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„Blindow Jazz Meeting“ begeistert Musiker und Zuhörer

Eine magische Jazz-Nacht

Bückeburg. Was für ein fetziger Schlussakkord! Mit einem „Club-Abend im Palais“ und einem „Jazz-Frühschoppen“ ist am Wochenende das „Blindow Jazz Meeting“ zu Ende gegangen. Die bestens besuchte Veranstaltung war Höhepunkt einer viertägigen Reihe, die im nächsten Jahr wiederholt werden soll. „Wir sind sehr zufrieden, die Stimmung war großartig“, fasste der für die Organisation zuständige Siegfried Groth seine Eindrücke zusammen.

veröffentlicht am 02.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

von michael GRundmeier

Bückeburg eine Jazz-Hochburg? Das kann man eigentlich nicht sagen. Wer entsprechende Konzerte hören will, muss mindestens bis nach Minden reisen, im Grunde ist die ehemalige Residenz (bis auf „little jazz“) eine regelrechte „Jazz-Wüste“. Umso schöner, dass sich das jetzt zu ändern scheint. Vier Tage war Bückeburg das Mekka der Jazz-Fans, es gab einen „Dämmerschoppen“, eine „Streetparade“, einen „Jazz-Frühschoppen“ und einen „Club-Abend im Palais“. Haupt-Sponsor war die Bernd Blindow-Schulgruppe, die die Veranstaltung im nächsten Jahr eine Folge-Veranstaltung anbieten wiederholen, wie Prof. Dr. Andreas Blindow in einem Grußwort ankündigte. Das Meeting sei ein „Triumph der Kultur über die Barbarei“, sagte Blindow – auf eine Deckenmalerei im Herminen-Palais Bezug nehmend. „Ich bin froh, dass so viele Gäste den Weg hierher gefunden haben.“

Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Fortführung sei damit getan. Große Freude auch herrschte bei Organisator Siegfried Groth, der erläuterte, dass die Idee zu der Jazz-Reihe beim Neujahrsempfang entstanden sei und Helmut Rinne („little jazz“) ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden habe. Groth, der die Musik von Chris Barber schätzt, spielt seit langem Saxophon und hat Rinne auf diesem Weg kennen gelernt. „Irgendwann haben wir gesagt: Jetzt packen wirs an“, ließ Groth wissen. Er habe viel Freude an der Organisation gehabt. „Jetzt kommt einmal im Jahr zu den klassischen Konzerten eben auch noch der Jazz..“

Hoffen wir’s, denn das, was beim „Meeting“ im Allgemeinen und beim „Club-Abend“ im Besonderen auf die Beine gestellt wurde, war höchster (Jazz-) Ehren wert. Von Beginn an präsentierten sich die Musiker bestens aufgelegt, sowohl „Trad for Two“ (Berlin/Bremerhaven, Jürgen Hahn, Trompete und Jan-Hendrik Ehlers, Piano), als auch „Twogether“ (Aachen/Maastricht, Simon Oslender, Orgel, Jerome Cardynaals, Schlagzeug) und „little jazz und Gäste“ (Gary Winters (Kentucky,USA, Trompete); Dolf Robertus, (Steenwijk/NL, Klarinette/Sax); Helmut Rinne, Gesang, Klarinette, Sax; Bart Brouwer (Maastricht/NL, Posaune; Martin Flindt, Oldenburg, Gitarre; Mathias Grabisch, Hamburg, Sousaphon, Posaune; Petra Dallwitz, Maastricht/NL, Schlagzeug) boten „New Orleans“-Sound vom Feinsten. Vom Einzug im Stil einer „Marching-Band“, bis zum letzten Ton beim gemeinsamen „Jammen“: die Musiker brachten Bückeburg (und die Bückeburger) zum Swingen. Die über 100 Jahre alte Musik klang lebendig wie selten, quirlig, lustig, lebensbejahend. Oder: Einfach gut.

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  • Jazz an allen Ecken und Enden. Drinnen und draußen, unten und oben. Das kommt an. mig(2)

Insgesamt drei Bands spielten an diesem Abend. Das Spektrum reichte vom ursprünglichen Louisiana-Jazz bis zur eingängigen Swing/Tanzmusik der 20 bis 40 Jahre. Dazu kamen fetzige Improvisationen und reizvolle Kapriolen, die das Publikum zum Mitklatschen und -singen brachte. „Play me some“, hieß es ein ums andere Mal an die Adresse von Dolf Robertus, der am Sousaphon kaum für möglich gehaltene Brummtöne fabrizierte und so das Fundament für einen schmackhaften New Orleans Eintopf liefert. Der Rhythmus hüpft, ruckt, federt, springt. Geht in die Beine. In die Hüfte. Will raus. Da hilft nur, im Takt zu schnippen. Applaus brandet auf, als der virtuose Gary Winters (Trompete) ein Lied auf seine Heimat singt („My old Kentucky home“). Das ist ganz hohes Niveau und sieht doch so leicht aus.

Spielfreude auch bei Simon Oslender, der seine Hammond B3 Orgel zum „Club-Abend“ mitgebracht hat. Die Finger gleiten hin und her, rutschen über die Tasten, bis die Kommode quietscht und ächzt. Jazz lebt! Das hat dieses Meeting eindeutig bewiesen. Fazit: Ein genialer Club-Abend mit großartigen Musikern und einem begeisterten Publikum. Als geeigneter Veranstaltungsort hat sich einmal mehr das Palais präsentiert, mit vielen Ständen (etwa einer Whisky- und Zigarrenbar) und leckerem Essen.

Wer wollte konnte im Park flanieren und dabei dem leisen Swing lauschen. Magisch!

Prof. Dr. Andreas Blindow und Siegfried Groth sind sich einig: Das gibt eine Neuauflage.




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