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Filmproduzentin Regina Ziegler über ihre Kindheit in Obernkirchen

OBERNKIRCHEN. Regina Ziegler, weltbekannte Filmproduzentin, ist als Tochter von Trude Krömer in Obernkirchen aufgewachsen und hat jetzt ihre Biografie geschrieben („Geht nicht, gibt’s nicht“, erschienen im Verlag C. Bertelsmann). Ein Kapitel ihres Buches widmet sie auch ihrer Jugend in Obernkirchen.

veröffentlicht am 03.01.2018 um 16:05 Uhr
aktualisiert am 03.01.2018 um 18:10 Uhr

Lieblingsort der Familie in Obernkirchen: der Garten – hier Regina Ziegler mit ihrer Mutter „Trude“ Gertrud Krömer. Foto: Poll
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Autor

Hans Weimann Reporter
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OBERNKIRCHEN. Regina Ziegler produzierte die ARD-Serie „Weissensee“ um eine Stasi-Funktionärsfamilie mit Top-Einschaltquoten, „Die Landärztin“. „Mordkommission Istanbul“, zwei Tatorte und den Zweiteiler „Der Mann mit dem Fagott“ über den der „Spiegel“ schrieb: „Udo Jürgens im Bademantel durch Weltkrieg und Wirtschaftswunder.“

Filmemachen, das war bis Ziegler kam eine Domäne für Zigarren rauchende Männer. Ziegler, heute längst weltbekannte Filmproduzentin, ist als Tochter von Trude Krömer in Obernkirchen aufgewachsen und hat jetzt ihre Biografie geschrieben („Geht nicht, gibt’s nicht“, erschienen im Verlag C. Bertelsmann). Ein Kapitel ihres Buches widmet sie auch ihrer Jugend in Obernkirchen.

Ziegler schreibt in ihrer Biografie über die ersten Jahre in der Bergstadt: „Ausgebombt und mittellos fehlte es uns an allem. Doch Mutter Trude ließ sich nicht unterkriegen. Sie hat sich ein Fahrrad geliehen, ist zu den Gärtnereien gefahren und hat gesagt: „Ich schlage Ihnen einen Provisionsvertrag vor!“ Dann hat sie die Bauern der Umgebung aufgesucht und ihnen junge Bäume, Erdbeeren und Rübensamen angeboten. Der Handel funktionierte. Auf diese Weise hat sie die Menschen ihrer Umgebung kennengelernt und angefangen, Fotos zu machen, unverstellt, eindrücklich. Diese Porträts der einfachen Menschen, ihrer Lebensumstände und ihrer Arbeit hat sie wiederum den Zeitungen angeboten, die sie damals ausgetragen hat. Schließlich hat sie ab 1948 als Lokalreporterin für die Schaumburger Zeitung gearbeitet. Die rasende Reporterin Trude Krömer war in der Region bald so bekannt wie ein bunter Hund. „Bei einer so tüchtigen und umtriebigen Mutter lernten wir von Anfang an, dass das tägliche Pensum nur mit klaren Absprachen zu bewältigen war. Von klein auf bekamen Bärbel, meine Schwerster, und ich Aufgaben zugeteilt.“ (Auch unter älteren Journalisten in Schaumburg ist ihre Mutter, Trude, eigentlich hieß sie Gertrud Krömer, unvergessen. Sie haben ihr im Buch „Alle nannten sie Trude“ ein Denkmal gesetzt.)

Rote Haare, scharfer Verstand, Wagemut, Witz und Selbstbewusstsein, so beschreiben Freunde die Produzentin Regina Ziegler. Foto: pr
  • Rote Haare, scharfer Verstand, Wagemut, Witz und Selbstbewusstsein, so beschreiben Freunde die Produzentin Regina Ziegler. Foto: pr

