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Ein Urlaub allein reicht nicht aus, um die Fülle dieser Region zu ergründen

Encore Loire – wer den Faltern folgt, lustwandelt von Garten zu Garten

Gärtner zu sein im Garten des Château de la Bourdaiserie nahe Tours in der weinbeseelten Loire-Region Touraine ist complètement großartig, was nicht allein an duftendem Lavendel und überbordendem Blütenreichtum liegt, sondern en gros auch an den über 400 verschiedenen Sorten Tomaten, die hier kultiviert werden. Noch besser als den Gärtnern geht’s den Schmetterlingen. Kaisermantel und Kumpels müssen für diesen Reichtum floraler Fröhlichkeit nicht mal arbeiten, sondern flattern bunt, bunter, am buntesten von einem Nektartraum zum nächsten, weil sie nicht nur im Garten des Château de la Bourdaiserie zu Hause sind, sondern im größten, schönsten Garten Frankreichs: dem Val de Loire!

veröffentlicht am 29.08.2009 um 07:26 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:23 Uhr

Zinnienfülle: Hier ist eine Blüte schöner als die andere. Fotos:
Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Sonnenblumenfelder und Wildblumenwiesen

Sonnenblumen, Amaranth, Cosmea in Hülle und Fülle. Kurze Verschnaufpause unterm Rosengang. Soviel Herrlichkeit ist kaum zu fassen, ja manchmal sogar kaum zu ertragen. Das gilt samt und sonders auch in Bezug auf die Preise im Shop, wenn das groß angelegte Unternehmen „Le Prince Jardinière“ für ein paar lausige Tomatensamen fünf Euro kassieren will. Nein, lieber noch eine Runde drehen und aufs Glück hoffen. Wenn keiner guckt, kann man – natürlich nur rein theoretisch – auch schon mal zwei Tomätchen mitgehen lassen: eine als Reiseproviant, die andere als Saatspende für die eigene Anzucht.

In diesem Fall die gelbe „Yellow Nugget“, nicht weitersagen…

„Bonjour et bienvenue“ wünscht ein netter Herr im Kassenhäuschen am sinnlichsten aller Gärten des Loire-Tals: Château de la Chatonnière. Eigentlich ist es nicht e i n Garten, sondern es sind gleich zwölf! Einer romantisch, ein anderer elegant, ein nächster überschwänglich in Blüte stehend. Béatrice de Andia, Besitzerin des vergleichsweise kleinen Schlosses und seines Parks (klein ist natürlich relativ…), hat mit ihrem Chefgärtner Ahmed Azéroual im Tal des Flusses Indre unweit des schönsten Loire-Schlosses Azay-le-Rideau ein poetisches Schmuckstück geschaffen, dessen Verführung in seiner Fülle liegt, ohne die aufgeräumte Eleganz des Hypergartens Villandry zu besitzen. Hier sind keine 55 Kilometer Buchsbaum wie an der Schnur gezogen und schachbrettisch geformt, hier in Chatonnière sind die Themengärten, die im ganzen einen großen Garten ergeben, von Wildblumenwiesen gesäumt, auf denen Mohn noch Mohn und Kornblumen noch Kornblumen sein dürfen: einfach nur schön dahin wachsend. Madame de Andia und Monsieur Azéroual haben etwas Wundervolles erschaffen!

Verträumter, schöner, vielfältiger geht es nicht: die Gärten des
  • Verträumter, schöner, vielfältiger geht es nicht: die Gärten des Château de la Chatonnière
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In Gewächshäusern wie diesen werden im Garten des Château de la
  • In Gewächshäusern wie diesen werden im Garten des Château de la Bourdaiserie über 400 Tomatensorten kultiviert.
Schwalbenschwanz – dieser prächtige Schmetterling hat sich
  • Schwalbenschwanz – dieser prächtige Schmetterling hat sich an der Loire ein schönes Zuhause ausgesucht.
Süchtig machend: Der Staudengarten des Château de Villandry biet
  • Süchtig machend: Der Staudengarten des Château de Villandry bietet eine grandiose Fülle verschiedener Pflanzen.
Verträumter, schöner, vielfältiger geht es nicht: die Gärten des
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In Gewächshäusern wie diesen werden im Garten des Château de la
Schwalbenschwanz – dieser prächtige Schmetterling hat sich
Süchtig machend: Der Staudengarten des Château de Villandry biet

Villandrys Staudengarten macht süchtig

Folgen wir bei dieser Loire-Reise also nicht den großen Schlössern wie Chambord, Cheverny und Chenonceau; da ist ohnehin viel zu viel los und kaum eine Chance auf Besserung bis Ende September. Folgen wir lieber den Schmetterlingen. Wir fahren an Wildblumenwiesen und Sonnenblumenfeldern vorbei. Wo Segelfalter und Schwalbenschwanz ihren Heimathafen haben, muss Fülle sein. Die gibt es im Garten des Schlosses Villandry ohne jeden Zweifel. Besonders süchtig macht der Sommerblumen- und Staudengarten im hinteren Bereich mit Edeldisteln, Lavendel, seltenen Mohnpflanzen, Sonnenhut und -braut in vielen unterschiedlichen Farben. Hier macht der Garten Frankreichs seinem Namen alle Ehre.

Aller Ehren wert und zudem weniger bis gar nicht überlaufen ist die Prieuré de Saint-Cosme. Der Garten: très charmant, weil ganz offensichtlich nicht mit der Nagelschere bearbeitet, und reich an Kräutern, Gemüse und Zierpflanzen. Mittendrin in einem abgesperrten Bereich machen sich Studenten und Professoren mit Schäufelchen, Pinsel, Bürsten daran, verschüttgegangene Überreste des ehemaligen Klosters freizulegen und zu rekonstruieren, wie es vor Jahrhunderten gewesen sein muss. Das ist nicht nur logisch, sondern sogar archäologisch.

Nun ja, da wäre dann doch noch eines dieser großen Schlösser: Chenonceau schwebt über den Wassern des Cher, ein Zufluss der Loire. Das Schloss: wunderschön, aber so voll von Menschen wie ein Bienenstock voll von Bienen ist. Die formalen Gärten: So voll von streng erzogener Langeweile. Da hilft nur die Flucht in den abgelegenen Gemüsegarten. Der ist wunderhübsch und selbst an überlaufenden Wochenendtagen fast menschenleer. Amaranth wächst hier in knalligem Rot-Violett, Zinnien gleich in Hundertschaften und Kürbisse an Rankgerüsten in den Himmel. Himmlisch.

So fügt sich ein Tag an den anderen im Loire-Tal, so wie ein Blütenblatt an ein nächstes sich fügt und ein Schmetterling mit dem anderen fliegt. „Und? Was haben Sie heute gesehen?“, fragt Gildas Untersteller, die hier im Park der Burgruine Cinq-Mars-la-Pile ein Chambre d’hôtes vermietet. „Wir sind einfach den Schmetterlingen gefolgt.“

Und morgen folgen wir ihnen wieder.




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