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Abikonzert im Adolfinum – köstliche Lehrerparodien als Ausdruck des Unverwechselbaren

Ein kurzweiliger Abend des Abschieds

BÜCKEBURG. Die Überraschung des Abends, das war eindeutig Rapper Florian Bödeker. Er wäre der Kandidat des Adolfinums für Tel Aviv. Der Achtzehnjährige hat einen furiosen Rap auf das wechselvolle Schülerleben mit seinen Hürden und Abgründen geschrieben und durch seinen impulsiven Auftritt das große Publikum beim Abikonzert im Adolfinum restlos begeistert.

veröffentlicht am 14.06.2018 um 12:54 Uhr
aktualisiert am 14.06.2018 um 17:10 Uhr

Voller Esprit und einfach nur witzig-humorvoll: das Abikonzert im Adolfinum. Foto: vhs

Autor:

Volkmar Heuer-Strathmann
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BÜCKEBURG. Die Überraschung des Abends, das war eindeutig Rapper Florian Bödeker. Er wäre der Kandidat des Adolfinums für Tel Aviv. Der Achtzehnjährige hat einen furiosen Rap auf das wechselvolle Schülerleben mit seinen Hürden und Abgründen geschrieben und durch seinen impulsiven Auftritt das große Publikum beim diesjährigen Abikonzert im Adolfinum restlos begeistert. So lässt sich Abschied nehmen, gerade wenn hier und da nicht alle Träume in Erfüllung gegangen sind.

Sofia Menninger, Esteban Auge und Lorenz Koester erwiesen sich als ein überaus schlagfertiges Moderatorentrio. Gemeinsam und im Alleingang präsentierten sie ein kurzweiliges Programm voller Kontraste: hier Marco Brudys mitreißende Jagd über die Tasten des Klaviers, da Paul Fabian an der Gitarre mit einer einfühlsamen Darbietung eines eigenen Songs voll tief empfundener Religiosität. Mit spritzigen Tanzeinlagen und flotter Musik (Technik: Dorothea Lange und Marc Meisel) ließ eine Gruppe „Mädels“ um Bleona Buzhala die Zeit vom sorgenfreien Kindergartenleben bis zum Schicksalstag der Klausurergebnisse Revue passieren. Pubertät wurde zur Passionszeit, das Ich zum Fremden im eigenen Körper, die Schule zum bloßen Treffpunkt mit Freunden.

Dass Schulalltag in der Oberstufe auch für Lehrer kein Zuckerschlecken ist, zeigte eine Reihe köstlicher Parodien. Der eine Pädagoge versucht mit der Konsequenz der Verzweiflung, selbst Zöglinge „mit Migration“ auf den Königsweg nicht trivialer Fachterminologie zu führen, der andere kämpft derweil in den Niederungen zwischen zwei Pausenbroten mit Zetteln, Ausflüchten und Gerätschaften. Überall droht Verflachung, Standardabsenkung, alles hat Abiturrelevanz. Aufmerksamkeit im Kurs ist dennoch eher die Ausnahme, Fehler scheinen die Regel. Mit spielerischer Sicherheit werden Lehrkräfte imitiert und karikiert, als hätten Mia Brocks, Jan-Maurits Reuß, Sandra Ohlhäuser und Maike Brockmann monatelang nichts anderes zu tun gehabt, als ihre Dompteure zu beobachten, um das Unverwechselbare herauszufinden.

Beim Quiz „Wer wird Abiturient?“ wirkten Jahrgangsleiter Olaf Mengeling und Schulleiter Michael Pavel im Vergleich mit Jessica Kuris zur Freude des Publikums doch eher bildungsfern, antriebsarm und rechtschreibschwach. Spicken? Nicht hier. Physik, Chemie, Biochemie? Keine Ahnung! Und Frau Schlüter will man jetzt natürlich auch nicht mehr aufschrecken als Telefonjoker.

Der abschließende Abisong zeigte dann den gesamten Jahrgang in Siegerpose, aber auch in einer Haltung der Dankbarkeit, selbst jene Herren im Hintergrund, die ihren knappen Refrain wie röhrende Hirsche darboten beim „Hoch auf uns“.

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