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Info-Ausstellung von Polizei und Firmen

Einbrüche verhindern

RINTELN. „Wir sind gebeutelt“, sagt Daniela Kempa von der Polizei Rinteln - es gab zahlreiche Einbrüche in der jüngsten Zeit, vor allem in den Ortsteilen. Viele Einbrüche ließen sich jedoch verhindern. Daher laden die Polizei und lokale Firmen nun erstmals zu einer Ausstellung, in der es um Einbruchsschutz geht.

veröffentlicht am 03.01.2018 um 15:45 Uhr
aktualisiert am 03.01.2018 um 18:40 Uhr

Dietmar Scholz (v.l.), Daniela Kempa, Tamara Ehrmantraut-Riechers und Enno Hübers von der Firma „Comp Pro“ laden zur Ausstellung zum Einbruchsschutz in der kommenden Woche. Foto: cst

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Marieluise Denecke und Celina Stuckenberg

RINTELN. Wer in den vergangenen Wochen aufmerksam die Polizeiberichte verfolgt hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass sich Einbrüche gehäuft haben, vor allem in Krankenhagen und Steinbergen. Das mag nicht ungewöhnlich für die dunkle Jahreszeit sein, und doch bieten sie den aktuellen Anlass für eine neue Aktion von Polizei und lokalen Unternehmen: Eine Ausstellung zum Einbruchsschutz, die in der kommenden Woche stattfinden wird. Von Donnerstag, 11. Januar, bis Samstag, 13. Januar, werden Polizei und Firmen im ehemaligen „Tabakwaren-Exner“, Marktplatz 11, rund ums Thema Schutz vor Einbrüchen informieren.

„Leider ist es ein tagesaktuelles Thema“, sagt Daniela Kempa, Leiterin des Kriminal- und Ermittlungsdienstes bei der Polizei Rinteln, mit Hinweis auf die zahlreichen Einbrüche in den letzten Wochen.

Gemeinsam mit Firmen, die sich auf Einbruchsschutz spezialisiert haben, möchte die Polizei daher die Bevölkerung informieren. Es werden Ausstellungsstücke zu sehen sein und Beratung angeboten.

Es handelt sich um Firmen aus der Region, so zum Beispiel Tischlerei Hoppe, die auf den Bereich der Nachrüstung spezialisiert ist, sagt Sicherheitsberater Dietmar Scholz. Mit dabei sind auch „Eisen-Niemeyer“, „AGT Sicherheitstechnik“ mit Alarmanlagen-Technik aus Drakenburg bei Nienburg sowie „Comp Pro“, ebenfalls aus Drakenburg, die sich auf Videoanlagen und Türsprechanlagen spezialisiert haben. All diese Firmen sind durch das Landeskriminalamt (LKA) zertifiziert oder auf dem Wege dahin. Das sei mit erheblichem Aufwand verbunden, erläutert Scholz. Die Unternehmen mussten unter anderem beim LKA Referenzprodukte vorlegen und regelmäßige Schulungen besuchen.

„Natürlich kann man auch alles online kaufen“, sagt Scholz, der Ex-Polizeihauptkommissar ist. Doch wer auf korrekt eingebaute Produkte setze, die einem Einbruchsversuch standhalten, der komme am Fachmann nicht vorbei.

„Die Versuchshandlungen steigen kontinuierlich“, verdeutlicht Scholz. Dabei würden die meisten Einbrüche nicht von „Profis“ begangen, sondern von Gelegenheitstätern. „Und gegen die kann ich mich schützen“, so Scholz.

Dabei spiele Zeit eine große Rolle: Meist entscheide ein Täter innerhalb von drei Minuten, ob er den Einbruch durchführt oder abbricht. Halten Fensterrahmen oder Türknaufe während dieser Zeit stand, werde der Einbruch meist abgebrochen. Produkte zur Einbruchsprävention werden entsprechend dieser „Drei-Minuten-Regel“ getestet.

