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Botanische Führung: In Kleinenbremen NRW-weit erstmals südamerikanisches Berufkraut entdeckt

Ein Lianenwald wie in einem Tarzan-Film

Kleinenbremen (ly). Wie kommt das denn hierher? Vielleicht als blinder Passagier in einem Verkehrsmittel. Oder als Begleiter im Saatgut von Kulturpflanzen. Jedenfalls ist die Biologin Dr. Ulrike Schaksmeier nahe dem Kleinenbremer Besucherbergwerk auf ein südamerikanisches Berufkraut gestoßen.

veröffentlicht am 13.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:21 Uhr

Die Entdeckung gilt als einmalig. „In Nordrhein-Westfalen ist bisher kein Fund nachgewiesen worden“, erklärt Schaksmeier, eine frühere Lehrerin, unter Berufung auf entsprechende Literatur. Wenn Pflanzen in Gebiete gelangt sind, wo sie von Natur aus nicht vorkommen, spricht der Wissenschaftler von Neophyten, der Laie von Einwanderern. Gefunden hat die Biologin das Berufkraut als Leiterin einer Exkursion des Vereins Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP), die zur „Roten Klippe“ führte.

In Süddeutschland, woher der Korbblütler mit einem Hauch von Orange vermutlich auf einem Umweg nach Porta gekommen ist, sorgt die Pflanze speziell in Weinbergen für Probleme, weil sie Reben verdrängt und resistent gegen Herbizide ist. „Bei uns macht das nichts“, beruhigt Ulrike Schaksmeier. „Man sollte sie aber im Auge behalten“, ergänzt die Eisbergerin.

Stark ausgebreitet hat sich stellenweise das kleinblütige Springkraut, ein Neophyt aus Sibirien. Das wäre halb so wild, wenn es nicht gleichzeitig unser Rühr-mich-nicht-an verdrängen würde, jenes einzige Springkraut, das ursprünglich in Europa vorkommt. „Die Experten sind sich noch nicht einig, ob man etwas dagegen tun muss“, berichtet Ulrike Schaksmeier.

Manchmal lässt sich der Nutzen von Pflanzen aus deren Namen ableiten, manchmal täuscht die Bezeichnung. Weil die Blüten des Natternkopfes einem Schlangenschädel ähneln, weil der rosa Griffel im Blütenkelch an ein züngelndes Kriechtier erinnert, glaubte man früher, die Pflanze helfe gegen Schlangengift. Stimmt aber nicht. Der Augentrost hilft dagegen sehr wohl gegen Augenleiden.

Apropos Augen: Wer Lianen sehen will, muss keine Tarzan-Filme gucken. Europas einzige Liane, die Waldrebe, klettert hinter dem Besucherbergwerk bis in die Bäume. Und genau an dieser Stelle liegt denn auch die nordische Verbreitungsgrenze jener Kletterpflanze, die anderen Gewächsen das Licht nehmen kann.

Gesehen haben die etwa 25 Teilnehmer der botanischen NHP-Führung, darunter der Kleinenbremer Heimatvereinsvorsitzende Walter Caselitz, auch viele seltene Pflanzen, etwa das winzige Tausendgüldenkraut. „Wenn sie wild vorkommt, darf die Pflanze nicht angerührt werden“, warnt Schaksmeier. „Sie ist streng geschützt.“ Ebenfalls auf der „Roten Liste“ steht das Kreuzblümchen, dem die Trockenheit nicht gut bekommen ist.

In Pflanzen sieht Dr. Ulrike Schapsmeier mehr. „Sie sind Grundlage aller Nahrungsketten“, erklärt die Biologin. „Ohne Pflanzen sähen wir alt aus.“ Interessant zu beobachten sei auch, welche Insekten sich dort tummelten. Und nicht zuletzt kann man auf Exkursionen Entdeckungen machen. Zum Beispiel ein südamerikanisches Berufkraut.

Alte Heilpflanze: Dr. Ulrike Schaksmeier, Leiterin der Exkursion, zeigt auf ein Johanniskraut.

Fotos: ly/pr.




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