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Ferdinand Vyskocil geht / „Preuße“ gibt Führerschein nur Uniformiertem

Erlebnisse eines Kontaktbeamten

Bad Nenndorf. Nach 14 Jahren Dienst in Bad Nenndorf wechselt der Kontaktbeamte Ferdinand Vyskocil (62) jetzt in den Ruhestand. Mit dieser Zeitung hat er über seine Erlebnisse während seiner Zeit in der Kurstadt gesprochen.

veröffentlicht am 28.02.2013 um 12:26 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:22 Uhr

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Das entsprechende Dienstalter ist erreicht, und Vyskocil scherzt: „Es wird Zeit, dass ich nach Hause komme.“ Andererseits tut es ihm „ein bisschen leid“ um seine Arbeit. Vor allem die Verkehrserziehung mit Kindern, zum Beispiel der Fußgängerführerschein, hat ihm viel Spaß gemacht.

Vyskocil, in Liekwegen zu Hause, hat auch Senioren unterrichtet, vor dem „Enkeltrick“ gewarnt, war auf der Straße Ansprechpartner „für alles Mögliche“ und hat so manchen Streit geschlichtet. „Der Umgang mit Menschen, das ist mein Ding“, sagt der gebürtige Schaumburger, der auch im Ruhestand „im Gespräch“ bleibt – als Moderator für die Kreisverkehrswacht.

Bevor der Liekweger seinen Dienst in Bad Nenndorf antrat – zu gleichen Hälften als Kontaktbeamter und im kriminalen Ermittlungsdienst – war er Fahrlehrer für alle Führerscheinklassen an der Polizei-Ausbildungsstelle für Technik und Verkehr in der Wennigser Mark. „Das war meine schönste Zeit“, schwärmt Vyskocil.

Es sei angenehm gewesen, junge Leute auszubilden, ohne auf Motivationsprobleme zu stoßen. Als die Schule geschlossen wurde, entschied Vyskocil, sich als Kontaktbeamter zu bewerben, als der Erste in Bad Nenndorf. In den Jahren in der Kurstadt sei ihm „der Mensch mit all seinen großen Vorteilen, seinen kleinen Fehlern, seinen Nöten und Sorgen“ begegnet.

Nicht nur Durchsetzungs-, auch Einfühlungsvermögen zählten im Dienst. Vyskocil erzählt von einer melancholischen Begebenheit: Der Beamte war in ziviler Kleidung bei einem sehr alten, gehbehinderten Mann erschienen, dem er den Führerschein abnehmen musste. Der Mann, berichtete Vyskocil, „war ein Berliner, ein echter ,alter Preuße‘“, dem das zivile Outfit des Beamten nicht behagte. Der Polizist kam dem Empfinden des alten Mannes entgegen und schlug vor: „Ich komme morgen wieder und ziehe eine Uniform an.“ Gesagt, getan. In nun äußerlich „würdigerer“ Situation übergab der alte Mann den Führerschein.

Nun ist der Dienst passé. In Vyskocils Büro, in das demnächst Jürgen Henze als Nachfolger einzieht, sind Regal und Schreibtisch bereits leer geräumt. Nur ein Bild kommt noch mit nach Liekwegen. Es zeigt eine grafisch gestaltete Fußballszene. Sport hat Vyskocil immer geliebt, stand in jungen Jahren im Tor der niedersächsischen Polizeiauswahl. Heute spielt Ferdinand Vyskocil mit Leidenschaft Golf. Ab sofort hat er mehr Zeit, sein eh schon beachtliches Handicap (24,1) zu verbessern.




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