weather-image
25°
×

Leerstandsmanager David R. Froessler rät: Erst ein Leitbild erarbeiten, dann die Stadt sanieren

Experte warnt vor einem Umbau ohne Strategie

Bad Nenndorf (rwe). Wenn es gegen den Leerstand geht, dann gibt es für David R. Froessler einen Grundsatz: „Kein weiter so wie bisher“, sollte die Maxime lauten, wenn Kleinstädte erfolgreich den Strukturwandel überstehen wollen. Der Düsseldorfer, der mit seiner „Innovationsagentur Städtebau“ seit 2005 für das Land Nordrhein-Westfalen tätig ist, war auf Einladung der Schaumburger FDP ins „Parkhotel“ gekommen, um über „Leerstandsmanagement“ zu sprechen.

veröffentlicht am 23.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 07:42 Uhr

Dabei machte er deutlich, dass eine Stadtsanierung ohne Strategie wenig Sinn mache. Froessler riet dazu, die Stadtgesellschaft für diesen Prozess zu mobilisieren. Leider hörten diesen Ratschlag nicht viele Verantwortliche. Den Vortrag des international tätigen Fachmanns verfolgte nur eine Handvoll Ratspolitiker. Aus der Verwaltung war niemand zugegen, auch so gut wie kein Händler, Immobilienbesitzer oder Gastronom nutzte den Abend, den Froessler nur als Anregung zum Gespräch verstanden wissen wollte. „Die Städte sind im Umbruch“, betonte er, aber niemand kümmere sich richtig darum.

Diesen Eindruck dürfte er auch von Bad Nenndorf bekommen haben. Der Kurstadt macht er nicht unbedingt ein Kompliment. Als „gesichtslos“ beschrieb er die Innenstadt nach seinem allerdings nur 15-minütigen Rundgang. Vieles sei „gebaut für eine Ära, die zu Ende gegangen ist“. Er betonte, nicht als Schlaumeier oder zur Auftragsakquise gekommen zu sein.

Den erfolgreichen Kampf gegen Leerstand zeigte er anhand der Kleinstadt Steinheim bei Höxter, die unter dem Niedergang der Möbelindustrie zu leiden hat. Dabei hob der City-Coach als wichtigsten Punkt hervor, die Bürger und Eigentümer einzubinden. Gemeinsam mit ihnen müsste sich die Stadt ein Leitbild geben, Ziele formulieren und die Wege dorthin erarbeiten. „Lokale Maßarbeit“ sei nötig, so Froessler, es gebe keinen Masterplan. In diesem Prozess versteht er sich als Impulsgeber, die Ideen und die Umsetzung müssten aus der Bevölkerung kommen.

Die bisherige Beteiligung in den politischen Verfahren reicht demnach nicht mehr aus. „Kooperative Produktivität“ nannte er das Miteinander von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Neue unternehmerische Chancen seien nötig. Froessler empfahl Konzepte „mit Tiefe“ und nicht nur eine „Dekoration der Misere“.

Bad Nenndorf attestierte er einen „Umbruchsleerstand“, der noch gut zu beheben sei. „Das Geld ist hier, wird nur woanders ausgegeben“, sagte er mit Blick auf die Neubaugebiete. Wie sich das ändern ließe, müsse die Stadt selbst herausfinden. Es dürften nicht nur „Tanzcafé und Torten“ sein. „Sehen sie sich ihre Zielgruppe an, was will die?“, fragte der Rheinländer nach einem eindeutigen Profilbild.

Er riet davon ab, Läden wahllos zu füllen. Die Eigentümer müssten mehr tun, als einen Nachmieter zu finden. Froessler: „Nur Qualität schafft nachhaltigen Erfolg.“ Die Händler sollten sich als Kollektiv sehen und die Vermieter nicht zu sehr an ihren alten Mieten festhalten. Als Beispiele, wie sich Existenzgründer gewinnen ließen, nannte er Staffelmieten oder kurzfristig kündbare Verträge. „Dann traut sich mancher auch, etwas zu probieren.“




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige