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Kleine Rätsel Schaumburgs: Idaturm im Harrl war Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

Erbaut während der Hungerkrise

Bückeburg (mld). Er ist ein Turm, erbaut aus Sandstein, mitten im Harrl, 28 Meter hoch, verfügt über eine Wendeltreppe mit 128 Treppenstufen, und, haben seine Besucher die erst einmal hinter – oder besser: unter – sich gebracht, haben sie einen fabelhaften Blick über das Wesergebirge bis ins Mindener Land und, bei klarer Sicht, bis zum Steinhuder Meer.

veröffentlicht am 20.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 14:21 Uhr

Als der Idaturm im Frühjahr 1847 gebaut wurde, hatte man die schöne Aussicht, die spätere Touristen von seiner Spitze aus haben würden, allerdings nicht im Sinn: Der Idaturm wurde während einer der katastrophalsten Hungerkrisen Europas erbaut.

Ab Mitte der 1840er Jahre litt ganz Europa unter Wirtschaftsproblemen: Banken hatten falsch investiert, Aktionäre sich mit Eisenbahnpapieren verspekuliert, das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Papierwährung war gesunken. In den Jahren 1846 und 1847 kam dazu noch eine schwere Ernährungskrise nach mehreren Missernten, bedingt durch die Kartoffelfäule.

Gerade die Iren traf die Hungerkatastrophe schwer, doch auch in Deutschland starben Tausende durch die Hungersnot und es kam zu Unruhen, da gerade für Arbeiter der Lebensstandard – trotz Beschäftigung – oft unerträglich geworden war. Es war die letzte große Ernährungskrise in Europa.

Die schaumburg-lippische Bevölkerung war von einer so großen Hungersnot zwar nicht bedroht, da die Wirtschaftsstruktur recht ausgewogen war und der Anteil derjenigen, die in der Land- oder Forstwirtschaft arbeiteten und sich so über Wasser halten konnten, recht hoch war. Dennoch kamen die Arbeiter aus dem gewerblichen Sektor in Bedrängnis – und wandten sich in der Hoffnung auf Hilfe an ihren Lehnsherren, den Fürsten Georg Wilhelm zu Schaumburg-Lippe.

Der regte mehrere Projekte an, um sein Fürstentum voranzubringen und gleichzeitig der Bevölkerung zu helfen: Er ließ Getreide von Übersee importieren, um die Getreidepreise im Land so niedrig wie möglich zu halten, er wies an, für Gleisarbeiten ausschließlich schaumburg-lippische Kräfte zu beschäftigen – was für immerhin 500 Tagelöhner Arbeit und Geld bedeutete – und er ließ, als eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, einen Turm bauen: den Idaturm. Benannt wurde der nach der Frau des Fürsten, Ida – sie soll, so einige Quellen, Georg Wilhelm angeblich auch zum Bau des Turms veranlasst haben. Der Fürst benannte einen zweiten Turm nach sich: den Wilhelmsturm auf dem Wölpinghauser Berg, der etwa zu derselben Zeit wie der Idaturm gebaut wurde.

Die Türme dienten neben der Arbeitsbeschaffung auch für die Landesvermessung, da von ihnen aus die Geländeformen in dem Teil des damaligen Fürstentums kartiert werden konnten.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs oder haben sich schon immer über eine Begebenheit in der Schaumburger Region gewundert? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (0 57 51) 4000-526.




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