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25 Jahre Bewährungshilfeverein Bückeburg / Gemeinschaft wirkt im Stillen mit unbürokratischen Mitteln

Einer muss 80 Gestrauchelten auf die Beine helfen

Bückeburg (bus). Die Förderung der sozialen Eingliederung von Menschen unter Bewährungs- und Führungsaufsicht durch gezielte wirtschaftliche respektive materielle Unterstützung ist das Hauptanliegen des Vereins Bewährungshilfe Bückeburg (VBB). Die Aktivitäten dienen zugleich der Kriminalitätsvorbeugung sowie der Vergrößerung des Gestaltungsrahmens und der Erhöhung der Handlungsfähigkeit von Bewährungshelfern. Der Verein feiert in diesem Monat sein 25-jähriges Bestehen.

veröffentlicht am 12.02.2009 um 16:44 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 09:41 Uhr

Die Gründung ging damals auf eine Initiative der am Landgericht Bückeburg aktiven Bewährungshelfer, Justizangestellten, Rechtsanwälten und Privaten zurück. Zur Vorsitzenden wählte die im „Berliner Hof“ tagende Versammlung Gisela Neumann.

Die Bewährungshelfer hatten zu Beginn der 80-er Jahre einen restriktiven behördlichen Umgang mit unter Bewährungs- und Führungsaufsicht stehenden Menschen festgestellt. Im Zuge der zunächst eingeschränkten und schließlich weggefallenen kommunalen Sozialberatung erhielt die Beratung durch die Bewährungshilfe einen belangreichen Stellenwert. Zusammen mit gleichzeitig landesweit entstandenen Sozialhilfevereinen wurden die Lebensbedingungen der Probanden durch den Hinweis auf Rechtsansprüche verbessert. Wo behördlicherseits materielle Hilfe nicht geregelt war oder nicht gewährt wurde, trat der VBB ein. Mehr als die Hälfte aller Probanden war arbeitslos. Der Status dieser Menschen mit geringem Einkommen ging und geht nach Einschätzung des Vereins bis heute in der Regel mit einer unzureichenden schulischen und beruflichen Qualifikation einher. Qualifikationsmaßnahmen scheiterten oftmals an fehlender Mobilität, Berufskleidung und -ausrüstung. Bis die Behörden schnell und unbürokratisch eintreten konnten, hatte die Bildungs- oder Arbeitsmaßnahme häufig bereits begonnen. Der VBB sicherte mit seinen materiellen Möglichkeiten beispielsweise Monatsfahrkarten für Bus oder Bahn, ein Fahrrad, ein Mofa, in begründeten Ausnahmefällen mal ein (betagtes) Auto, Lernmaterialien und Berufsbekleidung sowie zu alledem die unverzichtbare Vermittlung der Motivation.

Die Arbeitsbelastung der Bewährungshilfe (aktuelle offizielle Lesart „Ambulanter Justizsozialdienst“) hat seit der Gründung des Vereins eine erhebliche Verschärfung erfahren. Galten 2003 noch Fallzahlen von 55 als Obergrenze für eine den fachlichen Maßstäben gerecht werdende Qualität der Hilfe, so werden derzeit im Landesdurchschnitt mehr als 80 Probanden von einer Fachkraft beaufsichtigt und betreut. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation der Bewährungsklienten sind indes kaum Veränderungen zu verzeichnen. Die Klientel ist zumeist arbeitslos und lebt von ALG II (frühere Sozialhilfe). Der VBB unterstreicht, dass das der „Kundschaft“ zur Verfügung gestellte Geld kein regelmäßiges Füllhorn zur Begünstigung von Straftätern darstellt. Der Bewilligung gehe stets eine sorgfältige und kritische Prüfung des Einzelfalls voraus.

Mit dem Umzug an die Schulstraße 2 (vorher Ulmenallee 24) im April 2007 stehen dem VBB Räumlichkeiten zur Verfügung, die die Arbeitsbedingungen verbessern und die Möglichkeiten des Vereins beträchtlich erweitern. So sind hier außer Fortbildungen und Versammlungen künftig Vorträge und Veranstaltungen informativen Charakters geplant, die auf Förderung der Alltagskompetenz abzielen. Außer Themen aus dem wirtschaftlichen Bereich sollen vorbeugende Inhalte wie Konfliktvermeidung und Drogenaufklärung im Rahmen von Gruppenarbeit vermittelt werden. Das Handeln des VBB zielt dabei stets auf die Befähigung der Teilnehmer zur Selbsthilfe ab.

Dem kleinen Verein, der eher im Stillen wirkt, gehören engagierte Bürger als Mitglieder an. Sie nutzen die Möglichkeit, die Arbeit zu unterstützen und den VBB nach außen ideell zu vertreten. Der als gemeinnützig anerkannte VBB erhält Geldbußen-Zuweisungen durch die Justiz sowie Spenden von Kommuen, Banken und Privatpersonen. Die aktuelle Vereinsführung um die Vorsitzende Petra Prasuhn stellt die Verdienste von Gründungsmitglied Manfred Esken heraus. Der derzeitige Stellvertreter Prasuhns gelte im Verein als „graue Eminenz“, ohne die der VBB heute nicht denkbar sei.

Der Verein unterhält bei der Sparkasse Schaumburg (Bankleitzahl 255 514 80) das Konto 320 244 445.




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