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Mutmaßliche Täter nach Überfall auf Szenelokal ausgemacht

Ermittler spüren 14 Neonazis auf

Minden (mt/sk). Konflikte zwischen der rechts- und der linksradikalen Szene in Minden hatten am 28. November zur Zerstörung des Mobiliars im Hamburger Hof geführt – mit einem Verletzten. Das gab der Staatsschutz Bielefeld in einer Pressemitteilung am Mittwoch bekannt. Insgesamt wurden 14 Neonazis als mutmaßliche Täter ermittelt.

veröffentlicht am 14.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 05:21 Uhr

Einen unerwarteten Verlauf hatte ein Reggae-Abend an dem Tatsonntag im November im Hamburger Hof genommen. Gegen 2.15 Uhr drang eine Gruppe schwarz gekleideter und vermummter Gestalten in das Szenelokal ein und unterbrach jäh die Veranstaltung. Die Täter zertrümmerten Mobiliar in großem Umfang, brüllten „Heil Hitler“ sowie „Sieg Heil“ und bezeichneten die Anwesenden als „Zecken“, denen man zeigen müsse, wer in Minden das Sagen hat.

Bevor die Vermummten vom Tatort flüchteten, schlug einer von ihnen einen Zuwanderer mit deutscher Staatsbürgerschaft aus Afrika zusammen, sodass er zu Boden ging und für kurze Zeit das Bewusstsein verlor.

In den folgenden Wochen ermittelte eine Kommission des Staatsschutzes Bielefeld zusammen mit der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke die Hintergründe der Gewalttat. Dabei wurde ein Täterkreis mit 14 Personen ermittelt, von denen sich neun an dem Überfall direkt beteiligt hatten. Es handelt sich überwiegend um Anhänger der aktiven rechtsextremistischen Szene aus dem Kreisgebiet. Allerdings gehörte nur ein kleiner Teil zum sogenannten harten Kern. Zwischen den Mitläufern taten sich vor allem ein 28- und ein 22-Jähriger bei dem Gewaltexzess im Hamburger Hof hervor. Fast alle ermittelten Tatverdächtigten sind weitgehend geständig.

Nach Ermittlungen des Staatsschutzes war der Überfall als Racheakt für eine Auseinandersetzung am Vorabend geplant. Bei einer Musikveranstaltung in einem dem Hamburger Hof nahe gelegenen Treffpunkt Rechtsradikaler wurden Konzertbesucher durch Steinwürfe verletzt. Dies wurde dann Vertretern der linken Szene angelastet.

Nach Einschätzung des Leiters des Staatsschutzes in Bielefeld, Kriminalrat Andreas Schramm, ist eine weitere Eskalation, unter anderem auch wegen der Aufklärung des Vorfalls, in Minden nicht zu erwarten. Je nach dem individuellen Tatvorwurf sind Geld- oder Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren zu erwarten.

In seiner Pressemitteilung erklärt der Staatsschutz, dass es in der Region immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der rechts- und linksextremistischen Szene kommt. Vorwiegend im Rahmen von Aufzügen und Kundgebungen von Neonazis verliefen diese nicht selten gewalttätig. Konfrontationen wie in Minden bildeten eher eine Ausnahme.

Bürgermeister Michael Buhre sagte gestern zu den Ermittlungsergebnissen: „Es ist an erster Stelle erfreulich, dass der Staatsschutz gründlich ermittelt hat.“ Auch wenn dabei eine hohe Zahl Rechtsextremer dem Kreis und der Stadt zugeordnet werde. Denn dadurch würden Fakten nicht unter den Tisch gekehrt, was rechtsradikalen Milieus förderlich sei.




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