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Klosterbibliothek wird 750 Jahre alt - und noch umfangreicher

"Ein lustig schön Gemach..." - heute mit 80 000 dicken Büchern

Loccum (ade). Die Loccumer Klosterbibliothek wird 750 Jahre alt. Abt Horst Hirschler, Konventual-Studiendirektor Christian Stäblein und Bibliothekar Jörg Fiedler haben einen Einblick in Geschichte und Schätze der Bibliothek gewährt.

veröffentlicht am 01.10.2008 um 00:00 Uhr

Immer wieder geht die Tür auf, huscht einer der Vikare hinein, holt sich ein Buch oder setzt sich an einen Computer. "Bei uns steht die Kölner Bibel von 1473 neben dem Internet-Zugang", sagt Stäblein. Angestaubt? Nein, angestaubt sei diese Klosterbibliothek nicht. Erstmals wurde die Bibliothek in einer Schrift von Abt Stracke im Jahr 1258 erwähnt. "Ein lustig schön Gemach" nennt er darin die überschaubare Bücher-Sammlung. Das hat sich innerhalb der Jahrhunderte geändert. Mehr als ein "Gemach" ist vonnöten, um die 80 000 Bände zu fassen. Demnächst, wenn das Celler Predigerseminar endgültig seine Türen schließt und Loccum einzige Ausbildungsstätte der Landeskirche Hannovers sein wird, kommen nochmals 60 000 Bände aus der Celler Bibliothek hinzu. Theologie und Kirchengeschichte sind die Schwerpunkte der Sammlung, aber auch Bücher zu Naturwissenschaften, Psychologie, Kulturgeschichte und anderen Themen haben einen Platz gefunden. Dass die Bibliothek derart wachsen konnte, hat sie vielen Umständen zu verdanken. "Es hat nie gebrannt", freut sich Hirschler. Viele Äbte und auch andere Menschen hätten dem Kloster ihre kleinen Bibliotheken vermacht. Dass neben den moderneren Schriften viele wirkliche Altertümer in der Bibliothek stehen, führt Kloster-Bibliothekar Jörg Fiedler auch darauf zurück, dass die Klosterherren zur Zeit der Säkularisierung gute politische Beziehungen hatten. Die wertvollen Stücke des Loccumer Klosters haben einen eigenen Raum, "Schatzkammer" genannt. Das älteste Dokument, das Bibliothekar Jörg Fiedler präsentiert, ist eine Papst-Urkunde aus dem Jahr 1183. Die wertvollsten Dokumente seien solche Urkunden, weiß Hirschler zu berichten. Jede Schenkung, die ein reicherMann dem Kloster machen wollte, sei beurkundet worden, versiegelt und auf eine sechswöchige Reise per Maulesel nach Rom geschickt. "Wir wissen nicht so vielüber unsere Bibliothek", sagt Hirschler - obwohl die Geschichten aus den drei Herren nur so heraussprudeln. Eines der Herzstücke des Klosters ist die Sammlung allemal. Und so soll auch der runde Geburtstag der Bibliothek gewürdigt werden: mit einem festlichen Nachmittag nah an und in den Räumen mit den Büchern. Um daran teilzuhaben, ist eine Einladung vonnöten. Zu allen anderen Zeiten können Interessierte aber dieBibliothek nutzen, sich vom Bibliothekar beraten lassen oder ihn gar engagieren, um eine Führung oder einen Vortrag in dem "lustig schön Gemach" zu bekommen.




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