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Johannes Flöck fabuliert in der „Nachtausgabe“ über den „Geschmack der mittleren Reife“ – und erntet donnernden Beifall

„Endlich mal wieder einen ganzen Abend herzhaft gelacht“

Bückeburg (bus). Höchst vergnüglicher Jahresauftakt der „Nachtausgabe“: Die von der Volksbank in Schaumburg und unserer Zeitung präsentierte und von Monika Luhmann mit gehaltvollen Inhalten gefüllte Veranstaltungsreihe kredenzte dem kräftig applaudierenden Publikum in der Schalterhalle des Geldinstituts mit Johannes Flöck zum Start der 2013er Staffel einen Künstler, der vor allem mit intellektuell-artistischen Wortwitzkunststücken zu überzeugen wusste. „Endlich mal wieder einen ganzen Abend lang herzhaft gelacht“, meinte ein Zuschauer auf dem Nachhauseweg.

veröffentlicht am 07.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:41 Uhr

Der im eingespielten Vorspann als „Mann, der barfuß Funken schlägt“ angekündigte Komödiant nimmt in seinem aktuellen Programm „Der Geschmack der mittleren Reife“ die vermeintlichen Schrecknisse im Leben eines Mannes in der Mitte der vierziger Jahre unter die Lupe und aufs Korn. „In einer Gesellschaft, die immer älter wird, dabei aber immer jünger und fitter wirken will, stellen viele Menschen auf einmal fest, dass sie sich in einem Alter befinden, in dem sie nicht mehr so können, wie sie wollen, sondern jetzt das wollen müssen, was sie können“, erläutert der in Koblenz als Sohn eines Schlachtermeisters geborene Kölner. ,,Mein Kopf macht mir mittlerweile Vorschläge, die mein Körper nicht mehr erfüllen kann.“

Der 44-Jährige, der dem Zeitgeist entsprechend gern der Kategorie „Stand-up-Comedian“ zugerechnet wird, ist in erster Linie ein listig-augenzwinkernder Formulierungsliebhaber, keiner, der mit der Klamauktür ins Haus fällt. Sein knapp dreistündiger Vortrag kommt ohne große Geste aus. Zu erleben sind ein bisschen Tänzerisches, eine Publikumsanimation, ein wenig schauspielerische Pantomime, allerhand Augenbrauensymbolik und ein Mensch im karierten Hemd und Bluejeans. Der Mann funktioniert übers Zuhören. „Ich mache Comedy“, habe er einmal seinem Vater gesagt, woraufhin der Metzger zur Antwort gab: „Mach keinen Quatsch.“ Dass Flöck in der „mittleren Reife“ auf reichlich viele Nebenaspekte zu sprechen kommt, ist angesichts des zeitlichen Umfangs seiner Solovorstellung nicht weiter verwerflich. Politik, Fernsehen, Werbung, Sport und Musik kommen ebenso vor wie technische Innovationen, Kirche, Kosmetik, moderne Kommunikationsmittel („heute ist es schlimmer, sein Handy zu verlieren als seine Jungfräulichkeit“) und der übermäßige Genuss von Alkohol („dann hat mein Mund seinen eigenen Kopf“).

Flöck, der seine vorgeblichen Erfahrungen oft im Zusammenhang mit seiner Freundin oder seiner achtjährigen Nichte schildert, verliert aber sein eigentliches Thema nicht aus den Augen. „Das Dumme am Älterwerden ist, dass man nie eine Chance bekommt, das vorher auszuprobieren“, lässt er das überwiegend nicht allzu junge „Nachtausgabe“-Auditorium wissen. Oder: „Ich bekomme neuerdings solche Geistesblitze, bei denen mir einfällt, dass ich etwas vergessen habe.“ Und: „Wieso fragt man etwas sich selbst, wenn man es nicht weiß?“ Respektive: „Manchmal habe ich ein Déjà-vu, da fällt mir ein, dass ich das doch schon mal vergessen habe.“

„Einmal“, gibt der Köln/Koblenzer zu verstehen, „hatte ich beim Einkaufen nur den Spinat vergessen und teilte meiner Freundin mit, dass das nicht schlimm sei, weil ich Spinat nicht gerne esse.“ Und sie sagte: „Doch.“ Flöck daraufhin: „Ich hatte vergessen, dass ich Spinat mag.“ Mit der Nichte gab’s Probleme beim Nachhilfeunterricht in Mengenlehre: „Da musste ich feststellen, dass in meinem Kopf eine Menge Leere vorzufinden ist.“

Allen Unabwägbarkeiten und Gebrechen zum Trotz stellt Flöck das seiner Auffassung nach Positive heraus: „Während der Pessimist und der Optimist noch darüber streiten, ob das Glas halb leer oder halb voll ist, versuche ich, es auszutrinken.“

Und auf die theologische Fraktion gemünzt merkte der „Nachtausgabe“-Gast an: „Fragen Sie sich mal, warum Jesus Wasser in Wein verwandelt hat. Stellt Euch mal vor, der hätte das Wasser in alkoholfreies Bier verwandelt. Dann hätten ihn die Jünger direkt ans Kreuz genagelt. In der römisch-katholischen Kirche wird Wein zum Vergeben der Sünden gereicht. Aber die Gottesdienstbesucher kriegen nichts ab, weil der Pfarrer so viel braucht.“

Reifeprüfung bestanden (nicht nur die mittlere).




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