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Harald Habben neuer Leiter der Ausbildungswerkstatt des Hubschrauberausbildungszentrums

Einst sechs, heute 160 Azubis

Bückeburg. In der Ausbildungswerkstatt des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums hat es einen Führungswechsel gegeben: Reinhold Neitzert, der die Werkstatt seit 1987 federführend aufgebaut hat, ist in den Ruhestand gegangen. Sein Nachfolger als Ausbildungsleiter ist Harald Habben, Technischer Regierungshauptsekretär. Im Rahmen eines Appells vollzog gestern Mittag der stellvertretende Kommandeur des Ausbildungszentrums, Oberst Hans-Peter Grathwol den Wechsel.

veröffentlicht am 23.07.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

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„Mit sechs Auszubildenden haben wir damals angefangen“, erinnerte sich Reinhold Neitzert im Gespräch mit unserer Zeitung an die Anfänge der Ausbildungswerkstatt, die die Bundeswehr seit 1959 einrichtete, um an sogenannten Einödstandorten den Kindern von Bundeswehrangehörigen eine Berufsausbildung zu bieten – heute, um Nachwuchs für die Bundeswehr zu gewinnen, sowohl im militärischen als auch zivilen Bereich. Heute werden in der Lehrwerkstatt 160 jungen Menschen in den beiden Berufen Fluggerätemechaniker Instandhaltungstechnik und Fluggeräteelektroniker ausgebildet. Dazu kommen zwei bis fünf Auszubildende des Kooperationspartners TUI Fly. Pro Jahr werden 40 neue Azubis eingestellt, regelmäßig gehören die Ausgebildeten bei den Abschlussprüfungen zu den besten ihres Jahrgangs.

Derzeit unterhält die Bundeswehr noch 31 Ausbildungswerkstätten mit insgesamt 5000 Auszubildenden. Im Zuge der Bundeswehrreform werden einige Werkstätten geschlossen, die Zahl der Ausbildungsplätze aber konstant gehalten. So ist zum Beispiel die Ausbildung mit ihren jährlich zwölf Plätzen am geschlossenen Heeresfliegerstandort Rheine nach Bückeburg verlegt worden.

„Ich habe mir 1987 nie träumen lassen, dass die Lehrwerkstatt eine so rasante Entwicklung nimmt“, freute sich Neitzert. 450 junge Menschen sind unter ihm ausgebildet worden, davon konnten 184 als Soldat für die Bundeswehr gewonnen werden, 121 sind heute als zivile Mitarbeiter für die Bundeswehr tätig. Erst seit 2002 wird in Bückeburg-Achum zum Fluggeräteelektroniker ausgebildet. 2003 konnte „die lange geplante und gegen viele Widerstände durchgesetzte Ausbildungshalle“ übernommen werden, bereits 2010 der Erweiterungsbau für die Fluggeräteelektronik. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Die Lehrwerkstatt wird demnächst die Halle 8 – dort, wo bis vor Kurzem an der CH-53 geschraubt wurde – übernehmen und dort ihr Lehrdock aufbauen.

In ihm stehen alte, ausgemusterte Flugzeugtypen der Bundeswehr wie die Piaggio, Fiat F-91, ein Alphajet oder die „Bronco“. Oder auch eine Alouette II, auf der lange Jahre die angehenden Piloten der Heeresflieger ausgebildet wurden. „Die brauchen wir auch weiter unbedingt, um zum Beispiel den Auszubildenden zu zeigen, wie eine Steuerung mechanisch auf die Rotorblätter umgesetzt wird und funktioniert“, verdeutlichen Neitzert und Habben die rasante technologische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte: „Wenn wir heute einem Auszubildenden in den neuen Cockpits mit der Steuerung „fly by wire“ auf einen Knopf drücken lassen, muss er uns glauben, wie das funktioniert. So hat er es vorher gesehen.“

Probleme, Auszubildende zu bekommen, hat die Lehrwerkstatt nicht. Auf einen Ausbildungsplatz gibt es bis zu zehn Bewerber. Nur rund 30 Prozent kommen aus der Region, die restlichen 70 Prozent aus dem gesamten Bundesgebiet. Und wer meint, dass man mindestens Abitur haben muss, um genommen zu werden, der täuscht sich. „Ein guter Hauptschulabschluss ist ausreichend, vieles ergibt sich in der Eignungsprüfung“, berichteten Neitzert und Habbe, die darauf verweisen, dass sich schon viele nicht ausbildungsfähige Abiturienten beworben haben.

Wer die anspruchsvolle Ausbildung schafft, hat allerbeste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Was die Ausbildungsleiter mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Denn mit der Bezahlung beim Bund ist es schwierig, gegen die freie Wirtschaft zu konkurrieren, die bis zu 1000 Euro höhere Einstiegsgehälter zahlt. „Noch haben wir eine hohe Übernahmequote, auch wenn sie im militärischen Bereich rückläufig ist“, stellten Neitzert und Habbe fest.

Probleme, die Habbe am morgigen Freitag mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erörtern wird. Sie wird während ihrer Sommerreise 20 Minuten in die Arbeit der Lehrwerkstatt eingewiesen.




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