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Kleinenbremer Gotteshaus wird 120 / „Nacht der offenen Kirchen“ erinnert daran

Ein Sitzplatz für jeden Einwohner

Kleinenbremen. Manchmal geht Pfarrer Ekkehard Karottki ganz allein in die Kleinenbremer Kirche. „Ich hab’ ja den Schlüssel“, schmunzelt er. Im Gotteshaus herrscht „Stille, die guttut“. Die Mauern schützen den Pfarrer. Karottki nimmt Platz, meditiert, betet. Hier findet er Ruhe und Besinnung. „Das hat was“, sagt der Seelsorger. Im Sonnenschein strahlen die Farben der Fensterbilder. Wer eine Kirche verstehen will, darf nicht mit Tunnelblick zum Altar gehen. Karottki tut das nie. Man muss den Raum von der anderen Seite auf sich wirken lassen. Den ganzen Raum.

veröffentlicht am 04.03.2016 um 11:51 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:41 Uhr

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Eingeweiht wurde die Kleinenbremer Kirche 1896 – vor 120 Jahren also. Zur Erinnerung daran nutzt die Gemeinde eine westfälische „Nacht der offenen Kirchen“ am Pfingstsonntag, 15. Mai, von 18 bis 24 Uhr. Lütkenbremen beteiligt sich zum vierten Mal. Mit im Boot ist diesmal der örtliche Heimatverein. Für die Heimatfreunde ist dies ihr Beitrag zum Deutschen Mühlentag, der eigentlich erst am Pfingstmontag steigt, einen Tag später.

Das kirchliche Programm steigt im Gotteshaus, der gesellige Teil an der Mönkhoffschen Wassermühle. Dorthin wird die Bewirtung ausgelagert. Auf dem Mühlengelände steht ein Getränkewagen, der CVJM wirft den Grill an. Mühle und Meierhof-Backhaus sind geöffnet.

Für eine Ausstellung über die imposante Kirche, die im Gotteshaus gezeigt wird, werden alte Fotos und Dokumente gesucht. Die Exponate können bei Pfarrer Karottki (An der Höchte 10) abgegeben werden – oder im Pfarrbüro, das donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist, am Freitag von 9 bis 12 Uhr.

„Die Kirchengemeinde unterstützt uns bereits seit Jahren immer am Pfingstmontag mit einem Freiluft-Gottesdienst an der Hartingschen Mühle, jetzt unterstützen wir mal die Kirchengemeinde“, unterstreicht Walter Caselitz, Vorsitzender des Heimatvereins, die engen Beziehungen. Pfarrer Karottki hofft, dass die Zusammenarbeit auch dazu führt, Hemmschwellen bei potenziellen Besuchern abzubauen.

Los geht’s in der Kirche mit einem Programm für Kinder. Geplant ist ferner ein musikalischer Block: Auftreten sollen Posaunenchor, Projektchor, die Orgelspielerin Iris Monien und vielleicht der Kontaktchor Neesen. Die Tanz- und Trachtengruppe des TuS präsentiert alte Kleidung, was thematisch Sinn ergibt, weil viele Kleinenbremer früher in einer speziellen Tracht zur Kirche gingen.

Lichterparcours in Planung

Geplant ist auch ein Lichterparcours, der von der Kirche zur Mühle führt. Zudem gibt es Überlegungen, das Gotteshaus von außen zu beleuchten.

Am heutigen Ort stand eine kleinere Kirche (erbaut 1483), ganz früher eine romanische Kapelle aus dem 11. Jahrhundert, vielleicht sogar aus der Zeit um 800. Nach einem Beschluss des Presbyteriums von 1892 sollte die Kapazität der teils baufälligen Kirche durch den Neubau auf 1000 Plätze erweitert werden. „Jeder Einwohner sollte einen Sitzplatz haben“, erklärt Pfarrer Karottki.

Bis zur Turmspitze misst das Gotteshaus, eine von 20 norddeutschen Kirchen nach Plänen des Barkhauser Architekten Heinrich Hutze (1853-1913), heute 60 Meter. Beim Abriss 1893 war der Turm stehen geblieben. Später bekam er eine neue, höhere Spitze, damit die Proportionen wieder stimmten.

Die Steine des Gebäudes wurden für das Fundament der neuen Kirche gebraucht, errichtet im neugotischen Stil aus Sandstein. Von Weihnachten 1944 bis 1948 war unter der Kellertreppe ein Teil des Hohenzollern-Schatzes eingemauert, um ihn nicht an die Alliierten ausliefern zu müssen – darunter die Preußenkrone. Veranlasst hatte dies Kurt Freiherr von Plettenberg, Bückeburger und Generalbevollmächtigter des Hauses Hohenzollern.




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