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Vor Gericht: Fast vier Jahre Haft

Ein Kreislauf von Diebstahl, Drogen, Job weg und Knast

Bückeburg (ly). Immer wieder Diebstähle, Job weg, Knast: Drogensucht hat das Leben eines Bückeburgers zerstört. Fast vier Jahre Haft muss der 34-Jährige nun verbüßen - mehrere Strafen zusammengerechnet. Wenn er Glück hat, kommt er nach zwei Dritteln frei. Dennoch: "Eine Menge Zeit, um nachzudenken", so Armin Böhm, Direktor des Amtsgerichts, das den Bückeburger jetzt wegen vierfachen Diebstahls sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis in drei Fällen zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt hat. Eine gleich lange Strafe wegen anderer Delikte sitzt der Häftling seit kurzer Zeit bereits ab. Und schließlich wären da noch neun Monate, zuletzt zur Bewährung ausgesetzt, die wohl widerrufen werden.

veröffentlicht am 01.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:22 Uhr

"Es tut mir alles furchtbar Leid", sagt der 34-Jährige im Rückblick auf eine "schlimme Phase" in den ersten Monaten des Jahres, an die er "nur noch lückenhafte Erinnerungen" haben will. Damals habe es mit einer Drogentherapie nicht geklappt. "Das hat mich runtergezogen, ich bin rückfällig geworden, und als Folge sind die ganzen Straftaten passiert." Straftaten wie am Fließband, von der Dunkelziffer ganz zu schweigen: Einer Nachbarin, deren Wohnung er renovierte, stahl der frühere Monteur innerhalb weniger Tage dreimal Geld, insgesamt 1050 Euro. Aus dem Lagerraum einer Bückeburger Kneipe ließ er mehrere Kisten Limonade mitgehen. Und in nachweislich drei Fällen hatte der Süchtige sich ohne Führerschein hinters Steuer gesetzt, mindestens zweimal davon außerdem unter dem Einfluss von Heroin. Was hätte da passieren können? "Ich habe verantwortungslos gehandelt, keine Frage", räumte der Angeklagte vor Gericht vorbehaltlos ein. Eingestellt worden war ein weiteres Verfahren, wonach der 34-Jährige in einem Seniorenheim Zimmer durchsucht haben soll. Eine zusätzliche Verurteilung in diesem Punkt wäre kaum noch ins Gewicht gefallen. Bei den Diebstählen dürfte es sich um so genannte Beschaffungskriminalität gehandelt haben, um an Geld für Rauschgift zu kommen. Es wäre nicht das erste Mal. Normalerweise zählt Richter Böhm während der Verhandlung die Vorstrafen des jeweiligen Delinquenten. In diesem Fall "reichen allein bei den Diebstählen zehn Finger nicht aus", so Böhm. "Davor können wir natürlich nicht die Augen verschließen." Was Staatsanwalt Dieter Liese ähnlich sah. Weil eine Haftstrafe den Angeklagten zuletzt nicht sonderlich beeindruckt habe, meinte Liese, der Mann müsse "ordentlich Nachschlag erhalten". Auf der anderen Seite stand im aktuellen Prozess erstens ein umfassendes Geständnis. Zweitens schloss sich das Gericht der Auffassung von Verteidiger Gunter Mücke an, wonach der 34-Jährige zum Zeitpunkt der Taten wegen seiner Sucht vermindert schuldfähig war, was sich ebenfalls strafmildernd auswirkte. Am Gefängnis führt trotzdem kein Weg vorbei.




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