehen. Hernach gab er zu verstehen, das Thema nach wie vor skeptisch zu betrachten. Aber: „Die Skepsis ist gesunken.“ Hachmeister meinte: „Für Leute, die nicht in dieser Materie drin stecken, ist die Problematik unvorstellbar. Wir quellen über vor Katzen.“ Es sei gut, dass der Abgeordnete sich selbst ein Bild von der Situation gemacht habe.

Zur Finanzlage merkte die Leiterin an: „Wir sind mehr oder weniger am Ende. Wir hangeln uns von Monat zu Monat, um die Betreuung unserer derzeit rund 200 Tiere und die Erledigung aller zusätzlichen Aufgaben gewährleisten zu können.“ Im Frühjahr hätten drei Mitarbeiter entlassen werden müssen. In diesem Zusammenhang erwähnte sie einen Offenen Brief, in dem der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, die Lage der mehr als 700 von ihm betreuten Mitgliedsvereinen als „dramatisch“ schildert.

„Viele Heime kämpfen um ihre Existenz“, heißt es in dem an kommunale Mandatsträger gerichteten Schreiben. Und weiter: „Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch der Sozialgesetzgebung schlagen sich im praktischen Tierschutz negativ nieder. Einerseits gehen Spendenaufkommen und Sponsoringleistungen zurück, auf der anderen Seite werden immer mehr Tiere aus finanziellen Gründen abgegeben.“ Eine Umfrage habe ergeben, dass die Kommunen durchschnittlich 25 Prozent der im Tierheim anfallenden Kosten übernähmen, aber knapp 80 Prozent der Leistungen abriefen. Apel: „Die Tierheime sind nicht mehr länger in der Lage, auf dieser Basis Aufgaben für die öffentliche Hand zu übernehmen. Derzeit könnte ich den uns angeschlossenen Vereinen nur raten, eine Fundtierbetreuung abzulehnen.“

Was aber nicht seinem und sicher auch nicht dem Interesse der Adressaten entspräche. „Abgesehen von einem Rückschlag für den Tierschutz insgesamt, wären Insolvenzen der Tierheime auch für die Kommunen tragisch, sie müssten die Fundtierbetreuung in eigener Regie übernehmen“ hält der Präsident fest und appelliert an die Mandatsträger „unterstützen Sie den örtlichen, uns angeschlossenen Tierschutzverein als Ihren Partner. Es ist auch in Ihrem Interesse, die Tierheime zu erhalten.“

Hachmeister ergänzte, dass dem Tierschutz insgesamt ein höherer Stellenwert zukommen müsse. Hierzu könnten Praktika wie das von Edathy zweifellos wichtige Impulse beisteuern. Die Vereinsvorsitzende: „Ich würde mich freuen, wenn andere Politiker seinem Beispiel folgen würden.“




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige