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Vor Gericht: Arrest für zwei Männer

Frage der Ehre mit Schlagstock beantwortet

Bückeburg (ly). Aus verletztem Ehrgefühl haben zwei Heranwachsende einem anderen jungen Mann fast den Schädel eingeschlagen. Unter einem Vorwand war das Opfer im Dunkeln zum Bückeburger Bahnhof bestellt worden. Die beiden Schläger hatten den Obernkirchener verdächtigt, zwei Mädchen aus ihrer Clique betatscht zu haben.

veröffentlicht am 23.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 23:41 Uhr

Knapp anderthalb Jahre nach der Tat hat das Amtsgericht Bückeburg jetzt die beiden wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt: Ein Bückeburger (19), der dem Opfer mit einem Schlagstock aus Metall drei Hiebe auf den Hinterkopf versetzt hatte, bekommt zwei Wochen Dauerarrest, ein 21 Jahre alter Stadthäger eine Woche. Hinzu kommt die Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs. Weil die einschlägig vorbelasteten beiden Angeklagten zur Tatzeit Heranwachsende waren, wurden sie nach dem eher moderaten Jugendstrafrecht verurteilt. Im Vordergrund steht dabei der Erziehungsgedanke.

Dennoch: „Von Selbstjustiz halten wir hier überhaupt nichts“, betonte Richter Dr. Dirk von Behren. Verletztes Ehrgefühl gebe den Angeklagten „nicht einmal ansatzweise das Recht, so massiv vorzugehen“. Übel nimmt Richter von Behren den Schlägern, dass diese das blutende Opfer am Tatort am Bückeburger Bahnhof zurückgelassen hatten. „Das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt“, sagte er.

Nur weil die Tat so lange zurückliege und zwischenzeitlich nichts hinzugekommen sei, blieben die Strafen an der unteren Grenze. „Sonst hätte es drei und vier Wochen Dauerarrest gegeben“, so der Richter. Die Schläge auf den Hinterkopf wurden in der Urteilsbegründung als „lebensgefährdende Behandlung“ eingestuft.

Nach der Schlägerei war überall Blut am Bückeburger Bahnübergang, wie sich bei der Verhandlung herausstellte. Der Verletzte hatte unter anderem eine zehn Zentimeter lange Platzwunde am Kopf erlitten, fünf Tage lag er im Krankenhaus Bethel in Bückeburg. Die Täter hatten den heute 19-Jährigen noch mit Fäusten geschlagen und getreten, als dieser bereits am Boden lag. „Ich hatte Todesangst“, sagt er.

„Da hat es bei mir getillt“

Bei dem Treffen am Bahnhof in Bückeburg soll das spätere Opfer eine Belästigung der Mädchen zugegeben und dazu „dreckig gegrinst“ haben, wie der junge Mann mit dem Schlagstock in seiner Aussage vor Gericht erklärte. „Da hat es bei mir getillt.“ Dreimal will der Bückeburger den Obernkirchener getroffen haben: am Knie, der Hüfte und dem Oberarm. „Aber nicht auf den Kopf“, wie er beteuerte. Richter Dirk von Behren hält dies für eine glatte Lüge.

Mit angeklagt waren zunächst drei weitere junge Leute. Zwei Verfahren wurden vom Amtsgericht Bückeburg ohne Auflagen eingestellt, eins gegen einen Bückeburger (21), der erst mit zum Bahnhof gegangen war, dann aber umkehrte. Ein Mädchen, welches das Opfer angerufen und zum Tatort bestellt hatte, muss 15 Stunden gemeinnützig arbeiten.

Vor Gericht entschuldigten sich die beiden Schläger. Der Obernkirchener nahm an. Ein Verfahren gegen den 19-Jährigen, eingeleitet wegen der angeblichen sexuellen Übergriffe, ist dem Vernehmen nach übrigens eingestellt worden.




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