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Historikerin zeigt Entwicklung der Residenzstadt auf / Fürst will nur noch Häuser mit Steindächern

Fast 50 Brauer als Beleg: Gesoffen wurde immer

Bückeburg (wk). Im Rahmen einer laufenden Veranstaltungsreihe zum Oberthema „400 Jahre Marktrechte in Bückeburg“ hat die promovierte Historikerin Roswitha Sommer über den Teilaspekt der Stadtentwicklung innerhalb dieser Zeit berichtet. Mit rund 50 interessierten Zuhörer war der Vortrag in der örtlichen Stadtbücherei bis nahezu auf den letzten Platz ausgebucht.

veröffentlicht am 17.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 05:41 Uhr

„Gesoffen wurde immer“: Roswitha Sommer erzählt auch

Zu Beginn ihrer Zeitreise erinnerte die in der Residenzstadt lebende Geschichtsexpertin daran, dass der von 1601 bis 1622 regierende Fürst Ernst zu Schaumburg das damals noch kleine Bückeburg während seiner Amtszeit mit einem großen Wall umgeben ließ. Alten Aufzeichnungen nach, gab es dort im Jahr 1626 bereits 130 Häuser, die bürgerlichen Personen gehörten, und 13 Häuser von so genannten „Freien“, die keine Steuern zu zahlen hatten.

War Bückeburg anfänglich noch ein „reines Bauerndorf“ gewesen, kamen nach und nach Handwerker hinzu – zunächst die für die Bauern wichtigen Gewerke wie etwa Schmied und Böttcher, dann aber auch jene Handwerkskünste, die vom Fürstenhaus beispielsweise für Baumaßnahmen im Schloss in Anspruch genommen wurden. 1640 waren allein 48 Brauer beziehungsweise Brauhäuser vertreten: „Gesoffen wurde schon immer“, flachste Sommer angesichts dieses Umstandes.

Fünfzig Jahre später war der Gesamtbestand an Immobilien auf 170 angewachsen, die im Schnitt von sechs Personen (fünf Familienmitglieder und ein Knecht) bewohnt wurden. Da es in der Vergangenheit insbesondere durch solche Häuser immer wieder zu Bränden gekommen war, die keinen Schornstein hatten und mit Stroh gedeckt waren, gab Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe 1766 den Befehl, dass nur noch Häuser mit Steindächern gebaut werden dürfen. Im Jahr 1772 zählte die Bevölkerung mittlerweile 525 Familien mit 236 Kindern im Alter von unter sieben Jahren und 81 Kindern im Alter zwischen sieben und 14 Jahren.

Weil der Platz innerhalb der Wallanlage der Stadt langsam viel zu eng geworden war, erfolgte ab 1803 auch die Bebauung von außerhalb des Walls gelegenen Arealen: zunächst im Bereich der Oberntorstraße, später auch im Bereich der Herminenstraße (1819) und dann auch an anderen Stellen. Im Jahr 1870 verlangte eine „Städteordnung“, dass ab sofort für alle Straßen Namen und für die Häuser Hausnummern zu vergeben sind.




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