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Experten beraten bei Ausstellung

Ein Schraubenzieher genügt – wie schütze ich mein Haus?

RINTELN. Polizeioberkommissarin Britta Steffen-Melchin zeigt Bürgern während der Ausstellung zum Einbruchsschutz mit einem Schraubenzieher, wie schnell ein ungesichertes Standardfenster aufgehebelt werden kann. „Ein geübter Einbrecher schafft das innerhalb von zehn Sekunden“, sagt Kriminalhauptkommissar Michael Pöhler.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 11:39 Uhr
aktualisiert am 12.01.2018 um 17:30 Uhr

Britta Steffen-Melchin hebelt ein Kunststofffenster mit einem Schraubenzieher auf. Die Polizeioberkommissarin zeigt Besuchern der Einbruchsausstellung, wie schnell ein Fenster aufgehebelt werden kann. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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RINTELN. Britta Steffen-Melchin hält einen Schraubenzieher in der Hand und drückt ihn zwischen den Rahmen und den Flügel eines geschlossenen Kunststofffensters. Sie beginnt an der Griffseite in der unteren Ecke zu hebeln, versucht, den Schließzapfen über das Schließblech zu hebeln. Diesen Vorgang wiederholt die dunkel gekleidete Frau an zwei weiteren Stellen am Fenster. Kurz darauf springt es auf. Der Einbruch ist erfolgreich. Doch Steffen-Melchin ist kein Profi-Einbrecher. Ganz im Gegenteil: Die Polizeioberkommissarin zeigt Bürgern während der Einbruchsausstellung in Rinteln, wie schnell ein ungesichertes Standardfenster aufgehebelt werden kann. „Ein geübter Einbrecher schafft das innerhalb von zehn Sekunden“, sagt Kriminalhauptkommissar Michael Pöhler, während er auf das aufgehebelte Fenster schaut. „Und das schafft er, ohne großen Kraftaufwand oder Lärm“, fügt der Beauftragte für Kriminalprävention in der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg hinzu.

Doch man kann Einbrechern das Leben schwer machen: 44 Prozent aller Einbruchsversuche scheitern an Sicherungsmaßnahmen. Der Experte rät dazu, Fenster nachzurüsten – mit moderner Sicherheitstechnik. Auf der Rintelner Ausstellung zum Thema Einbruchsschutz, die landkreisweit einmalig ist, stellen heimische Unternehmen, wie die Tischlerei Hoppe, Eisen Niemeyer, AGT Alarmanlagentechnik und die Firma Comp-Pro Produkte zum Einbruchschutz aus. Dabei müsse zwischen mechanischer und elektronischer Sicherungstechnik unterschieden werden, erklärt Sicherheitsberater Dietmar Scholz. Die Nachrüstung im Bereich von Türen und Fenstern sei das eine, Alarmanlagen und Videoüberwachung seien das andere.

Pöhler rät dazu, Fenster und Türen mit einem Sicherheitsmechanismus im Rahmen auszurüsten. „Wenn Fenster mit solcher Schließmechanik – wie zum Beispiel einer sogenannten Pilzkopfverriegelung – auf den neusten Stand gebracht worden sind, kann ein Einbrecher nicht so leicht das Fenster aufhebeln.“ Zusätzlich empfiehlt der Fachmann, eine dünne Folie, die auf die Fensterscheibe aufgeklebt wird. Die Folie verhindert, dass Langfinger die Scheibe durchbrechen und in die Wohnung einsteigen können.

Unternehmen stellen Produkte zum Einbruchschutz aus. Experten beraten Bürger, geben Tipps, wie man sein Haus sicherer machen kann. foto: leo
  • Unternehmen stellen Produkte zum Einbruchschutz aus. Experten beraten Bürger, geben Tipps, wie man sein Haus sicherer machen kann. foto: leo

„Oftmals schlagen Einbrecher, wenn sie mit dem Hebeln nicht weiterkommen, die Scheibe mit einem Stein ein“, sagt Pöhler. Mit der Folie wird die Scheibe sehr widerstandsfähig. „Sie splittert zwar, bricht aber nicht heraus. Auch entstehen keine großen Löcher, durch die der Einbrecher einsteigen kann.“

Tests haben ergeben, dass auch nach über 30 Minuten und trotz intensiver Gewalteinwirkung mit Vorschlaghammer und Brechstange das Fenster und auch das Glas nicht nachgeben, erklärt Pöhler. „Daran beißen sich die Einbrecher die Zähne aus.“ In der Regel, so der Spezialist, würde der Einbruch drei bis fünf Minuten dauern. Schafft es der Täter in dieser Zeit nicht, ins Haus oder in die Wohnung zu gelangen, lässt er meist von dem Objekt ab und flüchtet. „Das liegt daran, dass nach dieser Zeit das Risiko, entdeckt zu werden, für den Dieb zu groß ist“, weiß der Kriminalhauptkommissar.

Wenn man Fenster und Türen auf diese Weise nachrüstet, sei man gegen die meisten Einbrecher gut gewappnet. „Mit der Nachrüstung deckt man bis zu 90 Prozent der gängigsten Einbruchstechniken ab“, so Pöhler. Denn: In 68,2 Prozent aller Einbrüche in Einfamilien- und Reihenhäusern, hebelt der Täter ein Fenster auf. In 12 Prozent der Fälle schlägt der Dieb die Scheibe ein und entriegelt das Fenster, indem er durch Umgreifen den Griff betätigt.

Was Bürger oftmals nicht wissen: Die Einbrecher sind nur selten in der Nacht unterwegs. „Einbrecher kommen meistens an Freitagen und Samstagen zwischen 14 und 22 Uhr in der dunklen Jahreszeit“, erklärt Pöhler. Zu dieser Zeit seien die Bewohner eher aus dem Haus, weil sie Wochenendausflüge machen oder auf der Arbeit sind. „Dann ist es für den Einbrecher sicherer, als bei Nacht, wo viele Menschen zu Hause sind und schlafen“.

Die Aufklärungsquote der Polizei Rinteln liegt bei rund 20 Prozent. Im direkten Vergleich zu anderen Städten wohne man in Rinteln sehr sicher, sagt die Leiterin des Kriminal- und Ermittlungsdienstes in Rinteln, Hauptkommissarin Daniela Kempa, die zusammen mit Scholz die Ausstellung organisiert hat.

Man kann sein Haus aber auch zusätzlich noch mit einer Alarmanlage ausrüsten. Ein Funkmelder, der am Fenster angebracht wird, sendet an einen kleinen Steuerungskasten, der sozusagen die Einbruchsmeldezentrale ist, ein Signal, wenn sich jemand am Fenster zu schaffen macht, erklärt Michael Linkersdörfer von der Firma AGT, der auf der Ausstellung interessierte Bürger rund um das Thema Alarmanlagen berät. Ein akustischer Alarm wird ausgelöst, und zeitgleich bekommt der Bewohner auch auf sein Smartphone die Mitteilung, dass bei ihm gerade eingebrochen wird. Der Vorteil bei der Alarmanlage seien die Abschreckung und die Möglichkeit einer schnellen Reaktion.

Trotzdem, sagt Sicherheitsberater Scholz, sollte man erst Türen und Fenster nachrüsten. „Die Alarmanlage ist da eher das Sahnehäuptchen“, so Scholz. Wer sein Haus sicherer machen will, sollte zunächst mit einem Sicherheitsberater oder Präventionsberater der Polizei sprechen, bevor er eine Firma mit der Nachrüstung beauftragt, rät Scholz.

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