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Abrissarbeiten am Viehmann-Kammann-Komplex haben begonnen – Grundstein von 1635 entdeckt

Eines der ältesten Häuser ist Geschichte

Bückeburg (rc). Eines der ältesten Gebäude der Stadt Bückeburg ist Geschichte, die Gaststätte Kammann, die im Zuge des Neubaus an der oberen Langen Straße – gemeinsam mit dem benachbarten Viehmann-Haus, dem Neubau eines Gebäudes mit Seniorenwohnungen weichen muss (wir berichteten). Bei den Abrissarbeiten wurden – bisher – zwei alte Grundsteine gefunden und gesichert. Beide haben die Jahreszahl 1635 und einer die Initialen EP.

veröffentlicht am 26.10.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 15:41 Uhr

In den vergangenen Tagen war bisher hinten an den Häusern gerissen worden – von der Hauptverkehrsstraße, der Langen Straße, kaum sichtbar. Die Gebäude wurden und werden entkernt, Anbauten der ehemaligen Schlachterei dem Erdboden gleichgemacht. Der Schutt wurde und wird mit riesigen Containern über die enge Herderstraße abtransportiert, die Lange Straße war – noch nicht – betroffen.

Zeitgleich wurde vorne der Bürgersteig mit seinen teuren Granitplatten vor den beiden Häusern aufgenommen und Schaukästen und Bushaltestellen abgebaut. Zudem wurde ein Bauzaun aufgestellt, mit Planen verhängt, um vorbeifahrende Autos vor Staub und Steinen zu schützen. Fußgänger müssen für die Bauphase – veranschlagt auf nicht ganz ein Jahr – die Straßenseite wechseln, wollen sie in Richtung Obertorstraße gehen.

Seit vorgestern Nachmittag hat sich das Bild geändert. Zwei Bagger rissen die Giebelfront der Gaststätte Kammann ab und gaben damit den Blick frei von der Langen Straße auf die dahinter liegenden Häuser der Herderstraße. In den nächsten Tagen wird der Schutt des 377 Jahre alten Hauses sortiert und abtransportiert. Das Viehmann-Haus soll am kommenden Montag niedergerissen werden, so der Zeitplan der Bauarbeiter.

Peter Burgmaier präsentiert die beiden Grundsteine mit der Jahreszahl 1675.

Denen die ganzen letzten Tage der Heimatforscher Peter Burgmaier quasi auf jede Schaufel geguckt hat, die in den vergangenen Tagen aus den Schutthaufen in die Container wanderte. Gestern Morgen nun beförderte die Baggerschaufel zwei Grundsteine ans Tageslicht, die Burgmaier zugleich zur Seite räumen ließ und säuberte. Auf beiden ist die Jahreszahl 1635 eingemeißelt, einer trägt zusätzlich die Initialen EP. „Vermutlich die Anfangsbuchstaben des Erbauers“, so Burgmaier. Der Fund wurde auch vom Kommunalarchäologen Dr. Jens Berthold begutachtet. Die Grundsteine sollen ins Museum kommen. Burgmaier geht davon aus, dass noch weitere gemeißelte Steine ans Tageslicht kommen werden.

Der sich in den vergangenen Tagen auch intensiv mit der Geschichte des Ackerbürger-Hauses beschäftigt hat und anhand der verwendeten Bautechniken erkennen konnte, dass das Haus in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach umgebaut und den Verwendungszwecken angepasst wurde. Was ihm zum Beispiel alte Eckverbinder und Eckrundbogen-Sützen verrieten. Mutmaßlich acht Besitzer hat das Haus in den vergangenen 377 Jahren gehabt, so die unsichere Quellenlage. So ist zum Beispiel ab 1798 ein Wirt Poppelbaum im Altkataster zu finden – mithin wurde das Haus mehr als 200 Jahre als Wirtschaft genutzt. Bis in den neunziger Jahren Gastwirt Heinrich Kammann das letzte Bier zapfte, das Türschloss umschloss und das Haus an seinen Nachbarn Alfred Viehmann verkaufte.

Der dann mehr als zehn Jahre brauchte, ehe die neue Nutzung feststand. Nun wird dort Lenz-Häuser aus Bückeburg ein Projekt „Zurück ins Leben in der Langen Straße in Bückeburg“ verwirklichen. 22 Wohnungen für die Älteren entstehen, allesamt behindertengerecht und mit einem Betreuungsangebot durch das DRK im Erdgeschoss. Wie Lenz bei der Präsentation kürzlich bei der Vorstellung des Projektes im Bau- und Umweltausschuss sagte, ist ein Großteil bereits vermarktet. Außen wird das Gebäude so gestaltet, dass es optisch den Eindruck von zwei Häusern vermittelt und nicht als „langer Riegel“ wirkt. Mittig werden die beiden Gebäudeteile durch ein Treppenhaus verbunden, dezent gestaltet mit viel Glas und Aluminium. In der Höhe ist das Gebäude an die umliegende Bebauung angepasst.

Hinter dem Gebäude zur Herderstraße hin wird eine Tiefgarage mit 14 Stellflächen entstehen, die über die Herderstraße erschlossen wird. Die Gebäude hinten werden abgerissen, die Fläche als Grünfläche und kleiner Park gestaltet. Insgesamt vier Millionen Euro investiert die Lenzhäuser GmbH.




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