weather-image
20°
×

Vor Gericht: Acht Monate mit Bewährung / Vorbestrafter Täter stellt Foto ins Internet

Erst Missbrauch, jetzt auch Kinderpornos

Bückeburg (ly). Männer, die mit Kinderpornos erwischt werden, sind um Ausreden und Erklärungen häufig nicht verlegen. In einem Prozess vor dem Amtsgericht hat ein vorbestrafter Bückeburger (54) sinngemäß behauptet, er habe ein derartiges Foto aus dem Internet zu therapeutischen Zwecken betrachtet. „Jedoch nicht, um mich selbst zu erregen“, wie er versicherte.

veröffentlicht am 28.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:21 Uhr

Verurteilt hat Richter Armin Böhm den 54-Jährigen trotzdem. „Kinderpornografie ist massiv Einhalt zu gebieten“, betonte er. Die achtmonatige Freiheitsstrafe, deren Vollstreckung das Gericht zunächst aussetzte, versteht Böhm als eine Art letzte Warnung. „Beim nächsten Mal müssen Sie damit rechnen, dass Bewährung überhaupt nicht mehr in Betracht kommt“, schrieb er dem Angeklagten ins Stammbuch.

Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, ist die Entscheidung mit 1200 Euro Geldbuße verbunden. Im Schuldspruch geht es um Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften. Der Täter hatte die Fotodatei nämlich in den Download-Bereich einer Tauschbörse gestellt, sodass andere Nutzer im Internet darauf zugreifen konnten.

„Sie wissen, dass ich vorbestraft bin“, leitete der Bückeburger sein Geständnis ein. Und zwar nicht zu knapp: Wegen sexuellen Missbrauchs in neun Fällen hatte das Landgericht 1998 eine Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verhängt, die der Verurteilte nach eigenen Angaben bis auf sechs Monate verbüßte. Dieser Rest wurde zur Bewährung ausgesetzt. Kinder missbraucht hat der 54-Jährige seitdem offenbar nicht mehr. Dennoch sprach Böhm mit kaum verhohlenem Sarkasmus von „Resozialisierung, indem der Angeklagte sich nun Bilder anschaut“.

Der Bückeburger selbst sieht sich „wie einen Alkoholiker“ und vergleicht seine perverse Veranlagung mit einer Sucht. „Ich muss einen Weg finden, nicht wieder straffällig zu werden“, sagt er. Angeblich wollte der Mann durch das Betrachten des Fotos lediglich „einschätzen, wo ich gerade stehe“. Inzwischen will er nämlich „etwas ganz Entscheidendes gelernt“ haben: „Menschen nicht mehr weh zu tun“.

Da verkenne der Angeklagte die Situation, meint Staatsanwalt Dieter Liese. „Natürlich leiden die Kinder unter diesen Aufnahmen“, erklärte Liese. Zur Erklärung des Bückeburgers, die Fotos quasi zur Selbstkontrolle angesehen zu haben, sagte Richter Böhm: „In Deutschland geht das so nicht. Es mag in einer amtlich anerkannten Therapie möglich sein.“

Mit seinem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Entscheidung kann allerdings noch angefochten werden.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige