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Horst Weber (80) ist Autodidakt

Einzigartige Vogelhäuschen

EISBERGEN. Er baut detailreiche, liebevoll verzierte Vogelhäuschen, Krippenspiele, Gartenhäuschen: Horst Weber wird bald 81, doch er steht nicht still. Besonders erstaunlich: Beigebracht hat ihm das Handwerkszeug niemand. Und er hat noch viele weitere Ideen.

veröffentlicht am 21.12.2017 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 22.12.2017 um 13:00 Uhr

Burgen, Wohnungen, Türme und klassische Häuser: Horst Weber aus Eisbergen fertigt all diese Vogelhäuschen selber an – jedes in Handarbeit, jedes „ist ein Unikat“, sagt er. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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EISBERGEN. Horst Webers Leidenschaft begrüßt Besucher schon vor der Haustür: Ein knallbuntes, handgearbeitetes Vogelhäuschen steht vor Webers Haus in Eisbergen. „Villa Kunterbunt“ steht über dem Einflugsloch, und danach sieht das Häuschen auch aus: Facettenreich bemalt und mit vielen liebevollen Details wie Giebel, Balkonen und Blumenbeeten verziert.

Gelernt hat Weber, der im Januar seinen 81. Geburtstag feiert, das alles nicht. Gearbeitet hat er bis in die späten 60er Jahre bei Fleischerei Lehmeier in Rinteln, später bei Edeka. Die Liebe zum Handwerk hat er, seitdem er mit vier Jahren sein erstes Taschenmesser vom Vater bekam.

Er ist das, was man einen Autodidakt nennt: Jemand, der sich Fertigkeiten selber beibringt. „Ich habe schon immer gefummelt“, sagt er, mit zehn Jahren entstand so auch sein erstes Vogelhäuschen. Er nahm ein Stück Holz und fing an, damit zu arbeiten.

Im Keller: In diesem Raum bemalt Weber die Häuschen mehrmals, bis sie fertig sind. Foto: mld
  • Im Keller: In diesem Raum bemalt Weber die Häuschen mehrmals, bis sie fertig sind. Foto: mld
Alles begann, als Horst Weber mit vier Jahren ein Messer bekam. Heute hat er Profi-Ausstattung. Foto: mld
  • Alles begann, als Horst Weber mit vier Jahren ein Messer bekam. Heute hat er Profi-Ausstattung. Foto: mld
Diese Krippenfiguren hat Weber ebenfalls selber gefertigt. Foto: mld
  • Diese Krippenfiguren hat Weber ebenfalls selber gefertigt. Foto: mld
Hier liegen verschiedene Fenster bereit, um den Vogelhäuschen ihr individuelles Aussehen zu verleihen. Foto: mld
  • Hier liegen verschiedene Fenster bereit, um den Vogelhäuschen ihr individuelles Aussehen zu verleihen. Foto: mld
Auch dieses Fensterbild der Dresdner Frauenkirche hat Horst Weber selber gefertigt. Foto: mld
  • Auch dieses Fensterbild der Dresdner Frauenkirche hat Horst Weber selber gefertigt. Foto: mld
Im Keller: In diesem Raum bemalt Weber die Häuschen mehrmals, bis sie fertig sind. Foto: mld
Alles begann, als Horst Weber mit vier Jahren ein Messer bekam. Heute hat er Profi-Ausstattung. Foto: mld
Diese Krippenfiguren hat Weber ebenfalls selber gefertigt. Foto: mld
Hier liegen verschiedene Fenster bereit, um den Vogelhäuschen ihr individuelles Aussehen zu verleihen. Foto: mld
Auch dieses Fensterbild der Dresdner Frauenkirche hat Horst Weber selber gefertigt. Foto: mld

Seitdem hat Weber unzählige Häuschen gebaut. Letzte Nacht, erzählt er unserer Zeitung, sei er wieder erst um halb zwei nachts aus seinem Keller gekommen, in dem die Werkstatträume liegen.

Drei Häuschen gleichzeitig hat er derzeit in Arbeit. Für ein Häuschen benötigt er 43 bis 48 Stunden. Vorzeichnungen oder Baupläne macht er nicht, sondern alles von Hand und mit „Ideen rein aus dem Kopf.“ Dass irgendetwas gar nicht gelingt, komme so gut wie nicht vor, erzählt Weber.

Seine Leidenschaft macht bei Vogelhäuschen nicht halt. Den Brunnen in seinem Garten hat er selber gebaut, ebenso ein Gartenhäuschen, das er von innen noch mit einem Panorama des Kaiser-Wilhelm-Denkmals verzieren möchte. Auch Krippenspiele hat er gebaut und die detailreichen Figuren darin selber getöpfert. „Aber der Töpfermarkt ist tot“, sagt er. Auch Osterhasen, Spieluhren, Fensterbilder und Kerzenleuchter aus Holz gehören zu seinem Portfolio.

Doch die Wohnungen fürs geflügelte Vieh sind Webers liebste Beschäftigung. Er arbeitet auch nach Auftrag. Einmal habe er eines zum Beispiel wie ein Feuerwehrhaus gestaltet, weil es sich ein Ortsbrandmeister so wünschte. Ebenso findet sich der Rintelner Klippenturm als Motiv wieder. „Drei Wochen habe ich dafür gebraucht“, erzählt er.

„Alle Vogelhäuschen sind Unikate“, sagt Weber. In der vergangenen Woche habe er erst eines nach Bremen verkauft. Zu Geburtstagen, zur Neugestaltung des Gartens oder Hauses sind die Holzarbeiten beliebte Geschenke. „Ab und zu kommen mal Leute“, erzählt er, selten stellt er auf Märkten aus.

Sein Sohn Tobias hat jedoch festgestellt, dass auf Handwerkermärkten nicht unbedingt der Preis gezahlt wird, der für so eine Arbeit gerechtfertigt wäre. „Ein Lohn von fünf Euro pro Stunde sollte doch eigentlich dabei herumkommen“, sagt er. Für ein normales Häuschen verlangt Weber etwa 75 Euro. Und das für das Material, für bis zu 48 Stunden Arbeit, fürs Zeichnen, Sägen, Schrauben, Leimen, Grundieren, Schleifen, zweifache Lackieren, Bemalen und nochmals Lackieren.

Diese Leidenschaft, erzählt Sohn Tobias Weber, habe seinem Vater auch dabei geholfen, den Tod der Ehefrau vor zwei Jahren zu verarbeiten. Seit den 60ern wohnt Weber in seinem Haus in der Hildburgstraße, eine ehemalige Sparkasse. Als diese auszog, zogen die Webers auch ins Erdgeschoss. Das Problem: Es gab zu wenig Wände, alles war ein großer Raum. Horst Weber fand, natürlich, eine Lösung: Er baute selber um, zog Wände ein und verwandelte die ehemalige Bank in ein gemütliches Zuhause. Drei Jahre dauerte der Umbau.

Weber steht niemals still. Seine neueste Idee: Schlüsselanhänger. Handgefertigt, Unikate, alle bemalt. Sie haben – natürlich – die Form von Vogelhäuschen.

Kontakt: Horst Weber ist unter (0 57 51) 86 52 zu erreichen.

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