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Vermieter kümmert sich nicht: Jobcenter-Kunden ziehen aus vernachlässigter Immobilie aus

Flucht vor Müll und Schimmel

RODENBERG. Schimmel an den Wänden, Müll auf dem Außengelände, kaputte Fenster und Türen – die Zustände in einem Mietshaus an der Straße Sankt Annen in Rodenberg haben die Bewohner gründlich satt – sie ziehen aus. Umso bemerkenswerter: Die Miete bezahlte monatelang trotz vorhandener Mängel das Jobcenter.

veröffentlicht am 18.02.2018 um 17:37 Uhr

Reichlich ekelhaft: Der Schimmel wuchert an dieser Badezimmerwand. Doch auch im Wohnzimmer einer Familie sind ähnliche Phänomene zu beobachten. Foto: gus

Autor:

Guido Scholl
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Die betroffenen Kunden des Jobcenter wandten sich jetzt an diese Zeitung, um die Missstände öffentlich zu machen. Dazu gehört auch, dass in einer der Wohnungen kein heißes, sondern nur lauwarmes Wasser floss. Und zum Duschen genügte der Vorlauf für Heißwasser ebenfalls kaum. Aus Sicht eines Mieters wurden auch elektrische Leitungen unsachgemäß verlegt. Für derlei Arbeiten setze der Vermieter einen Hausmeister ein.

Dieser sollte Defekte beheben und ein Fenster austauschen, was jedoch monatelang nicht geschah. Auch der Müll sollte verschwinden – mehrfach wurde der Vermieter aufgefordert, diese Dinge erledigen zu lassen, es passierte aber nichts. Das Schimmelphänomen soll der Hausbesitzer stets mit verkehrtem Lüften begründet seitens der Bewohner haben.

Zum neuen Jahr ließ der Mann auch noch die Miete erhöhen und begründete dies mit Renovierungsarbeiten. Diese waren aber in einer Wohnung vorgenommen, die derzeit gar nicht bewohnt wird. Dies alles brachte für zwei Mietparteien das Fass zum Überlaufen. Sie fragten beim Jobcenter Schaumburg an, ob sie sich andere Bleiben suchen können und erhielten grünes Licht. Ohnehin vermuten sie, der Eigentümer habe für die Wohnungen überzogene Quadratmeterangaben gemacht.

Beim Jobcenter waren die Klagen über Schimmel, Müll und andere Missstände erst seit kurzem bekannt, wie Leiter Bernd Dittmer auf Anfrage erklärte. Wegen dieser Mängel sei den Kunden ohne weiteres zugestanden worden, sich andere Wohnungen zu suchen. Mietkürzungen hätten die Betroffenen selbst vornehmen müssen. „Wir können nicht in allen Wohnungen, in denen Leistungsbezieher wohnen, die Zustände überprüfen. Da sind wir auf Informationen angewiesen“, so Dittmer. Dasselbe gelte für die Anzahl der Quadratmeter – es könne nicht überall nachgemessen werden. Der Vermieter selbst war nicht zu kontaktieren – trotz mehrfacher Versuche. Nach Angaben der Beschwerdeführer lebt der Mann derzeit in Polen.

Unter Angabe seiner Firmendaten, die der Redaktion dieser Zeitung vorliegen, tauchen im Internet ein deutsches Vertriebsunternehmen ebenso wie eine polnische Boutiquen-Kette auf.




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