Schon in den Interviews, die Regina Ziegler im Laufe ihrer Karriere gegeben hat, ließ sie nie ihre Eltern und ihre Jugend in Obernkirchen unerwähnt, weil deren Lebenseinstellung sie geprägt habe. Sie erzählt: „Mein Vater hatte als Brunnenbauer die Fähigkeit, mit der Wünschelrute Wasseradern zu finden. Meine Mutter hat sich Learning by Doing als Journalistin durchgesetzt. Das habe ich wohl von beiden geerbt. Ich habe mich immer allein durchgesetzt. Und wenn mal nicht genug Geld da war, etwa in der Zeit, als ich noch für den SFB tätig war, habe ich nebenbei halt zusätzliche Tätigkeiten ausgeübt. So die Berliner Morgenpost ausgetragen. Da war ich 19. Damals gab es noch keine verschlossenen Haustüren. Da lagen frühmorgens auch betrunkene Herren im Treppenhaus, die mich oft angemacht haben. Das fand ich ziemlich gruselig und habe mich dann auf den Verkauf von Waschmaschinen und Hormonpillen verlegt.“

Ziegler schreibt in ihrer Biografie: „Bis zu meinem zehnten Lebensjahr besuchte ich die Volksschule in Obernkirchen. Da ich leicht lernte, fassten unsere Eltern den Entschluss, mich danach auf das Gymnasium Adolfinum nach Bückeburg zu schicken. Ich sollte Latein und Griechisch lernen, um später Jura studieren zu können. Dieses Privileg war meiner fünf Jahre älteren Schwester nicht zuteilgeworden. Den sieben Kilometer langen Schulweg absolvierte ich im Sommer mit dem Rad. Noch heute habe ich eine Narbe am Knie, weil ich mit Karacho in eine Bahnschranke gefahren bin.“ Und noch heute, verrät sie in ihrem Buch, sei sie stolz auf ihre sportlichen Erfolge damals. 50 Sportkränze und Turnschleifen habe sie gesammelt, im Obernkirchener Freibad für das Totenkopf-Abzeichen geschwommen. Mit sieben sei sie zum Männerturnverein Obernkirchen gekommen: „Ich war ständig in Bewegung.“ Und Ziegler nennt auch Namen: Zu meinen engsten Freundinnen zählten damals Ingrid Bolte, Christiane Klostermann und Heide Genegel.

Und sie verrät, dass ihre Mutter auch den Grundstein für ihre Begeisterung für das Kino gelegt hat: Trude Krömer schrieb nämlich auch Film-Kritiken und hatte deshalb freien Eintritt. Und Regina durfte schon mit neun Jahren regelmäßig mit. Und sie habe Bücher verschlungen, alles, was sie habe kriegen können, auch Erich Kästners „Fabian“.

„Fabian“ hat sie später in Obernkirchen und Stadthagen mit Wolf Gremm, ihrem ersten Ehemann, verfilmt. Gremm war auch der Mann, der sie zum Film gebracht hat, als sie beim SFB als Produktionsassistentin gearbeitet hat. Gremm wollte den Film „Ich dachte, ich wäre tot“ machen und fragte Ziegler, ob sie nicht den Film produzieren wolle. Doch Filmförderung wie heute gab es damals noch nicht, auch Start-ups waren damals noch unbekannt. Ziegler erzählt: „Also ging ich wegen eines Kredits zur Bank. Doch die sagten, dass sie mit Sekretärinnen nicht verhandeln. Meine Mutter und ein paar Freunde haben schließlich die Summe aufgebracht. Zu meinem Glück habe ich für diesen Film einen Bundesfilmpreis bekommen. Das war nicht nur gut für mein Image, es gab auch Geld. Sie müssen sich vorstellen: Gleich der erste Schuss trifft ins Schwarze! Das ist ein Gefühl, das man nur einmal hat im Leben.“

Diesen Weg, Filmprojekte durchzusetzen, auch wenn sie am Anfang kaum realisierbar schienen, hat sie konsequent weiterbeschritten. Wie, das kann man in ihrer Biografie nachlesen.

Dabei hat Ziegler mit allen großen Regisseuren gearbeitet, Schauspieler zu Stars gemacht, weltweit Auszeichnungen erhalten und doch nie ihre Wurzeln in der Provinz vergessen; ihre Eltern und Obernkirchen. Deshalb gibt es im Obernkirchener Heimatmuseum auch ein Porträt aus ihren Jugendjahren: mit Zöpfen.

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