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Dieter Störig überreicht Hubschraubermuseum zwei Modelle und sorgt für „begreifbares“ Wissen

Ein Künstler mit großem Technikverstand

Bückeburg (bus). Im Hubschraubermuseum sind zwei weitere Helikopter-Modelle „gelandet“. Die Übernahme der aus der Borgward-Focke-Ära stammenden Nachbauten erfolgte im Rahmen eines kleinen, von zahlreichen Interessenten und Vertretern befreundeter Einrichtungen besuchten Festaktes. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand außer den Modellen „Kolibri I“ und „Kolibri II“ deren Schöpfer Dieter Störig. „Es ist ein absoluter Glücksfall, einen derart exzellenten Modellbauer wie Dieter Störig in den eigenen Reihen zu haben“, stellte Museumschef Wolfgang Raschke begleitet vom kräftigen Applaus des Publikums fest.

veröffentlicht am 13.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 22:21 Uhr

Mit dem Tüftler verfüge das Museum über einen herausragenden Modellbauer, der in akribischer Detailarbeit Drehflügler zum Leben erwecke und der allgemeinen Betrachtung zur Verfügung stelle. Die von ihm gefertigten Unikate seien überwiegend nicht im Handel erhältlich und erlaubten einen eindrucksvollen Blick in die Hubschraubergeschichte. Störig vertrete in seinem Fach eine Extraklasse, er sei ein Künstler mit ausgeprägtem technischen Verständnis. Raschke: „Ich danke Ihnen, dass Sie uns teilhaben lassen an Ihren Fähigkeiten und der Nachwelt einen bleibenden Wert überlassen.“

Der im April 1940 in Braunschweig geborene Störig zählt seit mehr als einem Jahrzehnt zum festen Mitarbeiterstamm des Museums. Der auf zahlreichen Gebieten tüftelnde Experte stellte dem Haus bislang eine ganze Reihe hochwertiger Schöpfungen zur Verfügung - allein in der großen Halle des Neubaus schwebten während der „Kolibri“-Überreichung fünf seiner Fabrikate über den Köpfen der Besucher. „Das Besondere an diesen Modellen ist, dass es zumeist keinen Bausatz gibt und dass aus Zeichnungen und Werkplänen erst die maßstabsgerechte Größe eines Teils sowie die Funktionalität jedes Teils ermittelt werden muss“, erläuterte Raschke.

„Bei der Fertigung der beiden Kolibri-Rekonstruktionen waren viele Schwarz-Weiß-Fotos und Risszeichnungen aus dem Archiv des Hubschraubermuseums sehr hilfreich, da weder Original-Pläne noch Detailzeichnungen erhalten geblieben sind“, schloss Störig an Raschkes Ausführungen an. Diese Pläne mussten nach den Original-Risszeichnungen und den tatsächlichen, auf den Fotos erkennbaren Ausführungen der beiden Hubschrauber erst neu im Maßstab 1:4,6 gezeichnet werden. Zusätzlich waren Spantenrisse, Querschnitte und weitere Einzelheiten nach den Fotos zu rekonstruieren.

„Als besonders harte Nuss“, schilderte Störig dem mit großem Interesse zuhörenden Auditorium, „stellte sich das Getriebe des Doppel-Heckrotors heraus.“ In eine Kugel von 42 Millimeter Durchmesser war ein doppeltes Winkelgetriebe mit Drehrichtungsumkehr zu integrieren. Diese „Nuss“ knackte der Modellbauer nach ausgiebigem Nachdenken, indem er die Gegenläufigkeit der Rotoren mittels ineinander implantierter Messingzahnräder herbeiführte. Der Fachmann: „Und zudem ist alles vollgepackt mit Miniatur-Kugellagern für die Heckrotorwelle und die Heckrotoren.“

Die „Kolibris“ werden zukünftig in der großen Halle des Altbaus gemeinsam mit drei Original-Exponaten ausgestellt – ein Gestell samt Getriebe, Rotormast und Rotorkopf, drei Rotorblätter mit Sperrholzbeplankung sowie ein von Hand steuerbarer Doppel-Heckrotor. Die Prototypen waren seinerzeit als Vorstufe eines kolossalen Serien-Hubschraubers geplant, der als Fughafen-Zubringer bis zu 30 Passagiere aufnehmen sollte. „Der Borgward-Konzern wollte offensichtlich ganz groß ins internationale Helikoptergeschäft einsteigen“, mutmaßte Störig.

Aber dann sei plötzlich alles ganz anders gekommen. Trotz vielversprechender Flugerprobungen und der unmittelbar bevorstehenden Abnahme durch das Luftfahrtbundesamt musste das insgesamt 4,3 Millionen D-Mark teure Projekt wegen der Insolvenz und der nachfolgenden Liquidation des heute überwiegend wegen seiner Automobilproduktion bekannten Borgward-Unternehmens eingestellt werden. Der letzte Flug des „Kolibri I“ mit dem Piloten Ewald Rohlfs am Steuer erfolgte am 7. März 1961.

„Und vor der Verschrottungswut des Insolvenzverwalters wurden nur einige wenige Stücke bewahrt“, fügte der Experte an. Nun sei durch die beiden Rekonstruktionen der beabsichtigte museumspädagogische Zusammenhang zwischen den drei abstrakten Original-Exponaten und den zugehörigen Fluggeräten historisch und technisch hergestellt worden. Störig: „Alles in allem betrachtet eine „begreifbare“ Wissensvermittlung.“




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