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Karl „Kalli“ Ploch ist am Sonntag im Alter von 81 Jahren gestorben / Bis zuletzt im Geschäft gestanden

Ein Leben zwischen Brausebonbons und Mozartkugeln

Bückeburg (rc). Ein Bückeburger Urgestein ist nicht mehr: Im Alter von 81 Jahren ist am Sonntag Karl „Kalli“ Ploch gestorben.

veröffentlicht am 28.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 07:41 Uhr

Bis zuletzt stand er immer noch hinter dem Tresen seines Geschäfts „Süße Quelle“ im Hause Lange Straße 7; dort, wo er Generationen von Schulkindern und Frühaufstehern Lollis, Bonbons, Schokolade oder Zeitungen verkaufte. Nicht in den supermarktüblichen Gebinden und Tüten, sondern auch einzeln für einen Cent, wenn es der Wunsch der Kinder war.

Das Bückeburger Urgestein begann seine selbstständige Tätigkeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. „Ich bin mit einem Bauchladen auf dem Sportplatz herumgegangen“, erinnerte sich Ploch im Gespräch mit unserer Zeitung zu seinem 80. Geburtstag. „Wir hatten damals ja nicht viel, ich habe Schokolade verkauft.“ Später hatte Ploch einen Kiosk im Berg- und Hallenbad und eine kleine Gaststätte.

Bis zuletzt führte der Kaufmann sein Geschäft an der Langen Straße. Mehr als 60 Jahre lang war er selbstständig. Neben Lakritztalern und Brausebonbons, hinter köstlich aussehenden Pralinen und Mozartkugeln, vor dem Regal mit Tchibo-Kaffee war sein Zuhause – (fast) jeden Tag von 6 bis 20 Uhr. Er öffnete vor den anderen und schloss nach ihnen. Mittags blieb sein Geschäft geöffnet.

Sonntags gab es für Karl Ploch zwei Stunden mehr Freizeit. Dann konnte nur von 8 bis 20 Uhr das Nasch-, Nikotin- und Koffeinverlangen bei ihm gestillt werden. Oder der Durst auf „Kallis Eierpunsch“, den er regelmäßig auf dem Weihnachtsmarkt kredenzte.

„Pfennig-Geschäft mache ich“, sagte er damals zu seinem 80. Geburtstag, stockte und korrigierte sich: „1-Cent-Bonbons habe ich noch.“ Eine knallgelbe Zuckerkugel in der Größe einer Fingerkuppe eines kleinen Fingers konnten sich die Kunden für die kleinste Münze aus der Plastikdose nehmen – fast 100-prozentige Preissteigerung seit der Währungsumstellung. Egal – es ist bemerkenswert, dass überhaupt etwas für 1 Cent verkauft wurde. Ein Zitat von ihm, auch aus dem Gespräch zum runden Geburtstag, sich seines Besonders-Seins durchaus bewusst: „Wir haben früher mal gesagt, in Bückeburg gibt’s den Fürsten, die Falle und Kalli.“ Kalli Ploch.




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