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Mini-Job: Was die Betroffenen darüber wissen sollten

Ein ganz normales Arbeitsverhältnis

veröffentlicht am 29.08.2012 um 00:00 Uhr

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Autor:

Lühr SchneiderRechtsanwalt in Springe

Der Minijob ist vom Schüler bis zum Rentner weit verbreitet. Der Minijobber freut sich, dass er seinen Arbeitslohn ohne steuer- und sozialversicherungsrechtliche Abzüge erhält. Und dem Arbeitgeber gefällt, dass er nur einen pauschalen Arbeitgeberbeitrag auf den Arbeitslohn zu zahlen hat. Für beide Seiten eine schöne unkomplizierte Sache. Und gerade weil ein Minijob so unkompliziert ist, ist dieser zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer schnell geschlossen und bei Bedarf natürlich auch genauso schnell wieder beendet. Ganze Branchen halten ihren Betrieb nicht nur in der Urlaubs- und Ferienzeit oder bei der Saisonarbeit mit Minijobbern am Laufen.

Doch Vorsicht! Der arbeitsrechtliche Rahmen für den Minijob ist nicht erleichtert. Hier vertreten sowohl viele Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer die irrige Ansicht, dass der Minijob kein „richtiges“ Arbeitsverhältnis ist.

Tatsächlich ist der Minijob ein „normales und richtiges“ Arbeitsverhältnis. Das heißt: Auch für den Minijob gelten die allgemeinen arbeitsrechtlichen Gesetze und Grundsätze – bis auf einige wenige Ausnahmen. Dies bedeutet sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer, dass sie bei dem Abschluss eines Minijobs die gleiche Sorgfalt walten lassen müssen wie bei einem Vollzeitbeschäftigungsverhältnis. So haben die Parteien beim Minijob dieselben Rechte und aber auch Pflichten wie bei einem voll steuer- und sozial-versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis.

Eine Pflicht des Arbeitgebers ist etwa, dem Arbeitnehmer einen schriftlichen Arbeitsvertrag auszuhändigen, der den Vorgaben des Nachweisgesetzes entspricht. Weiterhin begründet beispielsweise der Minijob auch einen Anspruch auf Urlaub und auf Entgeltzahlung im Krankheitsfall. Damit hat auch der Minijobber einen Anspruch auf anteilig bezahlten Jahresurlaub.

Wer beispielsweise das ganze Jahr über in einem Minijob arbeitet, hat dadurch einen Anspruch auf bezahlten Urlaub in Höhe des gesetzlichen Jahresurlaubs von vier Wochen. Auch für Zeiten, in denen der Minijobber erkrankt, gewährt ihm der Gesetzgeber für die Dauer von sechs Wochen einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Umgekehrt hat der Minijobber aber auch dieselben Pflichten seinem Arbeitgeber gegenüber wie ein „normaler“ Arbeitnehmer. Dazu zählt zum Beispiel, dem Arbeitgeber für die vereinbarten Zeiten seine volle Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Insbesondere beim Minijob ist es ganz wichtig, den Arbeitgeber über alle weiteren Minijobs/Arbeitsverhältnisse zu informieren. Zusätzliche Arbeitsverhältnisse können unter bestimmten Umständen die steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Erleichterungen des Minijobs entfallen lassen.

Verschwiegenheit und Pünktlichkeit sowie ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Eigentum des Arbeitgebers sollten ohnehin für jeden Arbeitnehmer selbstverständlich sein. Die Schutzvorschriften für schwangere und schwerbehinderte Mitarbeiter gelten auch im Minijob.

Im Falle einer Kündigung besteht – soweit das Kündigungsschutzgesetz anwendbar ist – voller Kündigungsschutz. Bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses haben beide Seiten die Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfristen (§ 622 BGB) zu beachten. Gerade bei Langzeit-Minijobbern sind auf eine arbeitgeberseitige Kündigung dann die längeren Kündigungsfristen für Arbeitgeber anzuwenden.

Mit der Beendigung des Minijobs hat der Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis ordentlich abzurechnen und ihm die üblichen Arbeitspapiere auszuhändigen. Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein Zeugnis.

Bei Beachtung der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen ist der Minijob gerade wegen der erleichterten steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen ein besonders unkompliziertes und flexibles Instrument, ein geringes Arbeitsvolumen des Arbeitgebers mit der nur begrenzt verfügbaren Arbeitskraft und Zeit des Arbeitnehmers zu verbinden.




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