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Mit Durchschnittswert 3,52 nur Platz 42 von 47 Gebieten / Kickern fehlen die Anreize zur Besserung

Fair-Play bleibt in Schaumburg Nebensache

Fußball (pm). Mit viel Ignoranz bedenken die Schaumburger Fußballer die Fair-Play-Wertung des Niedersächsischen Fußball-Verbandes. Fast schon traditionell Reihen sich die Kicker hier zu Lande in das untere Drittel der Rangliste der Kreisverbände des VGH-Fairness-Cups ein.

veröffentlicht am 01.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Viele negative Einzelergebnisse der Mannschaften von der Kreisliga bis in die Niedersachsenliga (gewertet wird in Niedersachen bis zur Bundesliga) tragen dazu bei, dass Schaumburg (Rang 42 von 47) in der Liste neben Gebieten mit vielen sozialen Spannungen wie beispielsweise Hannover-Stadt (45) liegt. Markant zeigt dabei sich mit Blick auf die vergangenen Jahre, dass das Abschneiden in der Wertung zum sportlichen Verhalten auf dem Feld nicht auf so genannte Schwarze Schafe abzuwälzen ist. In einer Zehnjahreswertung des NFV liegt Schaumburg mit einem annähernd unveränderten Vergleichswert stets im unteren Drittel. Dieser Vergleichswert ist ein Quotient, der sich aus Strafpunkten für Gelbe, Gelb-Rote und Rote Karten sowie Sportgerichtsurteilen geteilt durch die Anzahl aller Spiele im Kreis ergibt. Für Schaumburg liegt dieser Wert immer jenseits der 3,0, während der Sieger in diesem Jahr beispielsweise mit einem Quotienten von 2,67 auskommt. Fazit dieser Betrachtung ist, dass, wer auch immer in Schaumburg die Tabelle in den vergangenen Jahren anführte und wer amEnde der Wertung stand, der Schaumburger Fußball in Sachen Fair-Play niedersachsenweit durchgefallen ist. Es bleibt ein grundsätzliches Problem der Schaumburger Fußballer. Während es anderen Kreisen immer wieder gelingt mit einem oder mehreren Teams ganz vorn in der Tabelle zu landen, gelang dieses Kunststück hier zu Lande in den vergangenen Jahren nur dem TSV Liekwegen als Zweitplatziertem 2005. Doch der Beispieleffekt - wenn er denn überhaupt eintrat - lässt längst schon wieder nach. Dabei lohnt es sich durchaus für die Teams, in der Wertung einen Spitzenplatz zu belegen. Jeder Spieler hat direkt etwas von den attraktiven Preisen, die der Sponsor ausgeschrieben hat. Der TSV etwa erlebte im vergangenen Jahr eine stimmungsgeladene Mannschaftsfahrt als Belohnung und legte in diesem Jahr nach: Das zweitfairsteTeam in Schaumburg nach dem TuS Niedernwöhren blieb als eines von neun Teams in Niedersachsen in der vergangenen Saison ohne Platzverweis - damit steht wieder eine Ehrung für den TSV an. Auch der TuS bestätigte die Tendenz der vergangenen Jahre. Den erhofften Sprung in die Top Ten verpasste die Elf als 28. der gewerteten Mannschaften dennoch. Den meisten anderen Mannschaften bleibt nur die Motivation durch Schrecken. Dieser dürfte den Verantwortlichen des auf Außenwirkung großen Wert legenden Kreisligisten TuS Riehe in die Glieder gefahren sein, als das Team in der Halbzeitwertung der Saison das Schaumburger Schlusslicht bildete. Prompt riss sich die Elf in der Rückserie zusammen. Drei andere Mannschaften konnten die Rieher danach noch hinter sich lassen: den TSV Hagenburg, Union Stadthagen und den SV Todenmann. Bei der Ursachensuche für das schlechte Abschneiden des Kreises fällt schnell das Stichwort "Spielklassenreform". Doch den besonderen Druck, den Klassenerhalt oder den Aufstieg in einem Jahr mit schwierigen Voraussetzungen zu schaffen, erlebten auch die Nachbarn im Bezirk Hannover. Als Ausrede kann das also nicht gelten. Und gerade in den prestigeträchtigen Vergleichen mit den Kreisen Nienburg und Hameln-Pyrmont die mit den gleichen Bedingungen zu kämpfen hatten, steht Schaumburg ganz schlecht da. Zwar entsprechen die Entwicklungen in Holzminden (Platz 21 im Winter, Rang 33 im Endergebnis) und Hannover-Land (26, 32) der Tendenz, der auch die heimischen Kicker gefolgt sind, dass es auch anders geht, zeigen uns aber gerade unsere nördlichen und südlichen Nachbarn. So gelang den Hamelnern nach Rang zehn zur Halbzeit in der Rückserie der Sprung auf den siebten Platz, und Nienburg brachte es als Winter-Zwölfter sogar fertig dieses Ergebnis mit einem Riesensatz auf den 6. Platz noch zu übertrumpfen. Und das trotz der erhöhten Auf- und Nicht-Abstiegsbemühungen. Dann, so heißt es, kann es ja nur an den Schaumburger Schiedsrichtern liegen. Schon beginnen die ersten verbal auf die angeblich viel zu kleinlich pfeifenden Regelhüter mit ach so locker im Hemd sitzenden Karten einzuprügeln - doch Vorsicht! Das Argument schlägt fehl. Die heimischen Schiedsrichter haben nur wenig Einfluss auf das Gesamtabschneiden im Fairness-Cup. Denn wieder einmal sind es die überregional spielenden Teams, die den Quotienten mit ihren schlechten Einzelergebnissen vornehmlich herunter ziehen. Unter den ersten 15 Teams der kreisinternen Wertung befinden sich nur vier, die in der vergangenen Saison in der Bezirksklasse aktiv waren. Der Rest liegt mit einem Quotienten von mindestens 3,83 (SV Nienstädt 09) in der landesweiten Tabelle jenseits von Platz 900. Der Schaumburger Durchschnittswert liegt diesmal bei 3,52. Aber gerade diese Mannschaften sind es, die das Bild der heimischen Fußballer auch über die Kreisgrenzen hinaus tragen. Es ist ein negatives Bild in Sachen Fair-Play, das sich in den vergangenen zehn Jahren des VGH-Fairness-Cups verfestigt hat. Doch auch der Kreisverband muss sich Kritik gefallen lassen. Die bloßen Appelle der Vergangenheit sind ohne Wirkung verpufft. Wenn sich an der Rolle der Schaumburger in der Fair-Play-Wertung etwas ändern soll muss sich auch an dieser Haltung etwas ändern. Bleibt da "Zuckerbrot" oder die "Peitsche". Bestraft sind die Teams mit Gelben und Roten Karten aber ohnehin schon. Helfen könnten dagegen zusätzliche interne Anreize. Preise für einen niedersachsenweiten Top Ten-Platz oder für den größten Sprung nach vorn in der Fair-Play-Wertung wären zum Beispiel denkbar. Auch das fairste Team einer Liga könnte vom Schaumburger Verband eine spezielle Auszeichnung erhalten. Vielleicht ließe sich auf diese Weise der Blick der heimischen Kicker von Sieg um (fast) jeden Preis ablenken, die Ignoranz gegenüber dem Fairness-Cup ein wenig aufbrechen und den Blick schärfen für ein sportliches Miteinander auf den heimischen Fußballplätzen.




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