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Anonymer Mitarbeiter: „Angemessene Betreuung nicht gewährleistet“ / Geschäftsführung zweifelt Urheberschaft an

EXKLUSIV: Offener Brief beklagt Zustände im Klinikum

OBERNKIRCHEN. Es ist ein dreiseitiger Hilfeschrei, der Ende Februar an die Geschäftsführung des Klinikums und alle Stationsleiter zugestellt wurde. „Ich möchte Sie bitten, dieses Schreiben mit Ernsthaftigkeit und Interesse zu lesen“, appelliert der anonyme Klinikum-Mitarbeiter. Die Entscheidungsträger im neuen Agaplesion-Krankenhaus hätten keine Vorstellung, was die Pflegekräfte auf Stationen mit nur 4 examinierten Fachkräften und einer Pflegeschülern zu bewältigen hätten.

veröffentlicht am 11.03.2018 um 15:27 Uhr

Betriebsbedingte Kündigungen gab es nicht am Klinikum Schaumburg. Doch befristete Verträge liefen aus und Stellen wurden nicht nachbesetzt. Im Jahr vor der Eröffnung wurden in dieser Weise mehr als 60 Stellen gestrichen. Foto: Archiv
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Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

„Nicht zu vergessen die Nachtwachen, die alleine für 36 bzw. 2 Nachtwachen für 70 bis 72 Patienten zuständig sind.“ In einer Stellungnahme gegenüber der Redaktion betont Geschäftsführer Dr. Achim Rogge, man habe „hochgradige Zweifel, dass dieses Schreiben von einer Pflegekraft unseres Hauses formuliert worden ist.“

In dem offenen Brief heißt es weiter: „Dass wir Bedienstete körperlich und psychisch an unsere Grenzen kommen scheint Sie – laut öffentlicher Bekundungen – nicht zu interessieren.“ [...] „Ihrer Vorstellung nach ist ein ausreichendes Beutreuen kranker Menschen mit 4 bis 5 Mitarbeitern auf 36 bis 40 Patienten angemessen. Derzeit haben etwa 30 Mitarbeiter gekündigt (es werden bestimmt mehr, wenn sich nicht bald etwas ändert).“

Geschäftsführer Dr. Achim Rogge betont, dass „der Hinweis, dass 30 Mitarbeiter gekündigt haben, jeglicher Grundlage entbehrt.“ Auf Nachfrage der Redaktion, wie viele Mitarbeiter denn gekündigt hätten, erfolgte bis Redaktionsschluss keine Antwort.

Die Mitarbeiter, so steht es in dem anonymen Brief, hätten es mit kranken Menschen, und keinem Blatt Papier zu tun. „Diese Menschen benötigen unsere volle Aufmerksamkeit, Hilfe Betreuung und Beobachtung! Fakt ist: mit dem vorhandenen Personal fehlt uns dafür die Zeit!“

Der anonyme Mitarbeiter schreibt weiter: „Vor der Zusammenführung und Übernahme durch „Agaplesion“ war eine angemessene Betreuung der Patienten gewährleistet (weniger Patienten und mehr Personal) Jetzt nicht mehr! Wir kommen alle an unsere Grenzen! Sie sehen es anhand der Kündigungen und Krankmeldungen! Welchen Beweis benötigen Sie noch? Keine Pausen – „Essen und Trinken wird überbewertet“ – Einspringen für Krankmeldungen usw... Schauen Sie sich Ihre Mitarbeiter doch mal genau an. Wie viele von ihnen sind einem Burn-out nahe? Ist es das, was Sie wollen? Das kann doch nicht das Leitbild von „Agaplesion sein?! Soweit uns bekannt ist, verläuft es in anderen Kliniken von „Agaplesion“ besser. Woran mag es dann hier nur liegen?“

„Folgender Satz ist nicht unbekannt: Wenn Menschen überfordert sind, machen sie Fehler!“

Die Geschäftsführung erklärte, dass man den Vorwürfen nachgehe. Da es sich um einen anonymen Brief handle könne man dem Verfasser nicht direkt antworten. Grundsätzlich kommentiere man anonyme Schreiben nicht.

Trotzdem habe man den Brief allen Stationsleitungen zu lesen gegeben und sind den dort aufgeführten Vorwürfen nachgegangen. Die Geschäftsführung versuche „gerade herauszufinden, ob diese den Tatsachen entsprechen.“ Unabhängig von diesem Schreiben habe Agaplesion bereits Maßnahmen eingeleitet.




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