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Radtour durch die Niederung – Landwirte sehen Pläne kritisch

Fernziel: 230 Hektar für den Naturschutz

veröffentlicht am 06.09.2016 um 12:07 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:29 Uhr

BÜCKEBURG. Die Bückeburger Niederung ist nach Überzeugung von Ratsherr Wolfhard Müller (SPD) „ein Kleinod und weit und breit fast ohne Beispiel“. Von ein paar Flächen am Dümmer und den Meerbruchwiesen am Steinhuder Meer abgesehen gebe es nur in der Niederung Feuchtgrünland mit so einer natürlichen Vernässung. Große Schwärme Vögel rasteten und ziehen weiter. Schwarzstorch und Eisvogel wurden heimisch. Vom Fahrrad erläuterte Wolfhard Müller den 27 Teilnehmern der öffentlichen Tour den Sachstand und Zukunftspläne für die Niederung. Unter den Teilnehmern waren auch einige Landwirte, die den Vorhaben und Plänen in der Niederung sehr kritisch gegenüberstehen.

Der erste Halt war am Fischergraben, wo Müller erläuterte, warum dieser nicht gründlicher geräumt werde. Denn sonst fließe das Wasser in dem renaturierten Altbett schneller ab und wertvoller Lebensraum gehe verloren. Einmütiges Nicken erntete er hingegen mit seiner Forderung nach Bekämpfung endemischer Pflanzenarten wie dem toxischen Jakobskreuzkraut und dem alles andere verdrängenden Indischen Springkraut. Müller erklärte, er wolle am liebsten die Pflanzen mit Helfern herausreißen und verbrennen. Aber der Landkreis halte davon nichts: „Wir müssen uns eben was anderes überlegen ….“ Auch am nächsten Punkt, der sogenannten Judenweide abseits des Hauptweges – wo aufgrund wilder Müllablagerungen der Weg neuerdings irgendwann am Stacheldraht endet – wuchert rosafarbenes Springkraut dicht und mannshoch.

Weiter geht es an der Aue, die seit 2006 in ihrem neu geschaffenen Altbett mäandert, vorbei an ein paar stoisch grasenden Gallowayrindern, die zum Schutz bodenbrütender Vögel nur in kleiner Zahl auf großer Fläche gehalten werden dürfen. „Fische und Kleintiere können wandern“, verrät eine fast zugewachsene Infotafel am Rand. Ärgerlich, dass sich vor einem Wasserdurchlass der Überfahrt über die Aue leicht Äste verklemmen. Vielleicht gebe es ja mal eine Lösung und der Erdhaufen mit Rohr könne weg, überlegt Müller. Denn eigentlich seien die Flächen jenseits der Aue auch über eine andere Zufahrt erreichbar. Einige Landwirte zucken mit den Schultern ob dieses Vorschlags.

Stopp 4 der Tour ist das Mittlere Bruch. Thomas Rippke, Sprecher der Bürgerinitiative Bigtab, warnt vor trassenfernen Bahnplänen, die schlimmstenfalls die Niederung durch gewaltige Eingriffe in den Grundwasserhaushalt ruinieren. Das Mittlere Bruch, als Ersatzmaßnahme für den Ausbau der B 65 renaturiert, sei ein Beispiel für gelungenen Naturschutz, ergänzt Müller. Auf 25 Hektar vernässter Fläche finden sich Seeadler, Bekassinen und viele weitere unscheinbare wie seltene, auf langen Listen gezählte Watvogelarten. Durch Eindeichung stehe inzwischen sogar eine große Fläche für den Hochwasserschutz zur Verfügung. Einzelne Landwirte murrten vernehmlich, dass so immer mehr Flächen der Landwirtschaft entzogen würden.

Wolfhard Müller bot den Landwirten an, doch auf den extensiv genutzten Flächen das schwarz-weiße Niederungsrind zu halten. Dafür würde es Fördermöglichkeiten geben. Diese Rasse sei ein besserer Futterverwerter und beim Verbraucher sehr begehrt.

Zum Unmut schwoll das Murren der Landwirte am Aussichtspunkt der 17 Hektar großen Amtmann’schen Wiesen. Müller bot Landwirten den Dialog an und betonte, er strebe weiteren Naturschutz in erster Linie auf Flächen an, die für die konventionelle Landwirtschaft aufgrund von Vernässung ohnehin unwirtschaftlich seien. Allerdings betonte Müller auch sein Ziel, das Kerngebiet des Naturschutzgebietes von derzeit circa 58 Hektar langfristig auf circa 230 bis 240 Hektar in der insgesamt 400 Hektar großen Niederung auszudehnen. „Kommt nicht in Frage“ und „Darauf kannst du Gift nehmen …“, schimpfte einer der Anwesenden laut. „Ich nehme kein Gift“, lautete Müller Antwort. Über die eventuelle Ausweitung des Naturschutzgebietes entscheide allein der Kreistag, nicht die Landwirte, nicht der Förderverein Bückeburger Niederung noch er.

Scheies Ortsbürgermeister Friedrich Meyer forderte von der Politik wenigstens Rechtssicherheit. Mal werde behauptet, die Niederung bleibe wie sie ist; dann werde wieder über neue Naturschutzgebiete geredet. Nicht einmal geklärt sei die Frage von Fraßschäden durch angelockte Gänse, ereiferte sich ein Nebenmann. Doch bevor die Diskussion so richtig hitzig werden konnte, fielen dicke Tropfen aus dunklen Wolken und der Tross mit seinen Fahrrädern löste sich auf.red/rc




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