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Klaus Urban (68) dominiert „Poetry Slam“-Wettbewerb in der Jugendfreizeitstätte

Erfahrung und Alter landen auf Platz 1

Bückeburg (bus). Der am Wochenende in der Jugendfreizeitstätte unter dem Motto „Bückeburg brüllt“ vom Unabhängigen Jugendzentrum veranstaltete „Poetry Slam“-Wettbewerb ist von Klaus Urban dominiert worden. Der Stadthagener lag in der Gunst der Publikumsjury dermaßen weit vorne, dass Moderator Jonas Volkmann auf das penible Auszählen der Wertungspunkte verzichtete. „Der Vorsprung ist überaus eindeutig“, meinte der Mitorganisator des Poetenwettstreits.

veröffentlicht am 05.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:41 Uhr

Mit Urban setzte sich der mit Abstand erfahrenste und älteste Teilnehmer der jetzt zum vierten Mal auf die Beine gestellten Konkurrenz durch. Der 68-Jährige absolvierte in der „Stätte“ seinen etwa 150. „Slam“. Da war es nicht verwunderlich, dass seinem Finalpartner Simon Niemann lediglich die Vizemeisterschaft blieb. Der 22-jährige Hildesheimer hatte zuvor gerade einmal drei der allseits beliebten Wortwettkämpfe bestritten. Den 3. Platz belegte Anna Köppen (19 Jahre alt, Porta Westfalica, bislang vier „Slams“), auf dem 4. Rang landete Sira Busch (19 Jahre, Horn-Bad Meinberg, bisher etwa 60 „Slams“). Die Überlegenheit Urbans hatte sich bereits während der Vor- und Zwischenrunde abgezeichnet, in denen er jeweils die weitaus meisten Punkte erzielte.

Urban überzeugte das in stattlicher Zahl erschienene und kräftig applaudierende Publikum vor allen Dingen mit fein gedrechselten Wortspielereien. Zumeist dominierte in seinen überwiegend frei vorgetragenen Geschichten und Gedichten das Augenzwinkernd-Ironische. Wie etwa, als er sich dem Thema „Liebe“ widmete. „Liebe ist eine Tätigkeit und niemals eine Tätlichkeit / Liebe ist Arbeit, Liebe ist Spiel, für Liebe tut man nie zu viel / Liebe heißt, voneinander lernen, ihr Erfolg steht nicht in den Sternen / sie hält ab von deinem Tun, also auf zur Arbeit nun.“

Oder als er auf die „unglaubliche Vielfalt nonverbaler Ausdrucksmittel und Tätigkeiten, wenn man sich dem Höhepunkt nähert, dem physischen Arbeitsergebnis näher kommt und es schließlich erreicht“ zu sprechen kam – „stöhnen, ächzen, jubilieren, juchzen, schluchzen, jauchzen, juckeln, jaulen, gackern, grölen, kichern, murren, surren, schnurren, schnauben, brüllen, brummeln, wiehern, jodeln, piepen, zischen, grunzen, krähen, bähen, lächeln, hecheln und schwächeln und schnarchen.“ Um nur einige zu nennen.

Der Gewinner schlug zwischendurch aber auch ernste Töne an. „Wenn die Welt gerecht wäre“, gab er in einer dem Konjunktiv gewidmeten Ausführung zu bedenken, „würde das eine Prozent der reichsten Deutschen nicht über 36 Prozent des Gesamtvermögens verfügen“. Und: „Wenn die Welt gerecht wäre, dann gäbe es nicht in so vielen Ländern noch Atomwaffen. Und dann würde auch über umstrittene Gedichte dazu schneller Gras wachsen.“

Mit „Poetry Slam“ bezeichnet die Fachwelt einen literarischen Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit (in der Jugendfreizeitstätte waren es fünf Minuten) vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger. Die Form entstand 1986 in Chicago und verbreitete sich in den neunziger Jahren rund um den Globus. Der Begriff setzt sich zusammen aus „poetry“ (englisch: „Dichtung“) und dem Verb „slam“ (etwa: „zuschlagen, zuknallen“). Alltagssprachlich findet „slam“ auch für „scharfe Kritik“ Verwendung.




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