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Vor Gericht: Mehrjährige Haftstrafen nach Einbruch in Einfamilienhaus in Haddenhausen

Einbrecher attackiert Frau mit Pfefferspray

Von Katharina Frick

veröffentlicht am 07.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:41 Uhr

Minden/Bielefeld. Mehrjährige Haftstrafen bis zu neun Jahren hat die 3. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld gegen die vier Angeklagten im Prozess um einen Einbruch in ein Einfamilienhaus in Haddenhausen im Mai 2008 verhängt. Alle Täter sind des schweren Raubes schuldig. Der Haupttäter wurde wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen.

Vorsitzender Richter am Landgericht Bielefeld Reinhard Kollmeyer betonte, dass die „schwerwiegend gemeine Tat“ zwar schon zwei Jahre zurückliege, aber dass die Folgen für das Opfer bis heute spürbar seien. In der Nacht zum 21. Mai 2008 hatten sich die vier Angeklagten auf den Weg von Oldenburg nach Minden gemacht, um in das Haus des Arbeitgebers des 26-jährigen Hauptangeklagten einzubrechen (wir berichteten). Dabei wurden sie von der Ehefrau überrascht, die erst erwachte, als die Täter ihr Schlafzimmer betraten. Mit Pfefferspray setzte der 26-Jährige die Frau außer Gefecht.

Richter Kollmeyer sagt über den Hauptangeklagten: „Richtige Reue sieht anders aus.“ Er habe sich im Laufe des Prozesses nur schriftlich über seinen Verteidiger geäußert. Die Frage sei doch, wie viel beim Gericht ankomme. Zudem sei der Angeklagte bei einem Taxiüberfall wenige Monate später nach der Tat beteiligt gewesen. Er sei der „Ideengeber und Tatplaner“ gewesen. Er ist außerdem der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen worden, da er das Pfefferspray mitbrachte und einsetzte. Seine Mittäter hätten glaubhaft dargestellt, dass sie nichts von dem Reizgas wussten.

Die Einzelstrafe für den 26-Jährigen beträgt sieben Jahre und neun Monate. Mit dem Gerichtsspruch des Taxiüberfalls in Oldenburg zusammen wurde eine Freiheitsstrafe von neun Jahren verhängt. Da beide Taten vor dem gleichen Hintergrund geschahen, nämlich seiner Drogensucht, veranlasste das Gericht eine Unterbringung in einer Erziehungsanstalt für ein Jahr nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Danach bestünde die Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung auf Bewährung. Sein Rechtsanwalt Bernd Sürken aus Oldenburg meinte, ein Urteil dieser Größenordnung sei zu erwarten gewesen.

Der 23-jährige Angeklagte, bei dem im Laufe des Prozesses eine „chronifizierte Psychose“ diagnostiziert wurde, wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Der einschlägig vorbestrafte Täter erwartet noch ein Urteil aus einem anderen Verfahren. Die Diskussion, ob man ins Haus einbreche oder nicht, habe gezeigt, dass der Angeklagte wusste, dass er eine Straftat begangen habe und zu einer eigenen Entscheidung fähig gewesen sei, so das Gericht. Rechtsanwalt Kai Ebisch, der den 23-Jährigen verteidigte, sagte, dass ihm die gesundheitliche Verfassung seines Mandanten Sorge bereite. Er kündigte Revision an.

Bei dem 28-jährigen Angeklagten sah das Gericht einen „minderschweren Fall von besonders schwerem Raub“. Zu seinen Gunsten wirkte sich aus, dass er ein frühes Geständnis abgelegt habe und Reue zeige, die aufrichtig erscheine, so Richter Kollmeyer. Für seinen „zurückhaltenden Tatbeitrag“, da er erst in das Haus rannte, als er Schreie hörte, verhängte der Richter eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Verteidiger Stephan Wittrock meinte, sein Mandant sei mit dem Urteil „gut weggekommen“. Das Gericht sei seinen Ausführungen weitgehend gefolgt.

Der jüngste Angeklagte (21) wurde zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Bei ihm habe das Gericht seine Reue am aufrichtigsten empfunden, sagte Kollmeyer.




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