weather-image
×

Vor Gericht: Angeklagter kommt mit einer Bewährungsstrafe davon / "Versuch der Selbsthilfe"

Fernseh-"Diebstahl": Zeuge schwört Meineid

Stadthagen (menz). Die Falschaussage eines Zeugen ist einem jungen Stadthäger um ein Haar zum Verhängnis geworden. Der Mann ist dabei, seinem Leben eine neue Richtung zu geben, und wäre vor dem Amtsgericht fast über sein Fernsehgerät "gestolpert", das er sich auf recht rüde Art wieder aneignen wollte. Weil besagter Zeuge des Meineids überführt wurde, kommt der 24-Jährige mit einem blauen Auge davon.

veröffentlicht am 12.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Als dunkle Drohung hing eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung über dem jungen Stadthäger. Eine entsprechende Verurteilung hätte sich für den vielfach vorbestraften Mann verheerend ausgewirkt. Sämtliche Lebensperspektiven drohten sich damit in Luft aufzulösen, unter anderem eine vor Monaten begonnene Entzugstherapie. Er hat Glück gehabt und ist in letzter Minute mit einem blauem Auge davongekommen. Am Ende des Prozesses wurde klar, dass der Belastungszeuge einen Meineid geschworen hatte. Versuchter Raub, der schwerwiegende Vorwurf aus der Anklageschrift, wurde damit hinfällig. Der 24-Jährige wurde lediglich wegen Nötigung verurteilt, und das Schöffengericht hat die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Ein Fernsehgerät mit 54-Zentimeter-Bildschirm, nicht mehr ganz neu, stand im Mittelpunkt des Verfahrens. Dreh- und Angelpunkt war die Frage, wem es gehört. Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft wird ein Testspiel der deutschen Nationalmannschaft übertragen. In Art eines Rollkommandos steht der 24-Jährige mit Begleitern bei seinem ehemaligen Mitbewohner auf der Matte und stürmt die Wohnung. Der Stadthäger hat es auf das Fernsehgerät im Wohnzimmer abgesehen, er zieht den Stecker aus der Wand und will mit dem Apparat davon gehen. Der Wohnungsinhaber verhindert den Abtransport. Vor Gericht beschrieb der Angeklagte die Aktion als Versuch der Selbsthilfe, um sein Eigentum wiederzubekommen. Er habe den Fernseher zuvor bei einemüberstürzten Auszug zurücklassen müssen, und der ehemalige Mitbewohner habe dessen Herausgabe verweigert. Der Wohnungsinhaber dagegen beharrte steif und fest darauf, der Fernseher habe ihm gehört. Die Aussage platzte bei der Vernehmung eines weiteren Zeugen. Überrascht fragte der Vorsitzende Richter Kai Oliver Stumpe den jungen Mann, ob er bedroht werde und Angst habe. Dem Richter war der entlarvte Meineidzeuge zuvor als "nicht so unglaubwürdig" erschienen. Die glückliche Wendung erspart dem Angeklagten eine Verurteilung wegen versuchten Raubes, die nach Einschätzung des Richters "mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Bewährung" erfolgt wäre. Es blieb die Selbsthilfe. Wegen Nötigung und alte Urteile miteingerechnet wurde deshalb eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten verhängt. Der Begleiter, der geholfen hatte, kam mit 40 Tagessätzen Geldstrafe davon. Er war bislang nichtvorbestraft. Der meineidige Zeuge "kann sich auf einiges gefasst machen", kündigte Staatsanwalt Malte Rabe von Kühlewein an. Der 21-Jährige war eindringlich belehrt worden, auch über die Mindeststrafe von einem Jahr für Meineid. Der Angeklagte meinte im Schlusswort nur: "Ich bin froh, dass die Wahrheit rausgekommen ist."




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige