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Lärmproblematik an der oberen Lange Straße kocht wieder hoch – Künstler planen Aktionen

„Ein unwürdiger Abschluss“

Bückeburg. Lange Zeit war Ruhe um die Lärmproblematik an der oberen Langen Straße – zumindest an der Oberfläche. Anwohner hatten sich in den vergangenen Jahren wiederholt über zu viel Lärm und Verstöße gegen Ruhezeiten bei Festen, aber auch beim Sitzen in den Biergärten, bei den zuständigen Behörden und Ämtern beschwert, die aktiv wurden und Regelungen vereinbarten.

veröffentlicht am 21.07.2015 um 17:23 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

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Beim Frühschoppen des Blindow-Jazz Meetings am vergangenen Sonntag im Bereich der Gaststätte „Le Bistro“ sowie bei der „Marching Parade“ am Samstag ist die Problematik wieder hochgekocht. Am Sonntag rückte gegen 14.30 Uhr nach einer Beschwerde eines Anwohners eine herbeigerufene Polizeistreife an, die die Musiker daran hinderte, eine zum Abschluss des Frühschoppens von zahlreichen Zuhörern und Passanten geforderte Zugabe zu geben. Bandleader Helmut Rinne musste nach eigenen Angaben „zwei netten, verständnisvollen Polizisten pflichtgemäß seine Personalien mitteilen“, auch Organisator Siegfried Groth. Außerdem sollten sie eine schriftliche Genehmigung vorlegen, konnten sich aber nur auf eine mündliche Zusage der Stadt berufen. Die diese einen Tag später auf Nachfrage der Beamten bestätigte, wie die Polizei auf Anfrage mitteilte.

Eine Zugabe gab es verständlicherweise nicht mehr. Helmut Rinne: „Wir hätten den musikalischen und zuhörenden Gästen Bückeburgs und letztendlich auch den diensttuenden Beamten diesen unwürdigen Abschluss gerne erspart.“ In lang andauernden Debatten habe man dann noch den verdutzen Mitmusikern die Hintergründe erklären müssen.

Bereits am Samstag bei einer der Marching-Paraden habe man sich im Bereich der oberen Langen Straße von einem Anwohner „erkennungsdienstlich“ behandelt gefühlt. Er habe mit einem Phonometer die Lautstärke der Musik gemessen und Fotos gemacht. „Eine beklemmende Dokumentation“, wie es Helmut Rinne und sein Bandmitglied Christoph von Storch auffassten. Die in- und ausländischen Gastmusiker des Jazz-Meetings als auch Besucher der Niedersächsischen Chortage seien „verwundert“ und „nachhaltig irritiert“ ob eines solchen Verhaltens gewesen. Rinne und von Storch: „Dabei werden sie bei der Einfahrt in unsere beschauliche Stadt von Schildern am Ortseingang begrüßt, auf denen Bückeburg sich als Stadt von Demokratie, Vielfalt und Toleranz vorstellt. Attribute, die der überwiegende Teil unserer Mitbürger seit Jahrzehnten uneingeschränkt teilt und die in der Jazzmusik treibende Kräfte sind.“

Wie dem auch sei. Hinnehmen wollen die Künstler die Beschränkungen nicht. Unter dem Motto „Aktionen zur Erhaltung der Kultur und der guten Laune in Bückeburgs Fußgängerzone“ planen sie ein umfangreiches Unterhaltungs- und Kulturprogramm mit „satirisch-ironischen Touch“ in der oberen Fußgängerzone. Slogan- oder Karikaturwettbewerbe schweben ihnen vor, regelmäßige öffentliche Konzerte aller Bückeburger Bands, Musiker, Tänzer, Chöre oder – aus Solidarität – Auftritte auswärtiger Künstler. Theater rund um das Thema Musikdarbietungen, Fröhlichkeit, Phonmessungen, Polizeieinsätze oder Verhaftungen soll es geben, aber auch Flashmobs, Benefizkonzerte oder ein Protestsong-Wettbewerb. Oder Straßenmusik. Die ist nach Angaben Helmut Rinnes nicht genehmigungspflichtig. Und wie Helmut Rinne und Christoph von Storch versichern: „Wir werden uns im Rahmen der Auflagen bewegen.“




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