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„Schaumburg und der Erste Weltkrieg“: Staatsarchiv erhält Post eines „Bückeburger Jägers“

Erschütternde Briefe

Bückeburg. Im Zusammenhang mit der Vortragsreihe „Schaumburg und der Erste Weltkrieg“ sind dem Niedersächsischen Staatsarchiv Briefe eines „Bückeburger Jägers“ übergeben worden. „Ich freue mich, dass die Briefe jetzt für die Nachwelt erhalten werden“, gab Hans Werner Koch-Dannhauer, Enkel von Hermann Dannhauer, zu verstehen.

veröffentlicht am 30.10.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 03:41 Uhr

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Es sind Briefe, die jeden erschüttern, der sie liest. Von „Pferden, die bluteten“ ist da die Rede und von „Verwundeten, die schrien“. „Ihr könnt euch kein Bild machen von dem, wie es hier zugeht“, schreibt der „Bückeburger Jäger“, Hermann Dannhauer, der unter anderem im Baltikum, in Italien und in Frankreich im Einsatz war. An anderer Stelle wird das Mitglied des Reserve-Jäger-Bataillons 20 (Rinteln), noch deutlicher: „Vorhin schoss der Feind mit Gas (...) Wenn man hier den ganzen Betrieb sieht, wird man in seinem Vertrauen stark schwankend.“ Stefan Brüdermann, der die Briefe Dannhauers entgegennahm, nannte diese ein „wichtiges Zeitzeugnis“ und sprach von vielen hochinteressanten Schilderungen. Darüber hinaus nutzte der Archivchef die Gelegenheit zu einem Appell an die Zuhörer und hier vor allem an die, „die noch Zeugnisse aus alter Zeit auf ihrem Dachboden haben“: „Bedenken Sie, dass aus nicht ganz so alten Zeiten schnell alte Zeiten werden und je mehr Zeugnisse wir dann von privater Seite haben, desto dichter wird unsere spätere Sicht auf die Ereignisse.“ Das Staatsarchiv, so Brüdermann, freue sich über jede Anfrage.

Was an den Briefen des ehemaligen Bückeburger Jägers so interessant ist, fasst sein Enkel so zusammen: Die Briefe seien zunächst von Euphorie, Leichtigkeit und patriotischem Geist getragen gewesen, „später geben sie Zeugnis vom Ernst der Lage im unmittelbaren Kriegsgeschehen und lassen den Stimmungsumschwung erkennen, der mit der Länge des Krieges eintrat.“ Vor allem im letzten Jahr habe sein Großvater sehr am Krieg gelitten, sagte Koch-Dannhauer. Und betonte: „Da wurde es dann richtig bitter.“

„Hermann Dannhauer als Bückeburger Jäger“ lautet der Titel eines Buchs, das Koch-Dannhauer im Privatverlag herausgegeben hat. Er habe seinem Großvater ein Denkmal setzen wollen, erklärt der Münsteraner. „Ich wünsche mir, dass beim Lesen deutlich wird, was kriegerische Auseinandersetzungen mit sich bringen: sinnlos viele Opfer. Wenn auf diese Weise die Lektüre zum Nachdenken führt, hat die Mühe meines Großvaters einen Sinn gehabt.“




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