Dass die Arbeit vom Fachmann – also Ware und Installation – meist mehr kostet als Artikel, die man auf eigene Faust im Internet bestellt hat, ist Sicherheitsberater Scholz bewusst. Doch spätestens, wenn man Fehlalarme einer selbst angebrachten Alarmanlage erlebt habe – inklusive der Kosten, die man tragen muss –, werde man eines Besseren belehrt, so Scholz.

Außerdem gebe es seit dem Jahr 2016 Förderung vom Bund für die Nachrüstung von Wohneigentum, so Scholz. Bei einer Investition von bis zu 15 000 Euro werde zehn Prozent der Summe gefördert, bei einer Investition von bis zu 1000 Euro 15 Prozent.

Der Prozess dahinter sei benutzerfreundlich, sagt Scholz: Auf der Homepage der Förderbank KfW die Kontaktdaten eingeben und den Kostenvoranschlag des beauftragten Unternehmens einreichen. „Die Zusage kommt innerhalb von Minuten“, so Scholz. Wichtig sei, dass man auf diese Zusage warte, bevor man nachrüste – ansonsten kann nicht gefördert werden. Wenn dann die Rechnung vorliegt, diese an die KfW schicken, und innerhalb von „vier bis sechs Wochen“ erfolge der Förderbescheid.

Wie wichtig Schutzmaßnahmen gegen Einbrecher sind, betonen Daniela Kemper und Tamara Ehrmantraut-Riechers von der Rintelner Polizei: „Die Gegend hier ist sehr gebeutelt worden.“ In den letzten Monaten sei viel unternommen worden, um die Bevölkerung zu sensibilisieren: Plakate wurden aufgehängt und Flugblätter verteilt, um auf Sicherheitslücken am Haus aufmerksam zu machen – etwa gekippte Fenster oder schlecht gesicherte Terrassentüren. Außerdem habe die Polizei viel patrouilliert, habe auf den Grundstücken nach Schwachstellen gesucht und Gespräche mit Anwohnern geführt (wir berichteten). Doch oftmals noch denken sich die Menschen nichts bei offengelassenen Garagentoren, offensichtlich im Wohnraum herumliegenden Wertgegenständen oder dunklen Ecken auf dem eigenen Grundstück.

Wichtig sei es daher auch, den Eindruck zu machen, als sei jemand zu Hause – etwa durch Bewegungsmelder – sowie aufmerksame Nachbarn. Und: Bei dem kleinsten Verdacht – unbekannte Person oder verdächtiges Fahrzeug –, solle man ruhig die Polizei anrufen, gerne auch die örtliche Polizei anstatt 110. „Dann haben wir noch die Chance, die verdächtige Person zu kontrollieren“, so Streifendienstleiterin Ehrmantraut-Riechers.

Öffnungszeiten:

Die Ausstellung findet statt am Donnerstag und Freitag, 11. und 12. Januar, von 11 bis 18 Uhr, sowie am Samstag, 13. Januar, von 9 bis 16 Uhr.

MEHR EINBRÜCHE IN SCHAUMBURG ALS IN MÜNCHEN

n Schaumburg gibt es statistisch gesehen mehr Einbrüche als in der bayerischen Landeshauptstadt München. Das geht aus einer Statistik der Nachrichtenseite „Spiegel Online“ hervor, die auf Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) beruht. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2016, und „im Verhältnis hat sich daran nichts geändert“, sagt Sicherheitsberater Dietmar Scholz. In Schaumburg wurden demnach 170 Fälle pro 100 000 Einwohnern gemeldet, in München hingegen 84 Fälle. Den höchsten Wert verzeichnet die Stadt Dortmund mit 485 Einbrüchen pro 100 000 Einwohner. Insgesamt gesehen sinke die Zahl der Einbrüche laut BKA allerdings. Die Einbruchsfälle kommen verstärkt im Norden und Westen vor. mld/cst

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