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Jagdgesetz schützt heute heimische Wildart, der Menschen schon einmal den Garaus machten

Erste Luchse in der Region angekommen

Weserbergland (pj). Der Luchs ist im Weserbergland angekommen. In der Nähe von Bad Pyrmont ist ein Luchs einer Spaziergängerin über den Weg gelaufen, auch im Süntel hat man Spuren dieser großen braungefleckten Katze mit den charakteristischen Pinselohren und dem Stummelschwanz gefunden. "Man kann davon ausgehen, dass die Region Solling, Vogler, Hils und der Landkreis Hameln-Pyrmont Streifgebiete des Luchses sind", erklärt Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. "Es sind Jungluchse, die aus den Revieren im Harz verdrängt werden, die in neue Bereiche ausweichen", fügt Ziegler an. Im Landkreis Schaumburg seien noch keine Luchse gesichtet worden, sagte gestern auf Anfrage Schaumburgs Kreisjägermeister Heinrich Stahlhut-Klipp. Es sei jedoch nur eine Frage der Zeit, bis der Luchs sich auch im Schaumburger Land wieder ansiedelt.

veröffentlicht am 02.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Der Abdruck der Luchspfoteähnelt dem einer Hauskatze, ist nur deutlich größer. Da die Tritte perlschnurartig aufeinanderfolgen, spricht man davon, dass die Tiere "schnüren". Luchse sind Einzelgänger. Der Kuder, wie das männliche Tier heißt, streift durch ein Gebiet von bis zu einhundert Quadratkilometern. Bei einer Katze, die mit einem Sender ausgestattet war, hat man ein Streifgebiet von 57 Quadratkilometern nachgewiesen. Die Bereiche von Kuder und Katze überschneiden sich. Im Frühjahr, wenn das Weibchen Junge bekommt, werden die Jungluchse verdrängt, sie müssen in andere Gebiete ausweichen. So besiedeln sie immer mehr Landstriche, werden dort heimisch, wo sie vor Jahrzehnten schon gelebt haben, bis die Menschen sie ausgerottet haben. Dass man dem nächtlichen Jäger den Garaus machte, daran war sicherlich die Mär schuld, dass der Luchs gefährlich ist, von Bäumen herab seine Beute und auch Menschen anfällt. "Alles Unsinn", weiß der Kreisjägermeister und alle, die sich mit dem Luchs beschäftigt haben. "Der Luchs ist ein Bodenjäger, er pirscht seine Beute an, und dann erfolgt der Angriff über eine ganz kurze Distanz - etwa 20 Meter", erklärt Jürgen Ziegler. Zum Beutespektrum der Wildkatze, die etwa die Größe eines Schäferhundes hat und um die 20 Kilo wiegt, gehören Kleinsäuger und Vögel. "Der Luchs ist ein reiner Waldbewohner und nachtaktiv - deshalb wird es selten und ein großes Glück sein, wenn man ihn zu Gesicht bekommt", sagt Jürgen Ziegler. Bei Gefahr oder zum Ruhen klettert er auf Bäume. "Er sucht sich auch Nischen und Höhlen in Steinbrüchen", führt Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister weiter aus. Durch ihr feines Gehör nehmen Katze und Kuder früh sich ihnen nähernde Menschen oder Tiere wahr und können sich zurückziehen. Dass die Luchse heute wieder in ihrem Bestand gefährdet werden, das kann nicht mehr passieren, denn sie gelten als heimisches Wild und stehen daher unter dem Schutz des Jagdgesetzes. "Sie unterliegen dem Jagdrecht und haben das ganze Jahr über Schonzeit", erklärt Ziegler. Landesjägerschaft und die Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt starteten vor sechs Jahren das Luchsprojekt im Harz, setzten erste Katzen und Kuder dort aus, die sich inzwischen vermehrt haben. Natürliche Luchsvorkommen gibt es in Europa in Teilen Skandinaviens, im östlichen Polen, entlang des Karpatenbogens und in den Staaten der früheren Sowjetunion. Die Jungen, eins bis fünf an der Zahl, werden im Mai/Juni geboren und zehn Monate von der Mutter geführt.




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